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Merken   Drucken   22.10.2006, 20:09 Schriftgröße: AAA

Agenda: Ackermann - Alles auf Victory

Ab Donnerstag sitzt Josef Ackermann beim Mannesmann-Prozess wieder auf der Anklagebank. Der Chef der Deutschen Bank will bis zuletzt um seinen Job kämpfen - egal wie die Richter entscheiden. von Angela Maier (Frankfurt)
Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann   Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann
Wer Josef Ackermann dieser Tage begegnet, trifft den Deutsche-Bank-Chef ungewöhnlich entspannt an. Auf der Londoner Investorenkonferenz vor wenigen Wochen präsentiert er sich selbstsicher. "Wir haben unser Versprechen, das wir auf dem Investorentag 2003 gegeben haben, geliefert", ruft Ackermann den Analysten zu. Auf dem Chart mit den Renditen weist ein Pfeil steil nach oben.
Ackermann polarisiert die Massen - und überzeugt die Analysten. In den Tagen nach der Investorenkonferenz wird die Aktie des größten deutschen Geldinstituts reihenweise heraufgestuft. Stuart Graham, Bankanalyst von Merrill Lynch, lobt, seine Hoffnungen seien weitestgehend erfüllt worden. Seinem Ziel, in einer Liga mit den weltgrößten Investmentbanken wie Citigroup, JP Morgan, UBS oder Morgan Stanley wahrgenommen zu werden, ist Ackermann näher als je zuvor.
Bilderserie: Ackermanns mögliche Nachfolger
Auf dem Gipfel seines Erfolgs dürfte es für Ackermann schwer vorstellbar sein, welcher tristen Realität er sich ab Donnerstag stellen muss: Im Mannesmann-Prozess muss er im Düsseldorfer Landgericht wieder auf die Anklagebank. Jede Woche soll er an ein bis zwei Tagen vor Gericht erscheinen. Bis Februar 2007 ist die Verhandlung angesetzt.
Der Prozess beschäftigt die ganze Republik - nur bei Ackermanns Arbeitgeber ist er scheinbar kein Thema: "Hier sind alle ganz ruhig", sagt ein hochrangiger Frankfurter Deutsch-Banker.
Mit Ackermanns Sturz rechnet niemand. Zwar hat der 57-jährige Schweizer selbst angekündigt, er werde bei einer rechtskräftigen Verurteilung sein Amt niederlegen. Doch mittlerweile ist klar: Ackermann will einen Schuldspruch mit allen Mitteln verhindern oder zumindest hinauszögern.
Der Bundesgerichtshof (BGH) hat vergangenen Dezember die Freisprüche des ersten Verfahrens aus dem Jahr 2004 aufgehoben: Die Anerkennungsprämien von 57 Mio. Euro, die der Aufsichtsrat den Managern und Pensionären von Mannesmann nach der verlorenen Übernahmeschlacht gegen Vodafone im Jahr 2000 gewährt habe, seien für Mannesmann "ohne jeden Nutzen" gewesen, befanden die Richter. Ackermann und die anderen Aufsichtsräte hätten ihre Vermögensbetreuungspflicht verletzt, sich nach "Gutsherrenart" bedient.
Noch im Winter schien die Zukunft von Deutschlands mächtigstem Banker ungewiss. Zur Schelte der Richter kam die Kritik, dass die Bank den nur scheinbar kriselnden Immobilienfonds Grundbesitz-Invest kurzerhand geschlossen hatte.

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  • Aus der FTD vom 23.10.2006
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