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Merken   Drucken   17.01.2008, 21:06 Schriftgröße: AAA

Bain holt Branchenfremde zu Bavaria

Nacht monatelanger Suche hat der US-Finanzinvestor Bain Capital die neue Führungsmannschaft für Bavaria Yachtbau komplettiert. Der größte deutsche Jachthersteller tritt mit einem fast komplett branchenfremden Führungsteam an. von Angela Maier (München) und Martin Scheele (Hamburg)
Als Finanzchef hat zu Jahresbeginn Dieter Berndt, 40, angefangen, bis Ende 2007 Controllingchef der Bäckereikette Kamps, wie Bain am Donnerstag mitteilte. Das Tagesgeschäft steuert künftig Klaus Hammen, 40, der im Herbst 2006 als Vorstandschef beim CD- und DVD-Anlagenbauer Singulus  ausgeschieden war.
Damit vertraut Bain sein jüngstes Investment in Deutschland einem nahezu vollständig branchenfremden Führungsteam an. Der neue Bavaria-Chef Kay Schwabedal, 44, der im November bestellt worden war, war bis April 2007 stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Festnetzanbieters Arcor gewesen. Die Bootsbranche sei sehr zersplittert, hieß es im Umfeld von Bain zur Begründung. "Es gibt in Deutschland keinen auf Augenhöhe mit Bavaria." Der einzige aus der alten Führungsetage, der jetzt auch im obersten Gremium sitzt, ist Rudolf Müller. Er war die langjährige "rechte Hand" von Firmengründer Winfried Hermann.
Klaus Hammen leitet das Bavaria-Tagesgeschäft   Klaus Hammen leitet das Bavaria-Tagesgeschäft
Bain hatte Bavaria Yachtbau aus Giebelstadt bei Würzburg zum 1. August 2007 für über 1,1 Mrd. Euro übernommen. Bavaria war der bislang letzte Milliardendeal durch Private Equity in Deutschland. Seither erschwert die Finanzkrise der von üppigen Schuldenpaketen abhängenden Branche das Geschäft deutlich.
Das neue Team will Schwabedal zufolge nun eine "Reihe von Initiativen starten, um die globale Führungsposition des Unternehmens zu stärken". Die Zeit drängt: Investoren wie Bain wollen nach zwei bis maximal fünf Jahren wieder aussteigen - mit kräftigen Gewinnen. Die Latte hängt bei Bavaria besonders hoch. Denn Bain hat nach Branchenschätzung einen sehr teuren Preis gezahlt, der derzeit nicht wieder zu realisieren wäre. Bavaria hat im Geschäftsjahr 2006/07, das am 31. Juli endete, mit 620 Mitarbeitern gerade einmal 290 Mio. Euro umgesetzt, wächst aber stark: Zuletzt waren es sieben Prozent, nach acht Prozent im Vorjahr. Zudem verfügt die Firma über eine der modernsten Serienfertigungsanlagen der Welt und ist hochprofitabel: Laut Finanzkreisen verdient das Unternehmen eine operative Gewinnmarge von 30 Prozent.
Zumindest ist Bavaria unter dem neuen Eigner gut gestartet, wie es von mehreren informierten Personen hieß. So konnte die Firma bereits beginnen, die Schulden zurückzuzahlen, die sich nach FTD-Informationen auf 900 Mio. Euro beliefen. Dieses Paket hatten Goldman Sachs und Dresdner Kleinwort geschnürt - und sind infolge der Kreditkrise bislang darauf sitzen geblieben. Laut Finanzkreisen haben die Banker deshalb versucht, zumindest die äußerst lockeren Kreditbedingungen (Covenant-lite) zu verschärfen.
  • Aus der FTD vom 18.01.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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