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Merken   Drucken   04.02.2007, 10:03 Schriftgröße: AAA

Wo Dax-Vorstände am Lehrerpult stehen

Deutsche MBA-Schulen bemühen sich um Studenten aus dem Ausland. Einige sind dabei sehr erfolgreich. Sie profitieren von der deutschen Wirtschaftskraft und von Kooperationen mit renommierten Instituten. von Axel Gloger
Verzahnung deutscher Business-Schulen mit der Wirtschaft: Hier ...   Verzahnung deutscher Business-Schulen mit der Wirtschaft: Hier liest Henning Schulte-Noelle, Allianz-Chef an der ESMT
Das Oktoberfest, gutes Bier, teure Autos und Tugenden wie Pünktlichkeit - das sind für Claus Noppeney einige Klischees, die Deutschland im Ausland beliebt machen. MBA-Schulen könnten dieses Image nutzen, um Studenten aus aller Welt zu gewinnen. Für den Unternehmensberater, der im MBA-Programm der Grenoble Graduate School of Business (GGSB) lehrt, ebenfalls ein starkes Argument: "In Deutschland studieren heißt vom Exportweltmeister lernen."
Jeder Dritte, der ein international ausgerichtetes Programm an einer deutschen Schule studiert, kommt aus dem Ausland. Das hat das Kölner Staufenbiel-Institut ermittelt. Das ist zwar im Vergleich zu europäischen Topschulen wenig: Am Insead oder der London Business School sind 70 Prozent der Teilnehmer Ausländer. Die heimischen Schulen mühen sich jedoch, diese Quote zu erhöhen. Die Handelshochschule Leipzig (HHL) etwa glänzt mit einem Anteil internationaler Studenten von 60 Prozent.
Konzernvorstände bieten Einblicke
Der neue Jahrgang an der ESMT vereint Studenten aus 20 Ländern   Der neue Jahrgang an der ESMT vereint Studenten aus 20 Ländern
An der European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin ist der Anteil noch höher. Für den zweiten Jahrgang hat die neu gegründete Schule Studenten aus 20 Ländern angezogen. Chinesen und Chilenen sind in der MBA-Klasse ebenso vertreten wie Israelis und Japaner. Selbst aus dem Mutterland des Business-Studiums, den USA, ziehen mittlerweile Studenten nach Berlin.
Einen Grund für den Erfolg auf dem Weltmarkt nennt Wulff Plinke, Dekan der ESMT: "Unser MBA-Programm sorgt für eine enge Verzahnung mit den besten Unternehmen der deutschen Wirtschaft." Mindestens einmal im Monat gewährt ein Vorstandschef eines Dax-Konzerns den ESMT-Studenten Einblicke in die deutsche Managementpraxis. So lernen sie etwa, wie Porsche an einem verkauften Auto 22.000 Euro verdient, der japanische Konkurrent Toyota aber nur 1700 Euro.
Mit Blick auf den deutschsprachigen Wirtschaftsraum
Der deutschsprachige Raum punktet auch mit der Wirtschaftskraft. "Deutschland, Österreich und Schweiz zusammen bilden den mit Abstand größten Markt auf dem Kontinent", sagt Berater Noppeney. Wer sich für einen Job hier interessiere, sei gut damit beraten, sich auch hier zu qualifizieren.
Philippe Naert, Dekan der Schule Tias Nimbas mit Einrichtungen in Bonn und Berlin, sieht das ähnlich. "Man sollte den MBA immer dort absolvieren, wo man seine berufliche Zukunft sieht." Das Angebot amerikanischer Schulen tauge eher für eine Berufstätigkeit in den USA. "Das MBA-Wissen aus Harvard oder Wharton ist nicht direkt auf die deutsche Praxis übertragbar", sagt Naert.
Ausrichtung der Schulen beachten
190 Programme konkurrieren auf dem deutschen Markt. Aber für Studenten aus dem Ausland ist davon nur ein Bruchteil interessant. Denn kleinere Fachhochschulen etwa, die nicht international ausgerichtet sind, stellen mehr als die Hälfte des Angebots. "Schmalspurprogramme" betitelt Katrin Alberts vom Staufenbiel-Institut manches dieser Angebote; umetikettierte BWL-Studiengänge, deren Reichweite kaum über den örtlichen Kirchturm hinausgehe. "Lokale Programme, lokale Professoren, lokale Teilnehmer", urteilt auch der Tias-Nimbas-Dekan über die kleinen Konkurrenten.
Von diesen Kreisliga-MBAs hebt sich die Spitze des deutschen Marktes ab. Anbieter wie ESMT und HHL, aber auch die WHU, die EBS und die Business-Schulen der Universitäten Mannheim und Frankfurt sowie der Technischen Universität Hamburg-Harburg bieten ihre Inhalte meist in englischer Sprache an - das macht Deutschland auch für den weltweiten Managernachwuchs attraktiv.
Abschlüsse weltweit bekannter Schulen
Die Uni Frankfurt vergibt zusammen mit der renommierten Duke einen MBA   Die Uni Frankfurt vergibt zusammen mit der renommierten Duke einen MBA
Zudem arbeiten einige Schulen mit geliehenen Marken: Frankfurt verleiht den MBA der renommierten Duke School, an der WHU kann man neben dem hauseigenen auch den Kellogg-MBA erwerben, Studenten in der Gisma in Hannover bekommen den Purdue-MBA, ebenfalls auf den weltweiten Ranglisten ganz vorn. "Diese weltweit bekannten Abschlüsse sind Pluspunkte im Karrierewettlauf", sagt Karlheinz Schwuchow, Professor für internationales Management an der Hochschule Bremen und ehemals Leiter einer deutschen Business-Schule.
Überdies können deutsche Schulen auch praktisch argumentieren: mit den Kosten. Zwar unterscheidet sich die Höhe der Studiengebühren kaum von denen internationaler Wettbewerber. Der MBA an der ESMT schlägt mit 50.000 Euro zu Buche, die HHL berechnet 22.500 Euro. "Aber die Lebenshaltungskosten sind in Deutschland deutlich niedriger", sagt Schwuchow. Wohnungsmiete, Theaterkarten, Lebensmittel - all das ist in Berlin günstiger als in London.
  • FTD.de, 04.02.2007
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