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Merken   Drucken   15.01.2009, 16:02 Schriftgröße: AAA

Auszeit wegen Krankheit: Experten sehen gute Chancen für Jobs

Die Gesundheitsprobleme des Apple-Chefs sind offenbar nicht so gravierend, wie von vielen befürchtet: Deutsche Mediziner gehen davon aus, dass er noch lange mit seiner Tumorerkrankung leben kann – und dass eine Rückkehr zu Apple nicht auszuschließen ist von Stefanie Kreiss (Hamburg)
"Wenn der mein Patient wäre, würde ich ihm sagen, er hätte gute Chancen, noch über Jahre mit der Krankheit zu leben", sagt Bertram Wiedenmann, Leiter des interdisziplinären Stoffwechselzentrums an der Berliner Charite. "Da könnte man ruhig sagen: In die Aktien investiere ich noch."
Aus dem fachlichen Austausch mit US-Kollegen wisse er, dass Steve Jobs offenbar an einer seltenen Form von Bauchspeicheldrüsenkrebs leide, die mit Störungen des Hormonsystems einhergeht. Gegen die Erkrankungen gebe es eine Reihe von guten Behandlungsmethoden. Auch Hormonexperte Stefan Bornstein vom Universitätsklinikum Dresden geht davon aus, dass Jobs noch zehn bis 15 Jahre oder länger mit seiner Erkrankung leben und seine Führungsposition weiter ausüben kann - auch wenn seine Krankheit immer wieder therapeutische Eingriffe notwendig machen werde.
Apple-Chef Steve Jobs am 09. September 2008 in San Francisco   Apple-Chef Steve Jobs am 09. September 2008 in San Francisco
Die Bauchspeicheldrüse ist nach den Worten von Endokrinologe Bornstein ein Organ, dass nicht nur für die Verdauung und den Stoffwechsel wichtig ist, sondern auch Hormone produziert. Es gebe Bauchspeicheldrüsentumore, die sehr agressiv seien. Bei diesen Formen liege die Überlebensrate für einen Patienten bei unter zehn Prozent nach fünf Jahren. Jobs sei aber offenbar an einer selteneren Form erkrankt, die sich vom Hormonsystem ableite. "Die Form hat eine wesentlich bessere Überlebenschance", sagt Mediziner Bornstein.
Diese Art der Erkrankung hat nach Auskunft von Charite-Experte Wiedenmann zwei Unterformen. Bei einer davon werden Hormone- etwa Insulin oder Gastrin - im Übermaß produziert. Das könne unter anderem zu Durchfall und Magendarmgeschwüren führen, was die Gewichtsverluste von Jobs möglicherweise erkläre. Therapiert werde in diesen Fällen oft mit sanfter Chemotherapie oder mit der Verabreichung künstlicher Hormone.
Falls bei Jobs, wie von Medien berichtet, tatsächlich die Bauchspeicheldrüse entfernt werden müsse, müsse er in Zukunft - wie ein Diabetiker - das fehlende Insulin ersetzen.
  • FTD.de, 15.01.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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