Der europäische Flugzeughersteller Airbus bekommt nur knapp drei Wochen nach dem Wechsel an der Konzernspitze auch einen neuen Vizechef und 2007 einen neuen Finanzvorstand. Die Personalie wurde von Branchenkennern bereits erwartet. von Gerhard Hegmann (München)
Fabrice Brégier
Der Verwaltungsrat des Mutterkonzerns EADS beschloss, dass der Chef der Hubschraubertochter Eurocopter, der 45-jährige Franzose Fabrice Brégier, ab sofort als Chief Operating Officer das Tagesgeschäft des Flugzeugbauers führt.
Der Aufstieg des Eurocopter-Chefs zum Stellvertreter für den am 10. Oktober ernannten Airbus-Primus Louis Gallois wurde in den vergangenen Wochen von Branchenkennern erwartet. Wie der EADS-Konzern am Dienstag überraschend mitteilte, wird zum 1. Januar der EADS-Finanzchef Hans Peter Ring zusätzlich auch Finanzvorstand bei Airbus. Er löst dort Andreas Sperl ab. Der 59-Jährige werde eine operative Funktion innerhalb des EADS-Konzerns übernehmen, heißt es. Die Personalmaßnahmen zeigen deutlich, dass der EADS-Konzern die Kontrolle bei seiner wichtigsten Tochtergesellschaft verstärken will.
Neben der französischen Airbus-Doppelspitze mit Gallois und Brégier, die künftig das "Airbus President's Office" bilden, wird praktisch die interne Airbus-Kontrolle durch den deutschen EADS-Vorstand Ring verstärkt. Diese engere Einbindung von Airbus in den EADS-Konzern wurde auch möglich, weil jüngst der britische Airbus-Gesellschafter BAE Systems ausstieg und Airbus seitdem eine 100-Prozent-Tochter von EADS ist.
Durch die Produktionspannen beim Riesenairbus A380 rechnet der EADS-Konzern bis 2010 mit Gewinneinbußen von 4,8 Mrd. Euro.
Der Ex-Eurocopter-Chef und künftige Airbus-Vize Brégier wird seinen Sitz im EADS-Verwaltungsrat behalten. Dieses oberste Entscheidungsgremium beschloss zudem, dass die beiden EADS-Co-Chefs Thomas Enders und Louis Gallois an die beiden Verwaltungsratschefs Manfred Bischoff und Arnaud Lagardère regelmäßig über den Fortgang aller wichtigen Projekte berichten. Dieser Beschluss deutet darauf hin, dass es in der Vergangenheit zu wenig Informationsaustausch zwischen der Verwaltungsratsspitze und den operativen Einheiten gab. Neuer Chef des sich gut entwickelnden Hubschrauberherstellers Eurocopter wird Lutz Bertling.
Der 44-Jährige ist der erste Deutsche an der Spitze des 1992 geformten Hubschrauberherstellers. Bertling wird auch Mitglied im EADS-Verwaltungsrat. Nach einer Karriere im DaimlerChrysler-Konzern leitet Bertling seit 2003 als Eurocopter-Vorstand die Militärsparte und ist seit April 2006 auch Chef von Eurocopter Deutschland. Als Leiter des Militärgeschäfts erwarb sich Bertling große Verdienste, um den verspäteten Milliardenprojekten Tiger und NH-90 noch zum Erfolg zu verhelfen. Gegen die Berufung des Deutschen als Eurocopter-Chef protestierten französische Gewerkschaften.
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