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31.03.2010, 22:14
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Die Schattenmänner der deutschen Wirtschaft
In beinahe allen Machtkämpfen heimischer Unternehmen mischen PR-Profis mit. Im Hintergrund versuchen sie, die Öffentlichkeit zu beeinflussen - mit teils fragwürdigen Methoden. Ein Blick in eine verschlossene Szene.
von Angela Maier München,
Sven Oliver Clausen Hamburg,
Klaus Max Smolka Frankfurt
und Heimo Fischer Stuttgart
Mitten im Kaisersaal der Münchner Residenz steht Christoph Walther, Chef der Kommunikationsberatung CNC, ein stattlicher, gut gebräunter Mann mit blondem Haarschopf, und redet auf Elmar Degenhart ein, den neuen Chef von Continental. Walther redet. Und redet. Weit über eine halbe Stunde. Ganz nah steht er bei dem schüchternen Vorstandschef. Und niemand wagt zu stören. Die Intimdemonstration hält Unbefugte fern. Dabei ist das hier die ADAC-Gala zur Verleihung des "Gelben Engel", das Familientreffen der Autoindustrie, eigentlich der perfekte Ort fürs Flanieren, Anekdötchen austauschen, gerade für Degenhart, den noch frischen Chef des 25-Mrd.-Euro-Konzerns.
Christoph Walther (r.)
Dass der promovierte Ingenieur trotzdem nur Augen und Ohren für den Kommunikationsberater hat, ist ein stiller Triumph für Walther. Seine Kommunikationsberatung CNC arbeitet zwar nicht direkt für das Unternehmen Continental, wohl aber für die Familie Schaeffler, die 2008 die feindliche Übernahme des Dax-Konzerns angezettelt hatte. Walther und seine Truppe berieten Maria-Elisabeth Schaeffler und ihren Sohn Georg während der Machtübernahme, die einer öffentlichen Schlammschlacht glich. Nach der ersten Aufregung um die Pelz tragende Frau Schaeffler übernahmen die Berater für die 68-Jährige sämtliche Kommunikationsaufgaben, kanalisierten Medienanfragen und -auftritte und formulierten sympathische Botschaften für Zeitungen und Magazine. Dass nun Ruhe herrscht, ist auch Walthers Verdienst.
So unbekannt Leute wie der CNC-Chef in der Öffentlichkeit sind, so viel Gewicht hat ihr Wort bei immer mehr Topmanagern. Das Feld der konventionellen Public Relations (PR) haben sie längst verlassen: Statt sich darauf zu beschränken, Pressemitteilungen zu verfassen, nehmen sie inzwischen Einfluss auf strategische Unternehmensentscheidungen - und bestimmen so aus dem Hintergrund den Kurs ganzer Konzerne mit. "Wir sagen den Vorstandschefs, wenn wir etwas öffentlich für nicht vermittelbar halten", sagt einer von ihnen. "Immer häufiger wird eine Entscheidung dann so verändert, dass sie vermittelbar ist." Die Einflüsterer sind so zu mächtigen Strippenziehern geworden. Eine Strategie, die man nicht öffentlich verkaufen kann, ist keine.
Kaum ein bedeutender Macht- oder Übernahmekampf in der deutschen Wirtschaft kommt heute noch ohne die Kommunikationsberater aus.
Conti gegen Schaeffler,
Porsche gegen
Volkswagen ,
MAN gegen
Scania ,
Infineon gegen die eigenen Aktionäre oder der elendig lange Kampf um Opel - immer schraubten auf beiden Seiten Scharen von PR-Profis am Nachrichtendreh. CNC-Konkurrent Hering Schuppener etwa hilft dem Mischkonzern
TUI seit Jahren bei der Kommunikation - etwa wenn es darum geht, Journalisten mit Argumenten im Kampf gegen den rebellischen Großaktionär
John Fredriksen zu versorgen. Auf dessen Seite in gleicher Funktion: Rivale Brunswick mit Ex-"Handelsblatt"-Chefredakteur Thomas Knipp an der Spitze.
Teil 2: Ohne offizielle Funktion in der Grauzone
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FTD.de, 31.03.2010
© 2010 Financial Times Deutschland,
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