Florian Homm
Selbstverständlich residiert er mit seiner "Absolute Capital Management" (ACM) ganz oben. So, wie es sich für einen erfolgreichen Finanzinvestor gehört. 10. Stock, noch ein paar Stockwerke über dem deutschen und amerikanischen Generalkonsulat, mit Blick durch getönte Glasfassaden auf den Hafen von Palma de Mallorca, wo die Neureichen ihre Yachten und Speedboote geankert haben.
Das knappe Dutzend Hedge-Fonds-Manager auf dieser Beletag interessiert sich jedoch nur für Börsenkurse und Unternehmensbilanzen. Money makes the world go round - das ist es, was im Heuschreckennest des Florian Homm zählt. Es gab eine Zeit, da mussten Leute, die für ihn arbeiten wollten, zur Mutprobe erst von einer 22 Meter hohen Klippe springen. Inzwischen ist der Chef vergleichsweise milde geworden. Beim Charaktertest verlässt er sich im Zweifelsfall auf seine Frau: "Sie hat eine extrem emotionale Intelligenz."
"Wo gehobelt wird, fallen Späne"
Homm ist Deutschlands prominentester und umstrittenster Hedge-Fonds-Boss. Er verwaltet über Hochrisikonfonds, die auf den Cayman Islands installiert sind, 750 Mio. Euro und über andere Vermögensverwaltungen weitere 500 Mio. Euro. Beim krisengebeutelten Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund ist er eingegrätscht, den Vermögensverwalter MLP hat er sich vorgeknöpft, den Immobilienkonzern WCM und auch den Autovermieter Sixt. In der Wahl seiner Methoden war er dabei alles andere als zimperlich. Kurskiller, Aasgeier, Plattmacher wird er deshalb oft genannt, was ihm aber egal ist. "Wo gehobelt wird, fallen Späne", sagt Homm, "und in meinem Metier wird gehobelt."
Viel zu lange für seinen Geschmack haben Aktiengesellschaften mit dem Kapital ihrer Aktionäre gespielt, Vorstände mehr schlecht als recht gewirtschaftet und Aufsichtsräte ihre Kontrollaufgaben sträflich vernachlässigt. Im Gegensatz dazu, so Homm, nehmen Hedge Fonds ihre Aktionärspflichten ernst und lassen sich nicht abkochen. "Deshalb gelten Investoren wie ich als Troublemaker." Der 46-jährige Großneffe von Josef Neckermann, dem Begründer der Nürnberger Versandhaus-Dynastie, gefällt sich in dieser Rolle.
Aufreizend lässig sitzt er auf der Terrasse des Yachtclubs. Die Arme über zwei Stuhllehnen ausgebreitet, Bacardi Cola vor sich, daneben drei Havannas auf Vorrat, eine qualmende im Mundwinkel. Die goldene Rolex baumelt am Handgelenk, das Hemd steht offen wie bei Gunter Sachs in dessen besten Jahren. Homm lässt sich die Frühlingssonne ins braun gebrannte Gesicht scheinen, gerade so, als wolle er alle Heuschreckenhasser bestätigen, indem er ihre Klischeevorstellungen ins Szene setzt. Einen Mann mimt, den man sich gern zum Feind nimmt. "Ich möchte nicht beliebt sein", Havanna-Wölkchen, "ich möchte respektiert werden."
Autovermieter Sixt: Leuten wie Homm gehört das Handwerk gelegt
An der Frankfurter Börse nennen sie ihn "Jekyll and Hyde", was darauf hindeutet, dass dieser knallharte Spekulant auch seine netten Seiten haben muss. Die meisten, die es mit ihm zu tun bekommen, vermögen sie allerdings nicht zu entdecken. "Vor Leuten, die glauben, sie können alles kaufen, habe ich keinen Respekt", hat Dortmunds Trainer Bert van Marwijk unlängst entgegnet, als Mehrheitsgesellschafter Homm laut über die Verpflichtung eines neuen Fußball-Übungsleiters nachdachte. Und Erich Sixt sagte, als er einen "Angriff auf mein Lebenswerk" ausmachte: "Leuten wie Homm gehört das Handwerk gelegt."