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Merken   Drucken   06.07.2008, 19:20 Schriftgröße: AAA

Agenda: Steinmeier - der Kandikrat

Ein Bürokrat als Kanzlerkandidat? Immer mehr Genossen unterstützen die Idee, den Karrierebeamten Frank-Walter Steinmeier als Spitzenmann der SPD ins Rennen zu schicken. Sie könnten einen neuen Steinmeier erleben: den Kämpfer. von Peter Ehrlich, Hubert Wetzel (Berlin) und Nina Klöckner (Brakelsiek)
Viel wird an diesem Abend über Frank-Walter Steinmeier  geredet. Beim Sommerfest der SPD-Bundestagsfraktion drehen sich fast alle Gespräche um ihn - den möglichen, ja den wahrscheinlichen Kanzlerkandidaten. Parteichef Kurt Beck  und Finanzminister Peer Steinbrück, die munter mit den Gästen plaudern, drücken sich mit ein paar allgemein gehaltenen Sätzen um verbindliche Aussagen herum. Nur einer will zur K-Frage partout keine Stellung nehmen: Frank-Walter Steinmeier. "Das Thema nervt", sagt er.
Lange wird er das Spielchen nicht mehr spielen können. Zwar trauen sich bislang erst wenige Genossen, es offen auszusprechen. Doch wenn es so weitergeht, wird Steinmeier Spitzenkandidat der SPD bei den Bundestagswahlen 2009. Zu gründlich hat sich Beck in den vergangenen Wochen für den Posten disqualifiziert. In der jüngsten Meinungsumfrage der ARD erhielt er den schlechtesten Wert aller Spitzenpolitiker. Steinmeier hingegen führt die Liste an - noch vor Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Es ist nicht so, dass sich Steinmeier offen um den Posten beworben hätte. Er steht nicht am Zaun des Kanzleramts und schreit "Ich will hier rein!" wie einst sein Chef und Mentor Gerhard Schröder . Der 52-Jährige macht das geschickter. Er verhält sich unauffällig. Wenn Beck einen seiner berüchtigten Alleingänge wagt, grollt Steinmeier zwar. Öffentlich lobt er ihn jedoch, sooft es geht. So macht man sich unverzichtbar.
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier: Geschickt taktieren, ...   Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier: Geschickt taktieren, nicht laut posaunen
Geschickt taktieren, nicht laut posaunen. Das ist das Leitmotiv seiner Karriere. Als neuer Medienreferent in der niedersächsischen Staatskanzlei muss sich der junge Jurist 1991 mit einem Zimmerchen begnügen, das nur über eine Hintertreppe erreichbar ist. Doch schon nach kaum einem Jahr im neuen Job notiert Schröders Sekretärin Doris Scheibe unter dem Datum 24. März 1992 im Kalender des damaligen Ministerpräsidenten: "Besprechung zu Schengen". Die Teilnehmerliste: Schröder, Innenminister Gerhard Glogowski, der grüne Bundesratsminister Jürgen Trittin , die zuständige Abteilungsleiterin Brigitte Zypries, SPD-Landtagsfraktionschef Joke Bruns - und Steinmeier.
Der Beginn eines Aufstiegs. Nach dieser Notiz dauert es nicht lange, bis Steinmeier Büroleiter und damit einer der engsten Mitarbeiter Schröders wird. "Er war eine Art Klassenbester", sagt Schröders damaliger Sprecher Uwe-Karsten Heye.
Steinmeier ist keiner, den eine Aura von Macht und Bedeutung umgibt. Mehr als 14 Jahre lang, bis er Außenminister wird, spielt sich seine Karriere eher in den Vor- und Nebenzimmern der Macht ab. Schröder läuft durchs Scheinwerferlicht, Steinmeier steht im Schatten - und wirkt auf seinen Chef. "Er konnte Schröder sagen, das geht, und das geht nicht", erinnert sich Alfred Tacke, Wirtschaftsstaatssekretär in Hannover und Berlin. Die meisten Politiker werden erst bekannt und dann mächtig, bei Steinmeier läuft es andersherum.

Teil 2: Spitzelagenten im Kanzleramt

  • Aus der FTD vom 07.07.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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