SAP-Gründer Dietmar Hopp vor der Firmenzentrale
Doch wenn das Gespräch darauf kommt, dass er einmal unschuldig ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten ist, verliert Dietmar Hopp die Contenance: "Das war das Perverseste, was man sich vorstellen kann", bricht es aus dem SAP-Mitbegründer und Club-Präsidenten heraus.
Weil er über seine eigene Stiftung dem damaligen MLP-Chef Bernhard Termühlen im Jahr 2002 mit einer Bürgschaft geholfen hatte, ermittelte die Staatsanwaltschaft 2003 wegen angeblicher Untreue gegen ihn. Wie ein "Racheengel" habe die Staatsanwältin bei der Hausdurchsuchung gewirkt, empört er sich noch heute. Doch der 65-Jährige ist keiner, der so etwas einfach hinnimmt. 300.000 Euro gab er aus, um sich zu rehabilitieren. Alle Vorwürfe erwiesen sich als falsch, denn Hopp hatte die Transaktion mit seinem Privatvermögen abgesichert. Die Stiftung hatte er nur ins Boot geholt, weil sie die Provision erhalten und so mehr Geld für ihre eigentlichen Aufgaben zur Verfügung haben sollte.
Jährlich zweistellige Millionenbeträge für Medizin, Bildung und soziale Einrichtungen
Dass es ausgerechnet seine Hilfsbereitschaft war, die ihn in Bedrängnis brachte und an seinem Image als Wohltäter kratzte, ärgert den sonst so ruhigen, bedächtig sprechenden Mann bis heute. Der Finanzdienstleister MLP war seinerzeit in einer schwierigen Situation, Arbeitsplätze standen auf dem Spiel. "Da Nein zu sagen und darüber hinwegzugehen, dass 4000 Leute möglicherweise ihren Job verlieren, das ist nicht mein Naturell", sagt Hopp.
Über seine Stiftung fließen jährlich zweistellige Millionenbeträge in die Förderung von Medizin und Bildung oder soziale Einrichtungen. In der Dietmar-Hopp-Stiftung stecken 28 Millionen SAP-Aktien im Wert von über 4 Mrd. Euro - der Großteil seines Vermögens. "Es macht ihm Freude zu helfen", sagt Heinz Merklinger, Bürgermeister von Walldorf, Standort des Softwarekonzerns SAP. Besonders am Herzen liegt Hopp der Jugendsport. "Jugend kann von Sport sehr stark profitieren. Man lernt Teamfähigkeit, man lernt, mit Niederlagen umzugehen. Man lernt auch, dass Leistung sich lohnt", sagt Hopp.
Bereits Anfang der 70er Jahre, als Hopp und vier weitere IBM-Mitarbeiter das Unternehmen SAP gründeten, spielte Sport eine wichtige Rolle. Der Freitagabend war "heilig": "Die Guten und die Schlechten haben da gemeinsam gekickt", erinnert er sich. Damals waren Computer noch schrankgroß, nur wenige Firmen konnten sich einen leisten, und es war üblich, individuelle Programme für jeden Käufer zu entwickeln. Die SAP-Gründer hatten das Ziel, eine betriebswirtschaftliche Standardsoftware zu programmieren. Die Idee zog. Heute beschäftigt das Unternehmen weltweit fast 36.000 Mitarbeiter und ist nach Microsoft und Oracle der drittgrößte eigenständige Softwarehersteller.
Einmaliges Arbeitsklima ohne Betriebsrat
Es ist wohl auch ein in Deutschland einmaliges Arbeitsklima, das zu SAPs Erfolg beigetragen hat. "Die Herausforderung besteht darin, den Mitarbeitern Arbeitsbedingungen zu schaffen, in denen sie ihre Potenziale entfalten können", erklärt Hopp. In erster Linie sieht er darin ein angstfreies Umfeld. "Hopp hat schon früh soziale Verantwortung für Mitarbeiter übernommen, sie aber auch gefordert, zum Beispiel über variable Gehaltsmodelle", sagt SAP-Vorstandsmitglied Gerhard Oswald, selbst seit 1981 beim Unternehmen. Bis heute hat das Unternehmen keinen Betriebsrat. Der Vorstand hat keine eigene Kantine - und keine Klimaanlage. "Solange die Mitarbeiter schwitzen, schwitzen wir mit", gab Hopp einst als Parole aus. "Vadder Hopp" nannten ihn die Mitarbeiter wegen seiner fürsorglichen Art.
Noch immer gibt es einmal im Jahr ein firmeninternes Fußballturnier. Dann kicken Mitarbeiter-Mannschaften aus der ganzen Welt in Walldorf. Doch Betriebssport allein vermag Hopps sportlichen Ehrgeiz nicht zu befriedigen. Sein Ziel ist es, mit seinem Verein TSG Hoffenheim, für den er vor über 40 Jahren selbst spielte, in die zweite Bundesliga aufzusteigen. Um das zu erreichen, will er Vereine der Region zusammenschließen und ein neues Stadion bauen. Diese ambitionierten Pläne sind ein Dauerthema der Lokalpresse. "SG Neureich Bimbesheim" spötteln Kritiker. "Dass das solche Wellen schlägt, hätte ich mir nicht vorgestellt", sagt Hopp.
Nachdem er den SAP-Aufsichtsrat 2005 verlassen hatte, blieb Hopp unternehmerisch tätig. Er ist unter anderem an einer Brauerei beteiligt und engagiert sich über eine Beteiligungsgesellschaft bei Biotechnologie- und Medizin-Firmen. Und noch ein Engagement hat er sich aufgeladen. Die von ihm gegründete Stiftung Pro Justitia will Missstände in Ermittlungsverfahren aufdecken. "Es ist schon brutal, wenn Sie in die Mühlen geraten", sagt er, und seine Stimme wird wieder etwas lauter. Das passiert ihm sonst eigentlich nur am Spielfeldrand. Hopp gibt zu, Schiedsrichter schon einmal als "blinde Kuh" beschimpft zu haben. "Milliardärs-Hooligan" habe ihn jemand mal genant - eine Übertreibung, die er gelassen hinnimmt. Schließlich habe er mit dem Wortschöpfer, einem "unheimlich netten Mann", vorher eine Runde Golf gespielt.