Solarworld-Chef Frank Asbeck
Manche Probleme löst Frank Asbeck mit der Kraft des Glaubens. Als die Solarmodule, die er nach Togo exportierte, regelmäßig im Hafen der Hauptstadt Lomé geklaut wurden, fiel dem Gründer und Vorstandschef von Solarworld ein, dass die Diebe in einem tief katholischen Land leben. "Gute Freunde" verschafften ihm daraufhin im Jahr 2004 bei einer Generalaudienz des Papstes in Rom die Gelegenheit, in der ersten Reihe den Segen für Pilger zu empfangen.
"Heiliger Vater", sagte er damals, "wir können aus Sand und Sonne Strom machen." Worauf Johannes Paul II. geantwortet habe: "Natürlich, der Herr kann schließlich alles." Der Papst segnete nicht nur Asbeck, sondern auch ein mitgebrachtes Solarmodul. Asbeck ließ das Foto mit ihm, Johannes Paul und dem Modul in Westafrika verbreiten - und fortan war Schluss mit dem Diebstahl.
"Sonnengott" aus dem Rheinland
Von der Begegnung mit dem Kirchenoberhaupt zehrt der Bonner Unternehmer noch heute. "Sprachlos" sei er nach der Audienz gewesen, ergriffen von der "unglaublichen geistigen Präsenz" des Papstes, sagt er. In der Tat ist es schwierig, den Chef des größten deutschen Solartechnik-Herstellers zum Schweigen zu bringen. Der 46-Jährige besitzt einen vitalen Mitteilungsdrang. Was er denn jetzt noch werden könne, da er ja bereits deutscher Sonnenkönig sei? "Sonnengott wäre schön", gibt er ironisch zurück.
Seine Rhetorik hat viel zu seinem Erfolg beigetragen, aber der Rheinländer beherrscht mehr als die reine Verpackungskunst. "Frank Asbeck ist einer der Vorreiter der Solarindustrie. Er hat früh erkannt, welches Potenzial der Fotovoltaikmarkt birgt", sagt Peter Thiele, Deutschlandchef der Solarsparte bei Sharp, dem Weltmarktführer bei der Herstellung von Fotovoltaikanlagen, die Sonnenlicht in Strom umwandeln. "Die unkonventionelle Art, mit der er seine Firmenpolitik betreibt, verdient Anerkennung."
Expansion nach Osten
Zu dieser Politik gehört die Expansion nach Ostdeutschland, ins sächsische Freiberg. Vor langer Zeit war die Stadt im Erzgebirge ein wichtiger Standort für den Bergbau und die Herstellung von hölzernem Weihnachtsschmuck. Heute bröckeln selbst in Rathausnähe die Fassaden. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 18 Prozent. Der moderne Industriepark passt nicht zum Rest der Stadt. Hier lässt Asbeck Siliziumscheiben, Solarzellen und Solarmodule fertigen. Die Wurzeln der Fabrik liegen im DDR-Kombinat "VEB Spurenmetalle". Nach der deutschen Einheit investierte in Freiberg der Bayer-Konzern.
Solarworld kaufte dessen Komplex vor einigen Jahren und baute ihn weiter aus.
"Meine Sachsen sind treu", sagt Asbeck während der Tour durch die Fabrik. Er setzt auf die Produktion in der Provinz und zahlt den ostdeutschen Mitarbeitern Löhne auf Westniveau, "schon deshalb, weil ich bei uns im Rheinland nicht genügend qualifizierte Arbeiter finde". Die richtigen Leute seien so knapp wie der Rohstoff Silizium, der aus Quarzsand gewonnen wird. Die noch kleine Branche wächst derzeit jährlich um 20 bis 25 Prozent.
Ende der 80er Jahre gründete der Ingenieur Asbeck ein Büro für den Auf- und Umbau von Industrieanlagen. Die Möglichkeiten der erneuerbaren Energien hatte er damals schon im Blick, auch, weil er 1979 in Nordrhein-Westfalen an der Gründung des ersten Landesverbandes der Grünen beteiligt war, gemeinsam mit Petra Kelly, Gert Bastian, Michael Vesper und anderen. Zwar fesselte ihn die Politik nicht lange ("Die wollten nächtelang debattieren, und ich wollte nachts schlafen."), aber Spurenelemente hat er doch verinnerlicht: "Solarenergie ist ein sauberes Geschäft. Eine Rüstungsfirma könnte man mir auf den Bauch binden." Die politisch korrekte Grundhaltung hielt ihn nicht davon ab, in den 90er Jahren gemeinsam mit seinem Bruder in den Kriegsgebieten auf dem Balkan gepanzerte Limousinen zu vermieten.
Im Jahr 1998 gründete er seine Handelsfirma Solarworld, ein Jahr später brachte er sie an die Börse. Aus dem Handelsunternehmen machte er durch den Zukauf der Bayer-Solarsparte einen integrierten Hersteller, der von der Siliziumscheibe bis zum fertig ausgestatteten Modul die komplette Wertschöpfungskette abdeckt. Vergangenes Jahr fuhr er 355 Mio. Euro Umsatz und 52 Mio. Euro Nettogewinn ein. Anfang Februar kaufte er dem Energiekonzern Shell dessen Solarzellengeschäft ab und schob sich von "ferner liefen" auf Platz drei der weltgrößten Fotovoltaik-Hersteller, hinter Sharp und den britischen Energiekonzern BP. Asbecks Ziel: "Nummer eins oder Nummer zwei."
Nach zwei Stunden hat er keine Lust mehr, durch die Hallen zu ziehen. Im Le Bambou in Freiberg wartet die gedeckte Tafel - im "einzigen Restaurant weit und breit hier", das Asbecks Sehnsucht nach gehobener Küche Rechnung trägt. Solche Schlemmertempel sind Metropolen auf seiner inneren Landkarte.
Das große Wort führte Asbeck schon, als Solarworld kaum jemand kannte. Heute tut es der barocke Firmenchef jedoch weniger penetrant, präsentiert sich mit mehr Selbstironie: "Ich kenne die Grenzen des Wachstums sehr genau", sagt er, während sein Messer in einen gebratenen Rebhuhnflügel fährt. "Mit 133 Kilo Gewicht kommt man um diese Erkenntnis nicht mehr herum."
Gute Frage
Was für ein Unternehmen würden Sie heute gründen?
Wieder ein Unternehmen wie Solarworld, aber diesmal inklusive einer eigenen Produktion für den knappen Rohstoff Solarsilizium.
Welcher Managementansatz wird überschätzt?
Ich kenne keinen Managementansatz und habe mich mit Büchern über so etwas nie kontaminiert.
Was muss ein idealer Mitarbeiter können?
Er sollte zwei alte Weisheiten verinnerlicht haben: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Und: Der längste Weg beginnt immer mit dem ersten Schritt.