Er gilt als genialer Entwickler - und machte jüngst mit einer Schimpfkanonade Schlagzeilen. GM-Vizechef Bob Lutz gibt seinen Job mitten in der schwersten Krise des Konzerns auf. Der 76-Jährige steht Konzernchef Rick Wagoner aber noch als Berater zur Seite.
Bob Lutz, Vizechef der angeschlagenen Opel-Mutter General Motors, will Ende des Jahres in den Ruhestand gehen. Schon zum 1. April aber macht der 76-Jährige seinen Platz für Thomas Stephens frei. Das teilte der US-Konzern am Montag in Detroit mit. Der 60-jährige Stephens war bisher stellvertretender Leiter der Sparte Antriebstechnik und Qualität bei GM.
Der US-Konzern verliert damit in der größte Krise der Automobilwirtschaft einen seiner wichtigsten Köpfe. Der größte US-Autohersteller verzeichnet seit Monaten einen herben Absatzeinbruch, verbrennt monatlich Milliarden Dollar und ist mittlerweile auf Staatshilfe angewiesen. Am 17. Februar ist ein entscheidender Termin, an dem GM wie auch Chrysler der Regierung ihre Überlebenskonzepte vorlegen müssen, um weiteres Geld bewilligt zu bekommen.
Der ehemalige Kampfpilot Bob Lutz hat 46 Jahre in der Autoindustrie gearbeitet
Lutz will in nächster Zeit noch GM-Chef Rick Wagoner als Berater zur Seite stehen. Er war lange Zeit GM-Europachef und maßgeblich an der Überarbeitung von Modellen und der Entwicklung neuer Fahrzeuge wie dem Elektroauto Chevrolet Volt beteiligt, auf den der Autobauer große Hoffnung setzt. Der gebürtige Schweizer hat in seiner 46-jährigen Karriere nach Einschätzung von Branchenexperten großen Einfluss auf die Autoindustrie gehabt. Der ehemalige Marine-Kampfpilot hat auch schon bei BMW, Ford und Chrysler gearbeitet.
Lutz hatte kürzlich mit ausfallenden Bemerkungen für Aufsehen gesorgt: Obwohl GM bereits eine Milliardenspritze von der Regierung erhalten hatte, kritisierte er die Politiker scharf: "Jede Regierung in Japan, Deutschland oder Frankreich ist bemüht, die eigene Autoindustrie zu fördern. Nur in den USA sind wir seit 30 oder 40 Jahren in Washington verpönt und verhasst", sagte er Mitte Januar auf der Automesse in Detroit. "Wir hatten noch nie ein positives Verhältnis zur Regierung."
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