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Merken   Drucken   12.08.2010, 12:00 Schriftgröße: AAA

Work-Life-Balance: Arbeit und Freizeit unter einen Hut bekommen

Die Deutschen stehen auf sichere Jobs. Das Risiko der Selbständigkeit und die Sorge, kaum Zeit für die Familie zu haben, sind ein Grund dafür. Berufseinsteiger bezeichnen eine ausgewogene Work-Life-Balance als wichtigstes Karriereziel. von Sabine Meinert 
Welche Berufsziele sind mir die wichtigsten? Mehr als 20.000 Studierende gaben darüber im Rahmen einer Umfrage des Employer-Branding-Beraters Universum Communications Auskunft. "Ein sicherer Job" war eine der häufigsten Antworten. Doch noch wichtiger ist den Befragten die Vereinbarkeit von Beruf und Familie - für jeden zweiten liegt hier das größte Augenmerk bei der Jobauswahl. Außerdem zählt die intellektuelle Herausforderung im Job. Eine internationale Laufbahn oder der Status als Fachmann ist den Umfrageteilnehmern dagegen nicht so wichtig.

Welche Karriereziele sind für Sie persönlich besonders wichtig?
eine ausgewogene Work-Life-Balance50 Prozent
intellektuell herausgefordert sein40 Prozent
einem sicheren und beständigen Job nachgehen37 Prozent
Führungskraft mit leitender Funktion31 Prozent
unternehmerisch oder kreativ / innovativ sein25 Prozent
eine internationale Laufbahn25 Prozent
selbständig oder unabhängig sein20 Prozent
technischer oder Fachexperte sein18 Prozent
sich dem Gemeinwohl widmen 12 Prozent
(drei Nennungen möglich)
Quelle: Universum Student Survey 2010

Die Arbeitgeberattraktivität hängt für Berufseinsteiger daher vor allem an vier Punkten. Wer im Wettlauf um die besten Talente vorn dabeisein will, sollte deshalb nicht nur auf gute Bezahlung setzen. Der ideale Arbeitgeber lockt zwar mit entsprechendem Grundgehalt, aber auch mit attraktiven Produkten und Dienstleistungen, einer anspruchsvollen Tätigkeit und eben Work-Life-Balance.
Was ist Arbeitszeit, was Freizeit?
Gleichzeitig ist zu beobachten, dass es schwieriger wird, das ausgewogene Verhältnis zwischen Freizeit und Job zu bemessen, da die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben mehr und mehr verschwinden. Per Internet und Handy sind viele Beschäftigte auch nach der Arbeitszeit noch erreich- und ansprechbar. Zwei Drittel der Berufstätigen (67 Prozent) stehen Kunden, Kollegen oder dem Chef sogar regelmäßig nach Büroschluss zur Verfügung, zeigt eine Studie des Hightech-Verbandes Bitkom.
Für jeden Dritten der Betroffenen überwiegen dabei die positiven Seiten, vor allem Frauen sehen Vorteile. 16 Prozent bewerten das Fallen der Grenze zum Privatleben dagegen eher negativ. Für jeden Zweiten halten sich Plus und Minus die Waage. "Firmen wie Arbeitnehmer können aber
Auch außerhalb der Arbeitszeit ist so mancher Beschäftigte ...   Auch außerhalb der Arbeitszeit ist so mancher Beschäftigte dienstlich aktiv
von der Flexibilität im Umgang mit dem Web profitieren", so Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer. Er rät zudem, klare Regeln für die Netz-Nutzung aufzustellen, denn fast jeder zweite Berufstätige surft im Web während der Arbeit auch privat.
Immer auf "Standby"
Die Überschneidungen von Beruf und Freizeit stellt ebenso die Studie "Generation Standby" in den Fokus. Das Marktforschungsunternehmen Loudhouse Research untersuchte dafür im Auftrag des Sicherheitssoftware-Spezialisten Clearswift die Konsequenzen von Web-2.0-Technologien für den Arbeitsalltag. Demnach akzeptieren viele Arbeitnehmer, dass sie für ihren Beruf häufig auch außerhalb der Bürozeiten auf Standby-Status gestellt sind. Sie erwarten dafür aber im Gegenzug flexible Arbeitszeiten und eben die Möglichkeit, das Internet auch privat nutzen zu können.
Mindestens zwei Mal pro Woche überschneiden sich im Schnitt berufliche und private Aktivitäten, so die Studienergebnisse. Jeder dritte der 400 befragten Manager und Büroangestellten aus Deutschland, den USA, Großbritannien und Australien nutzt deshalb intensiv ein Smartphone, das die Verbindung zum Arbeitsplatz notfalls rund um die Uhr herstellt.
Das birgt jedoch auch Risiken, warnt Henning Ogberg, Sales Director Central & Eastern Europe bei Clearswift. So könnten Kundendaten und sensible Unternehmensinfos ausgespäht werden oder verloren gehen. Hier müssen Kontrollmöglichkeiten erwogen werden. "Nimmt jedoch die interne Kontrolle überhand, stört dies das Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Die Bereitschaft der Angestellten sinkt dann, ihre Arbeitszeiten flexibel auf unternehmerische Anforderungen anzupassen", so Ogberg.
Was zählt, ist Vertrauen
Der Untersuchung zufolge führt die aktuelle wirtschaftliche Situation dazu, dass etwa jeder zweite Deutsche denkt, er müsse in diesem Jahr härter arbeiten als 2009. 44 Prozent der Angestellten sind zudem der Meinung, sie müssten auch länger arbeiten. Den Schlüssel zur beruflichen Zufriedenheit sehen die Befragten - neben guter Bezahlung - vor allem im Faktor Vertrauen. Sie bewerten zum Beispiel den Aspekt "meine Zeit frei einteilen zu können" höher als jeden anderen Vorteil.
Vor dem Hintergrund verschwindender Grenzen zwischen Job und Freizeit rät der CEO von Clearswift, Richard Turner, aber: "Unternehmen müssen nicht nur technisch, sondern auch in der Art der Mitarbeiterführung und -entwicklung dafür sorgen, dass aus den Freiheiten der Arbeitsgestaltung keine Belastung wird."
Weitere Informationen unter: www.universumglobal.com, www.bitkom.org, www.clearswift.de
  • FTD.de, 12.08.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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