Regina Ziegler
Klappe, die Erste. Die Hauptdarstellerin sitzt in einem Fat-Suit, der sie etliche Kilo schwerer erscheinen lässt, am Esstisch und pickt genervt mit der Gabel in ihren Nudeln herum. "Die zwingen Frauen in ein falsches Bild - und auf alles zu verzichten, was Spaß macht!", schreit sie. "Hungern statt sich wohl fühlen!" Regina Ziegler verfolgt die Aufnahmen auf einem kleinen Watchman. Es ist der erste Drehtag von "Moppel-Ich", der Verfilmung des Bestsellers von Susanne Fröhlich, und Deutschlands erfolgreichste Produzentin goutiert die ersten Bilder, die hübsche Küche und die Location.
Mehr als 300 Fernseh- und Kinofilme hat Ziegler produziert, darunter die Kurzfilme der "Erotic Tales"-Reihe oder Produktionen über berühmte Deutsche wie Willi Brandt, Axel Springer oder Beate Uhse.
1973 gründete sie Ziegler Film, die sie heute zusammen mit ihrer Tochter führt. Gleich für ihren ersten Film "Ich dachte, ich wäre tot" bekam sie den Bundesfilmpreis. Heute macht ihre Berliner Firma 18 Mio. Euro Umsatz, 6 Mio. Euro ihre Zweitfirma in Köln.
"Arroganz liegt mir nicht"
"Für mich ist Film immer noch eine Mischung von Kultur und Wirtschaft", sagt sie. "Ich bin nie angetreten, um kommerzielle Filme zu machen, ich bin aber auch nie angetreten, um Kunstfilme zu machen." Ziegler bemüht sich um ein breites Angebot. Sie wurde für den Academy Award und den Golden Globe nominiert, mit dem Goldenen Löwen von Venedig und dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet. Das New Yorker Museum of Modern Art richtet ihr als erster Produzentin überhaupt im April eine Retrospektive aus. Aber "auch sehr populäre Filme, zum Beispiel nach den Romanen von Charlotte Link, reizen mich. Man muss dann natürlich mit dem Vorwurf leben, man bediene den Massengeschmack. Aber Arroganz liegt mir nicht", behauptet sie.
"Mir imponiert, dass sie eine sehr strikte Geschäftspartnerin mit einer großen Leidenschaft und Wärme ist", sagt die Schauspielerin Christine Neubauer, die in vielen Ziegler-Produktion wie "Vollweib sucht Halbtagsmann" auftrat und nun auch das "Moppel-Ich" verkörpert. "Sie hat ihren Charme und Sex-Appeal nicht verloren und macht nicht auf Unternehmerin im Business-Anzug." Fürwahr: Regina Ziegler ist eine imposante Erscheinung, neben der selbst das "Vollweib" unscheinbar wirkt: Ihr rot gefärbtes Haar kontrastiert mit lila Lidschatten über grünen Augen, sie trägt ein wehendes, plissiertes Kleid und spricht mit einer tiefen, jazzigen Stimme. Sie ist 62 Jahre alt und schön wie die späte Lollobrigida.
Ledersofa und Abendstola
Klappe, die Zweite: Regina Zieglers Büro. Hier sucht sie nach Stoffen, nach Regisseuren und Finanzierungen. Man sieht, hier arbeitet jemand mit einem visuell geschulten und anspruchsvollen Auge. Die Officeatmosphäre konterkariert sie gekonnt mit femininer Eleganz: Gemälde von Frauen in roten Kleidern und auf hohen Hacken, ein rotes Ledersofa, eine üppige rote Abendstola, die dekorativ am Schrank hängt. Auf dem Konferenztisch liegen Bücher mit Titeln wie "Ja, ich will" und "Lippenstift und Teddybär".