Der US-Technologiekonzern Apple verliert seinen Deutschlandchef. Freddie Geier verlässt in den nächsten Tagen die deutsche Dependance nach nur 18 Monaten an der Spitze. von Helene Laube (Hamburg)
Freddie Geier, zurückgetretener Chef von Apple Deutschland
Wie die FTD aus gut unterrichteten Kreisen erfuhr, entschied sich der 44-jährige Würzburger zum Weggang, da ihm die Apple-Zentrale im Silicon Valley zu wenig Entscheidungsfreiheit bei der Entwicklung des Geschäfts überließ.
Am Münchner Apple-Hauptsitz hieß es lediglich, dass Geier Apple verlasse um "eigenen Interessen nachzugehen". Das lokale Managementteam von Apple werde das Tagesgeschäft von Apple Deutschland leiten. Ob es wieder einen neuen Deutschlandchef geben werde, wollte ein Sprecher nicht sagen.
Die Entscheidung Geiers zeigt exemplarisch das Kardinalproblem von im Ausland aktiven US-Unternehmen. Die Topmanager der Konzernzentralen haben häufig wenig Verständnis für die lokalen Belange der Landesgesellschaften. Und die Auslandschefs haben als Ausfluss der Führungskultur häufig wenig operative Verantwortung, sondern sollen vor allem den Vertrieb steuern.
Parallele zu Microsoft
Im Oktober hatte bereits der Deutschlandchef des weltgrößten Softwarekonzerns Microsoft entnervt das Handtuch geworfen. "Die starke Verlagerung von Entscheidungsspielräumen" in die Muttergesellschaft hätten ihn zu diesem Schritt veranlasst, schrieb Jürgen Gallmann damals in einer internen E-Mail an die Microsoft-Mitarbeiter.
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Bilderserie: Vista versus OS X
Besonders eindrucksvoll ist die Lage bei Apple. Vorstandschef Steve Jobs führt den von ihm mitgegründeten Mac- und iPod-Hersteller mit eiserner Hand. Der charismatische Firmenchef ist weit über die Branche hinaus bekannt für seinen obsessiven Hang zum Detail. Er müsse über "jede Kurve der iPod-Plastikeinfassung bestimmen", behauptet etwa Jobs-Biograf Alan Deutschman. Die Vorgaben aus der Zentrale müssen in allen Regionen strikt befolgt werden, wodurch Landesgesellschaften de facto wenig mehr als Vertriebskanäle ohne eigene Entscheidungsbefugnis sind. Bei der Zentralisierungswut wäre es vorstellbar, dass Geier der letzte Deutschlandchef war und die regionalen europäischen Märkte gebündelt gesteuert werden - etwa aus Apples Europazentrale in London.
Für einen Manager wie Geier, der drei Jahre bei Apple im Silicon Valley für die Unternehmensentwicklung mitverantwortlich war, dürfte das Statthalter-Dasein wenig interessant gewesen sein. Ob die mangelnde Autonomie bei der Anpassung des kalifornischen Diktats an die Bedürfnisse des deutschen und anderer Märkte fernab der USA positive oder negative Folgen für Apples Geschäftsentwicklung hat, ist unklar. In Deutschland konnte Apple mit den Mac-Rechnern den Marktanteil während Geiers Amtszeit nach Zahlen der Markforschungsfirma IDC von 1,8 auf 3,2 Prozent steigern.
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