Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier: Geschickt taktieren, nicht laut posaunen
Geschickt taktieren, nicht laut posaunen. Das ist das Leitmotiv seiner Karriere. Als neuer Medienreferent in der niedersächsischen Staatskanzlei muss sich der junge Jurist 1991 mit einem Zimmerchen begnügen, das nur über eine Hintertreppe erreichbar ist. Doch schon nach kaum einem Jahr im neuen Job notiert Schröders Sekretärin Doris Scheibe unter dem Datum 24. März 1992 im Kalender des damaligen Ministerpräsidenten: "Besprechung zu Schengen". Die Teilnehmerliste: Schröder, Innenminister Gerhard Glogowski, der grüne Bundesratsminister
Jürgen Trittin , die zuständige Abteilungsleiterin Brigitte Zypries, SPD-Landtagsfraktionschef Joke Bruns - und Steinmeier.
Der Beginn eines Aufstiegs. Nach dieser Notiz dauert es nicht lange, bis Steinmeier Büroleiter und damit einer der engsten Mitarbeiter Schröders wird. "Er war eine Art Klassenbester", sagt Schröders damaliger Sprecher Uwe-Karsten Heye.
Steinmeier ist keiner, den eine Aura von Macht und Bedeutung umgibt. Mehr als 14 Jahre lang, bis er Außenminister wird, spielt sich seine Karriere eher in den Vor- und Nebenzimmern der Macht ab. Schröder läuft durchs Scheinwerferlicht, Steinmeier steht im Schatten - und wirkt auf seinen Chef. "Er konnte Schröder sagen, das geht, und das geht nicht", erinnert sich Alfred Tacke, Wirtschaftsstaatssekretär in Hannover und Berlin. Die meisten Politiker werden erst bekannt und dann mächtig, bei Steinmeier läuft es andersherum.