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  01.10.2008, 19:22    

Agenda: Wir sind die Firma

Männer und Frauen, Deutsche und Ausländer, Jung und Alt. Auch hierzulande erkennen Unternehmen, dass eine bunt durchmischte Belegschaft Vorteile bringt: Bei der Ansprache von Kunden - und bei der Jagd nach begehrten Fachkräften. von Ruth Fend (Unterschleissheim)
Fast alles bei Microsoft  Deutschland sieht so aus, wie man es bei einem Softwarekonzern erwartet. Ein modernes, halbrundes Gebäude aus Glas und Metall mitten im Grünen eines Münchner Vororts. Ein heller, weitläufiger Empfangsraum, daneben ein Coffeeshop mit Designersesseln, in denen Mitarbeiter mit aufgeklappten Laptops hocken. Nur eines widerspricht dem Klischee: Wo man eine Männerwelt vorzufinden meint, rauschen erstaunlich viele Röcke und Blusen über die Flure. Und die Frauen, die sie tragen, sind keineswegs Sekretärinnen.
Bei Microsoft Deutschland passiert gerade etwas, wofür Frauenbeauftragte anderswo vergeblich kämpfen: Der Anteil der weiblichen Mitarbeiter steigt. Und zwar nicht nur in den unteren Rängen, sondern auch an der Spitze. Mit einer Quote von 28 Prozent liegt Microsoft über dem Branchendurchschnitt, 70 Prozent der aktuellen Trainees sind weiblich - und 5 von 13 Geschäftsführern. Die sind übrigens allesamt erziehende Mütter.
"Die Revolution kommt nicht von unten nach oben, sie kommt von oben nach unten", sagt Achim Berg, den seine Mitarbeiter am raschen Schritt erkennen, bevor er den Raum betritt. Als der 44-Jährige Anfang vergangenen Jahres den Vorsitz der Geschäftsführung übernahm, fand er bereits Dorothee Belz als Direktorin für Recht und Corporate Affairs vor, aber "die Gitti war nicht da, die Angie war nicht da, und die Tania hab ich auch geholt". Und die fünfte, Dorothee Ritz, beförderte Berg zum "General Manager Consumer und Online".
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Berg geht es nicht um die Sache der Frau, nicht um Gleichberechtigung oder gar moralische Erwägungen. Es geht ihm um Vielfalt. Um Diversity, wie es in der Managementliteratur heißt, und die ist gut fürs Geschäft. Die Idee dahinter: Ein Unternehmen mit einer möglichst bunt gemischten Führungstruppe und Belegschaft aus Männern und Frauen, Deutschen und Ausländern, Jung und Alt bildet Kundengruppen und Gesellschaft besser ab, ist innovativer und erfolgreicher im Wettbewerb um Talente. "Diversity nur auf Männlein-Weiblein zu reduzieren hat keinen Sinn. Es muss einfach verschiedene Typen geben", sagt Berg. "Das ist für uns ein ganz wichtiges Management-Tool."
Außerdem hat Berg ein Problem, das er mit der ganzen Branche teilt: "Durch den Fachkräftemangel geht uns die Puste aus." Obwohl man in IT-Firmen bereits mit 50 als Fossil gilt, musste Microsoft Mitarbeiter jenseits der 60 auf leitende Fachpositionen befördern. Ebenso wie ältere Beschäftigte umwirbt der Softwarekonzern Experten aus dem Ausland - und Frauen.
Ähnlich agiert Henkel -Chef Kasper Rorsted , der in Deutschland zu den prominentesten Förderern von Frauen in Führungspositionen gehört. Er mache sich nicht aus Mitleid oder Gutmenschentum für dieses Thema stark, sondern aus Sorge, dass er sonst im Wettbewerb um die besten Köpfe und Talente nicht mithalten könne, sagte der Däne kürzlich vor 25 Topmanagerinnen, die er zu einem Abendessen in den Düsseldorfer Konzern eingeladen hatte.

Teil 2: Firmen mit vielen Frauen sind im Vorteil

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