FTD.de » Management + Karriere » Management » Anwälte spekulieren bei Sengera-Prozess auf Formfehler

Merken   Drucken   09.01.2008, 15:55 Schriftgröße: AAA

Anwälte spekulieren bei Sengera-Prozess auf Formfehler

Zum Auftakt des Strafprozesses gegen den ehemaligen WestLB-Chef Jürgen Sengera haben die Ankläger dem Manager "übersteigertes berufliches Erfolgsstreben" vorgeworfen. Sengeras Verteidiger hingegen wollen das Verfahren sofort einstellen.
Sengera habe seine Sorgfaltspflichten verletzt und Risiken ignoriert, um mit zunächst glänzenden Zahlen Vorstandschef der damals fünftgrößten deutschen Bank zu werden, sagten die Staatsanwälte am Mittwoch am Düsseldorfer Landgericht. Sengera habe sich damit der schweren Untreue schuldig gemacht, was mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden kann.
Dem ehemaligen West LB-Chef Jürgen Sengera wird auch ...   Dem ehemaligen West LB-Chef Jürgen Sengera wird auch "übersteigertes Erfolgsstreben" vorgeworfen
Der heute 64-Jährige soll für einen Kredit über 1,35 Mrd. Euro an den britischen TV-Geräte-Verleiher Boxclever verantwortlich sein. Das Geld war im Dezember 1999 aus Sicht der Ankläger ohne echte Risikoprüfung vergeben worden. Dadurch sei ein Schaden von mindestens 427 Mio. Euro entstanden. Geschäftsidee von Boxclever war, in großem Stil in Großbritannien Elektrogeräte wie Fernseher zu vermieten - obwohl nahezu jeder Engländer Ende der 90er-Jahre ein eigenes TV-Gerät besaß.
Über Bedenken hinweggesetzt
Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hatte sich Sengera über erhebliche Bedenken des zentralen Kreditmanagements der Bank, das eine Finanzierungslücke von 200 Mio. Pfund ausgemacht hatte, hinweggesetzt. Boxclever, durch die Fusion zweier Verleiherfirmen entstanden, hatte schließlich Insolvenz anmelden müssen.
Sengera habe sich für den Kredit stark gemacht, obwohl der Markt für das Verleihgeschäft seit längerer Zeit schrumpfte und Filialschließungen geplant waren. Er habe der letztlich falschen Prognose vertraut, der Rückgang sei gestoppt, kritisierten die Staatsanwälte. Der Kreditentscheidung hätten Expertisen von Wirtschaftsprüfern zugrunde gelegen. Diese hätten aber lediglich Modellrechnungen des Kreditnehmers nachvollzogen, ohne die zugrundeliegenden Basiszahlen zu überprüfen - trotz der außergewöhnlichen Höhe des Kreditgeschäfts.
Der Prozess der Kreditvergabe sei zudem ungewöhnlich schnell abgelaufen, Sengera habe sich dem von den Kreditantragstellern aufgebauten Zeitdruck unterworfen. Die Bankenaufsicht BaFin hatte das fehlgeschlagene Kreditgeschäft untersucht und schließlich die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Im BaFin-Prüfbericht war Sengeras Kompetenz grundsätzlich infrage gestellt worden.
Verteidiger zweifeln das gesamte Verfahren an
Die Verteidiger stellten das Verfahren insgesamt in Frage. In der Anklage würden nur interne Vorstandsbeschlüsse betrachtet und wesentliche Teile der Kreditvergabe mit noch nachträglich erfolgten Prüfungen ausgeblendet. So seien eine Verpflichtungserklärung der WestLB und der Kreditvertrag nicht einmal ins Deutsche übersetzt worden. Dies sei auch ein Verstoß gegen das Gerichtsverfassungsgesetz.
Die Investmentbankerin Robin Saunders konnte sich freikaufen   Die Investmentbankerin Robin Saunders konnte sich freikaufen
Die Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Brigitte Koppenhöfer will am Donnerstag über den Antrag der Verteidiger entscheiden. Ein Befangenheitsantrag der Verteidiger gegen die Kammer war zuvor von einer anderen Strafkammer des Gerichts als unbegründet zurückgewiesen worden. Die Verteidiger hatten argumentiert, neben den fehlenden Übersetzungen sei ihnen im Zwischenverfahren nicht ausreichend rechtliches Gehör gewährt worden.
Für das Geschäft war bei der Londoner WestLB-Tochter Principle Finance die Investment-Bankerin Robin Saunders zuständig. Sie hatte das Strafverfahren gegen sich beenden können, indem sie 1 Mio. Euro zahlte. Nun ist sie für den 28. Februar als Zeugin geladen. Auch eine ganze Riege damaliger WestLB-Vorstände muss in den Zeugenstand. Das Gericht hat bis zum 19. Juni 39 Verhandlungstage angesetzt. 61 Zeugen sollen gehört werden.
  • dpa, 09.01.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
enable2start+Gründerszene
  • Neue Software: Die Orderbird-Kasse schwärmt aus

    Orderbird erweitert seine Kassen-App. Die neue Version verbindet alle Geräte eines Restaurants und fasst ihre Umsätze in einem einzigen Tagesbericht zusammen. Zur Belohnung fliegen die Gründer mit allen Mitarbeitern nach Portugal. mehr

  14.05. Wissenstest Kennen Sie Nordrhein-Westfalen?

NRW hat einen neuen Landtag gewählt. Das Land zwischen Rhein und Weser hat viele Eigen- und Besonderheiten. Was wissen Sie über das größte deutsche Bundesland?

Mit welchem Versprecher erlangte die WDR-Moderatorin Carmen Thomas zweifelhafte Berühmtheit?

Wissenstest: Kennen Sie Nordrhein-Westfalen?

Alle Tests

  24.05. Kopf des Tages Sergio Marchionne - Der Puzzlemeister
Kopf des Tages: Sergio Marchionne - Der Puzzlemeister

Der Fiat-Chef hat den kleinen Autokonzern durch die Fusion mit Chrysler vor dem Untergang gerettet. Doch das reicht nicht. Nun holt er auch noch Mazda dazu mehr

 



  •  
  • blättern
MANAGEMENT

mehr Management

GRÜNDUNG

mehr Gründung

RECHT + STEUERN

mehr Recht + Steuern

KARRIERE

mehr Karriere

BUSINESS ENGLISH

mehr Business English

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote