Stockers Alternativkonzept gewinnt immer mehr Anhänger. Ob der Protest Erfolg hat, steht aber in den Sternen. Für manche Widerständler kommt es aber wohl gar nicht darauf an. Leute wie Stocker kämpfen nicht nur gegen den Neubau, sie fordern mehr Mitbestimmung für die Bürger - und bieten den Mächtigen die Stirn. Das macht ihren Protest auch für die politikverdrossene Mitte interessant.
Mit Widerstand kennt sich Stocker aus. Als junger Mann verweigerte er den Kriegsdienst, zu einer Zeit, als das noch nicht salonfähig war. Politisch startete er bei der SPD, dann folgten DKP und PDS. Lange hielt er es nirgendwo aus. Heute ist er parteiloser Stadtrat.
Seine Berufslaufbahn als Künstler unterbrach er, als er heiratete und Kinder bekam. Um die Familie besser abzusichern, suchte er sich einen Angestelltenjob. Im Stuttgarter Thieme-Verlag wurde er auch Betriebsrat. Einer von der unbequemen Sorte. "Von den 23 Jahren, die ich dort war, wollten sie mich 22 Jahre lang loswerden", erzählt er. Irgendwann ging er tatsächlich - mit einer hohen Abfindung. "Da habe ich wieder angefangen zu malen." Realismus mag er, sagt Stocker. Avantgarde ist nicht sein Ding.
Montag werden sich wieder Tausende Stuttgarter dem Protestzug anschließen, den Stocker einst mit ins Leben gerufen hat und der den provokanten Namen Montagsdemo trägt. Er glaubt, dass er und seine Anhänger ihrem Ziel nahe sind. "Wenn wir jetzt keinen Blödsinn machen, könnte bald das Handtuch fallen." Dann gibt es zwar erst mal keinen neuen Bahnhof. Aber Stocker kann wieder malen.