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03.11.2008, 20:35
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Minus beim Bonus
Die Bonussaison fällt diesmal mager aus, denn Extrazahlungen sind in der Krise kaum zu vertreten. Von einer echten Reform ihrer Vergütungssysteme will die Branche jedoch nichts wissen.
von Brooke Masters, Lina Saigol (London) und Greg Farrell (New York)
Martin Blessing hat noch immer Humor. Gerade hat der
Commerzbank -Chef den schwersten Schritt seiner Karriere getan, einen dreistelligen Millionenverlust eingeräumt, sein Institut unter den staatlichen Schutzschirm gestellt, da kommt sie wieder: die Frage nach den Bonuszahlungen. "Ich kriege für November und Dezember keine Gehaltszahlung, sondern eine Lastschrift", erwidert Blessing trocken. Zwei Jahre lang werden er und die übrigen Topmanager der zweitgrößten deutschen Bank keine Boni mehr erhalten. Für sie selbst ist der Verzicht auf die rückwirkende, umsatzabhängige Zusatzvergütung die vielleicht schmerzhafteste Auflage des staatliches Rettungspakets. Für viele Branchenkritiker hingegen ist es der erste Schritt aus der Finanzkrise heraus.
Die Boni. Sie werden in diesen Tagen für alles verantwortlich gemacht: für die Immobilienblase, für den Zusammenbruch des Marktes für Kreditderivate, ja für den Niedergang des globalen Bankensystems. Sie haben Tausende Investmentbanker verleitet, in hochspekulative Papiere zu investieren, um schnelle Rendite zu machen und selbst Millionen zu kassieren - ohne Rücksicht auf die langfristigen Folgen für ihre Institute. Nun, da die Blase geplatzt ist, fordern immer mehr Spitzenpolitiker eine Radikalreform der Vergütungssysteme: nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Heimat des angloamerikanischen Kapitalismus. Eine der Grundfesten der Finanzbranche gerät ins Wanken.
Vor allem in Großbritannien ist die Wut über die Zusatzmillionen für Spitzenbanker groß. "Die Steuerzahler wollen nicht, dass ihr sauer verdientes Geld in für Versagen gezahlte Boni fließt", wettert David Cameron, Führer der oppositionellen Konservativen. Premier
Gordon Brown kündigte bereits an: "Die Zeiten der dicken Boni sind vorbei." Seine Regierung werde nach der Teilverstaatlichung der Banken gegen "Anreize für verantwortungsloses Handeln oder überzogene Risikobereitschaft, für die wir anderen gezahlt haben", vorgehen.
Bonuszahlungen an Banker in der Londoner City
Es sind Fälle wie der des Händlers Alexandre Mouradian, die den Unmut schüren. Mouradian verklagte seinen französischen Arbeitgeber Tradition Securities & Futures, weil er angeblich den ihm zustehenden Bonus nicht in voller Höhe bekommen hatte. Vor Gericht gab Mouradian an, er habe zusätzlich zu seinem Gehalt in Höhe von 300.000 Pfund (rund 380.000 Euro) für die zweite Jahreshälfte 2006 einen Bonus von 1,3 Mio. Pfund (1,64 Mio. Euro) erhalten. Das ist mehr als das Vierfache seines Grundgehalts, genügte Mouradian aber nicht: Er forderte von seinem Arbeitgeber weitere 92.571 Pfund an Brokergebühren. Für die Investmentbanking-Branche mögen Zahlungen in dieser Größenordnung nichts Besonderes sein. Für viele Normalbürger hingegen schon: Sie waren entrüstet, als sie von den Millionensummen erfuhren.
Großbritanniens Finanzdienstleistungsaufsicht FSA bemüht sich nun um Schadensbegrenzung. Vor wenigen Tagen wandte sich Behördenchef Hector Sants an 28 der größten Banken im Land und verlangte "sofortige Maßnahmen", mit denen die Vergütungspläne dem langfristigen Risikomanagement angepasst werden sollen. Unter anderem sollten Boni künftig nicht mehr ausschließlich auf Basis des aktuellen Umsatzes gezahlt werden, ohne das langfristige Ergebnis in Betracht zu ziehen. Auch der Bargeldanteil müsse reduziert werden. Schließlich wurden die Banken ermahnt, Interessenkonflikte besser im Auge zu behalten und zu vermeiden, der Unternehmensseite zu große Kontrolle über die Vergütung von Compliance- und Risikomanagern zu gewähren.
In den USA kocht das Thema Managervergütung ebenfalls hoch - obwohl hier einst alles seinen Anfang nahm, obwohl an der Wall Street Händler und Investmentbanker schon seit Generationen leistungsabhängig bezahlt werden. So verschickte der demokratische Kongressabgeordnete Henry Waxman aus Kalifornien vor wenigen Tagen publikumswirksam Briefe an neun Investmentbanken: Er wollte wissen, warum die Banken zusammen 108 Mrd. $ für Gehälter und Boni zu einem Zeitpunkt zurücklegten, da sie 125 Mrd. $ an Staatshilfen erhalten haben. "Ist es angemessen, das Kapital, das Steuerzahler jüngst Banken zugeschossen haben, für die Zahlung von Boni in Milliardenhöhe aufzubrauchen?", schrieb er. Noch im vergangenen Jahr wurden allein in New York Boni in Höhe von 33,2 Mrd. $ ausgezahlt.
Teil 2: Selbst die Bankenlobby sieht Fehler
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Aus der FTD vom 04.11.2008
© 2008 Financial Times Deutschland,
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