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Merken   Drucken   14.03.2007, 14:00 Schriftgröße: AAA

Zeitarbeit boomt und wandelt ihr Image

Bereits eine halbe Million Menschen arbeiten in Deutschland auf temporärer Basis. Dennoch ist das Anheuern von Mitarbeitern über Zeitarbeitsfirmen noch immer eher wenig verbreitet, zeigt der internationale Vergleich. von Sabine Meinert
Zeitarbeit kann helfen, Arbeitsspitzen abzubauen - hier Maler an ...   Zeitarbeit kann helfen, Arbeitsspitzen abzubauen - hier Maler an einer Hallenwand
Nur etwa 1,7 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland sind Zeitarbeiter. In Großbritannien liegt ihre Zahl etwa drei Mal, in den Niederlanden etwa doppelt so hoch. Personal-Experten sind deshalb der Meinung: Das Ausland macht es vor - hier entwickelt sich ein neues Arbeitszeitmodell.
Deutschland sollte deshalb von den europäischen Nachbarn lernen, so die Empfehlung des Personaldienstleisters Robert Half. Denn der Zeitarbeitsmarkt wächst rasant - allein der Zuwachs 2006 zum Vorjahr betrug 20 Prozent. Die Fachleute schätzen, dass sich die Zahl der Zeitarbeitnehmer in Deutschland bis 2010 verdoppeln wird.
"Die Zeitarbeit hat lange unter einem negativen Image gelitten", sagt Ian Graves, Europa Direktor bei Robert Half. "Dass sich das geändert hat, zeigt allein die Tatsache, dass vermehrt auch bei qualifizierten Tätigkeiten auf temporäres Personal gesetzt wird." Jeder dritte Arbeitnehmer, den der Personaldienstleister einem Unternehmen überlässt, hat bereits einen Hochschulabschluss.
Was zählt: Schnell reagieren können
Für Unternehmen wie Arbeitnehmer zählt vor allem die Flexibilität - sie macht Zeitarbeit für beide Seiten attraktiv. In einer Firma können damit Arbeitsspitzen aufgefangen, Jahresabschlüsse beendet, Projekte angeschoben, Fachkräfte ersetzt, Urlaubs- und Mutterschaftszeiten kurzfristig überbrückt werden. Flexible Personalplanung ist der wichtigste Vorteil, zeigt die Erfahrung der Personaldienstleister.
Arbeitnehmer setzen jedoch daneben auch auf einen sicheren Arbeitsplatz. Zusammen mit dem Wunsch nach Flexibilität könnte man ihre Motivation mit dem Wort "Flexicurity" (flexibility + security) zusammenfassen. Dass die Zeitarbeit immer beliebter wird, hat zudem auch mit dem 2003 veränderten Gesetz zur Arbeitnehmerüberlassung zu tun: Es sichert gleiche Bezahlung und gleiche Rente zu und ermöglicht außerdem eine zeitlich unbeschränkte Überlassung.
Erfahrung macht wertvoll
Sven Hennige, Regional Director Central Europe bei Robert Half, sieht einen weiteren großen Vorteil von Zeitarbeitern in der Erfahrung, die diese in kurzer Zeit in unterschiedlichen Unternehmen sammeln können. "Auf diese Weise steigern sie ihren eigenen Marktwert". Zudem könne man sich zunächst in verschiedenen Unternehmen und Branchen umsehen, bevor man sich endgültig für einen neuen Job bewerbe oder entscheide. Das habe beispielsweise in Großbritannien großenteils zum Imagewandel der Zeitarbeit beigetragen, sagt Hennige.
Auch der steigende Fachkräftemangel hilft dem Zeitarbeitsmarkt auf die Beine. Immer mehr Firmen können hochqualifizierte Stellen derzeit nur noch mit Mühe besetzen. Vor allem Ingenieure und Techniker, Naturwissenschaftler, Maschinenbauer und IT-Spezialisten bleiben gefragt, so die Branchenverbände und Arbeitsagenturen. Für die Personaldienstleister bedeutet dies, dass auf Branchen spezialisierte Anbieter gefragter werden.
  • FTD.de, 14.03.2007
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