Bilderserie
Bilderserie: Die Macht ist weiblich
Kazemiehs größtes Asset, so sagt sie, sei ihr Geschlecht. Nicht nur, weil Frauen ihrem Gegenüber zuhörten, statt ihm Zahlenkolonnen und Besserwissereien um die Ohren zu hauen. Der Umgang mit Geld sei ein ganz anderer: "Frauen wollen mit Geld die Welt positiv gestalten und sehen seinen Wert weniger als Statussymbol", sagt Kazemieh. An den Börsen agierten sie gelassener: "Sie haben ein viel besseres Gespür für Risiko."
Dieses Gespür ist gefragt. Konzepte wie "Financial Wellness", ein wohldosiertes Risiko, mit dem es sich noch gut schlafen lässt, nicht mehr nur höchstmögliche Rendite. Das passt in die Zeit. Und so kommen in die Grindelallee nicht nur Frauen, denen Kazemieh eine Alternative zu männlichen Beratern bieten will: Rund 1000 ihrer 7500 Kunden sind Männer. Kazemieh ist Krisengewinnlerin, auch wenn sie sich selbst nie so bezeichnen würde.
Mit dem ersten großen Knall in der Krise, der Pleite von Lehman Brothers, ist nicht nur eine Investmentbank in die Knie gegangen, sondern eine ganze Führungselite. Für Kazemieh ist es nicht der Kapitalismus, der in der Krise steckt, sondern "das männliche Prinzip", in dem Fehler tabu seien und das vor Überheblichkeit strotze. "Was passiert ist, wäre unvorstellbar gewesen, wenn Frauen an den Schalthebeln gesessen hätten."