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Merken   Drucken   30.11.2011, 20:50 Schriftgröße: AAA

Abgeworbener Finanzfachmann: Schäuble hievt Top-Berater auf Schlüsselposten

Ein Spitzenberater der Boston Consulting Group bekommt einen Schlüsselposten in der Euro-Krise: In Schäubles Ministerium ist Levin Holle künftig für Finanzmarktregulierung zuständig - sein Gehalt sinkt damit auf ein Zehntel. von Sven Clausen  Hamburg, Jens Tartler  Berlin und Meike Schreiber  Frankfurt
Das Bundesfinanzministerium hat für einen der Schlüsselposten in der Euro-Krise einen Spitzenberater der Boston Consulting Group (BCG) abgeworben. Levin Holle wird künftig die Abteilung Finanzmarktpolitik leiten. Mit 14 Referaten bereitet sie die Entscheidungen von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zu Kernfragen der Währungskrise vor: Holle wird künftig etwa zuständig sein für Finanzmarktregulierung, das Zentralbankwesen und die Finanzaufsicht BaFin. Deutschlands Vorgaben zu diesen Fragen gelten inzwischen in der EU als maßgeblich.
Levin Holle   Levin Holle
Mit Holles Berufung geht Schäuble durchaus ein Risiko ein. Der 44-Jährige hat rund 15 Jahre für die BCG gearbeitet, zuletzt als Senior Partner. Die BCG gehört ihren Partnern und wird sehr unternehmerisch geführt. Als Senior Partner hatte Holle viele Freiheiten. In Schäubles Ministerium dagegen muss er sich in gewachsene Strukturen fügen.
Allerdings hat Holle intern häufig mit seinem Interesse an Politik kokettiert. "Sein Herz hat immer auch für die Res publica geschlagen", schrieb BCG-Deutschland-Chef Christian Veith in einer internen Mail an alle Mitarbeiter. Nach Auslandsaufenthalten für die Firma etwa in Warschau und Hongkong übernahm der Einserjurist Ende 2007 das Berliner Büro der BCG, mit rund 150 Mitarbeitern. Aus Berlin wollte er das Geschäft mit öffentlichen Auftraggebern kräftig ausbauen. Die Renditeaussichten blieben zwar mau. Seinen wichtigsten Auftrag holte er dennoch aus der politischen Sphäre: Er sanierte die Landesbank Berlin (LBB) und half, sie später an den Sparkassenverband DSGV zu verkaufen: für rund 6,4 Mrd. Euro. Seitdem ist er ein enger Vertrauter von Hans-Jörg Vetter, damals LBB-Chef und inzwischen Vorstandsvorsitzender der deutlich größeren Landesbank Baden-Württemberg. Vetter und die LBBW sind einer der größten Kunden Holles - ein Grund, warum er bei BCG im Schnitt auf ein Jahressalär von deutlich mehr als 1 Mio. Euro kam.
Als Abteilungsleiter im Ministerium wird das nun empfindlich gekürzt: Die Besoldungsstufe B9 entspricht einem monatlichen Grundgehalt von 9438,27 Euro. Weil Holle verheiratet ist (Zuschlag von 116,82 Euro) und vier Kinder hat (jeweils Zuschlag von 216,71 Euro), kommt er monatlich auf 10.421,93 Euro, im Jahr also gut 125.000 Euro - nur rund ein Zehntel der bisherigen Bezüge.
Im Ministerium, in dem es auch interne Bewerber für den Job gab, wird daher gerätselt, ob Holle nicht doch noch eine andere Motivation für den Wechsel hat als sein Interesse an Politik. Der Job gilt auch deswegen als attraktiv, weil sich dort gute Kontakte zur Finanzindustrie in Deutschland und weltweit aufbauen lassen. Das könnte Holle helfen, wenn er in einigen Jahren wieder in die Privatwirtschaft einsteigen will.
Sein Vorgänger Rolf Wenzel wird Gouverneur der Entwicklungsbank des Europarats in Paris. Er hinterlässt seinem Nachfolger ein dickes Aufgabenpaket: Reaktivierung des Bankenrettungsfonds Soffin, EBA-Stresstest für die Banken, Umsetzung der EU-Bankenrichtlinie und Basel III stehen auf Holles Agenda. Außerdem muss er prüfen, ob der britische Vickers-Report auf Deutschland übertragbar ist. Dieser hatte eine Trennung in Geschäfts- und Investmentbanken vorgeschlagen.
  • Aus der FTD vom 01.12.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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