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Merken   Drucken   11.04.2006, 21:57 Schriftgröße: AAA

Agenda: Schrempp & Kopper - Der Macher und sein Aufseher

Jürgen Schrempp wollte Geschichte schreiben und Daimler-Benz zum Weltkonzern machen. Hilmar Kopper ließ sich mitreißen. Erst wurden die beiden bejubelt, dann beschimpft. Schrempp ist gegangen, sein Aufseher geblieben. Für die Firma, sagt er. von Lorenz Wagner
Hilmar Kopper   Hilmar Kopper
Als Hilmar Kopper den Stier sah, wie er scharrte und schnaufte, da durchwehte ihn Angst. Aber Kopper blieb stehen in der kleinen Arena. Ein Mädchen schaute zu, mit schwarzen Locken, prallem Lachen, dazu kühn und klug: Mexikos erste Jurastudentin. Und der Stier rannte los, der Boden erzitterte, und die Hörner wuchsen. In letzter Sekunde sprang Kopper auf die Bande. Unter ihm donnerte es vorbei. Und die Mexikanerin gab ihm einen Kuss. Das war in Tasco.
* * *
Vier Jahrzehnte später, in Frankfurt. Ein Mann in seinem Turmzimmer. Den Kopf zwischen den Schultern, die Ellenbogen auf den Knien, die Augen auf den Boden geheftet. So als wolle er nicht hinausschauen auf dieses Asphaltgewimmel, auf Menschlein und Autos, die dahingleiten wie von Geisterhand gezogen. Kein Laut dringt herauf. Am Horizont versinkt der Feldberg im Novembernebel.
Kann diese Welt ihm etwas antun? Ihm, Hilmar Kopper, genannt "Monolith", groß und unverrückbar wie ein Hinkelstein? Im Spätherbst 2005 ist er grau und gefurcht, und unter seinen Augen liegt die Last des Lebens in prallen Säcken.
Zwei Monate ist es her, dass Jürgen gegangen ist. Was waren sie für ein Paar: Schrempp und Kopper, der Macher und sein Aufseher, zehn Jahre vereint. Geschichte haben sie geschrieben. Wollten Daimler zu einem Weltkonzern machen. Erst wurden sie bejubelt, dann geschmäht. Sie sind zusammengerückt, haben getrotzt, mit aller Kraft. Aber sie waren zu schwach. Jürgen war zu schwach. Nun steht Kopper alleine da.
Journalisten und Aktionäre nennen es Scheitern. Und sie schelten seine Loyalität, Schrempp habe gemacht, was er wollte. Und jetzt, wo der eine gegangen ist, wollen sie auch den anderen weghaben.
Kopper blickt weiter nach unten. Unterm Kinn schlägt die Haut Falten, weich, verletzlich sieht er aus. Zurücktreten? "Ich wüsste nicht, warum", sagt er. "Im Gegenteil." Bleiben muss er. Das ist doch seine Pflicht. Muss die Sache wieder ins Blei bringen. Dass wieder Ruhe herrscht beim Daimler . "Ich bin Preuße. Ich glaube an absolute Pflichterfüllung", sagt er. "Und ich glaube an Loyalität. Auch an Loyalität dem Unternehmen gegenüber."
Schweigen.
Fünf Jahrzehnte diente er der Deutschen Bank , 15 Jahre Daimler. Nun zählt er 70 Jahre, nennt sich "das alte tradierte Fossil" der deutschen Wirtschaft. "Ich habe bestimmte Macken, die schleppe ich mein Leben lang mit mir rum, preußische Macken. Dass ich eine absolute Vertragstreue glaube. Daran, dass man Termine einhält. Manche Leute lachen darüber. Aber ich bin so. Ich kann es nicht ändern. Und ich will mich auch nicht ändern." Das hat ihn durch den Nachkriegshunger gebracht und an die Spitze der Gesellschaft.
Er will sich auf seine alten Jahre nicht in einen dieser glitschigen Typen verwandeln, wie es sie heute im Dutzend an jeder Ecke gibt, Leute wie den Investmentbanker, der vor einer Weile bei ihm auf dem haselnussbraunen Sofa saß. "Ich forderte Loyalität. Da guckte er mich an und sagte, Herr Kopper, wenn Sie Loyalität wollen, dann kaufen Sie sich doch einen Hund."
Kopper erschrak. Und war froh, dass er mit einem Mann zusammenarbeitet, der ganz anders ist: Jürgen Schrempp.

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  • Aus der FTD vom 12.04.2006
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