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Merken   Drucken   30.10.2009, 13:00 Schriftgröße: AAA

Gesundheitswirtschaft: Peter der Große  

Peter Sawicki wird künftig entscheiden, welche Arzneien die 70 Millionen Kassenpatienten bezahlt bekommen - und dabei die Umsätze der Pharmakonzerne stutzen. Doch Verantwortung hat der Mediziner nie gescheut. Und Konflikte schon gar nicht. von Heide Neukirchen
Mit kräftiger Hand schwingt Peter Sawicki die Schiffsglocke. Ihr durchdringender Ton treibt ein buntes Völkchen weg vom Pausenbüffet zurück in den Vortragssaal des Kölner Hotels Radisson: Designerkostüme, alternative Schlabberröcke, korrekte Anzüge, ausgebeulte Baumwollhosen. Halbzeit beim wissenschaftlichen Herbstsymposium des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).
Der Mann mit der Glocke genießt das Aufgebot an Experten und Freunden wie ein Kater den warmen Sonnenschein. Er schickt der Ankündigung des nächsten Redners sein charakteristisches Lächeln hinterher: heiter freundlich und ermunternd herzlich. Dieses eine Mal im Jahr ist das IQWiG über Zweifler erhaben.
Der Rest des Jahres ist Kampf. Dem Institut, das Sawicki seit seiner Gründung 2004 leitet, wünschen viele das Aus. Der politische Auftrag lautet: "Nutzen und Schaden medizinischer Maßnahmen für Patienten untersuchen", "wissenschaftlich integer" und "neutral", so steht es im Gesetz. Um die Deutung dieses Anspruchs streitet das IQWiG seit nunmehr fünf Jahren - besonders erbittert gegen die Angriffe der Pharmaindustrie. Nur kurz sah es so aus, als ob es eine Aussöhnung der Kontrahenten geben könnte.

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  • FTD.de, 30.10.2009
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