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Merken   Drucken   12.05.2011, 11:15 Schriftgröße: AAA

Belegschaftsanteile: Wenn die Mitarbeiter übernehmen

Will ein Familienunternehmen Investoren von außen an Bord holen, bieten sich im Allgemeinen zwei Möglichkeiten an: der Verkauf des Unternehmens (ganz oder in Teilen) oder ein Börsengang. Eine Alternative: Man beteiligt die Mitarbeiter. von Geoffrey Owen
Diese dritte Option könnte vor allem für Besitzer attraktiv sein, deren Ziel nicht der höchstmögliche Preis, sondern die Kontinuität als eigenständiges Unternehmen ist: die Übergabe an die Mitarbeiter.
Wenn die Mitarbeiter ein Stück vom Kuchen abbekommen   Wenn die Mitarbeiter ein Stück vom Kuchen abbekommen
Das bekannteste britische Unternehmen in Mitarbeiterbesitz ist der Einzelhandelskonzern John Lewis. Die Eigentümerstruktur stammt aus dem Jahr 1929, als John Spedan Lewis, der Sohn des Firmengründers, das Gewinnbeteiligungssystem John Lewis Partnership ins Leben rief. 1950 gingen John Spedan Lewis' restliche Aktien in dieses System über.
Das Unternehmen John Lewis hat heute mehr als 75.000 Mitarbeiter, sogenannte Partner. Vor allem der Loyalität und dem Engagement der Mitarbeiter wird der Erfolg des Unternehmens zugeschrieben. Die Eigentumsveränderungen bei John Lewis fanden allerdings zu einer Zeit statt, als es noch keine Private Equity und Management-Buyouts gab und auch keine aggressiven Aktionäre, die auf die Steigerung des Shareholder-Value drängen.
Überleben in hart umkämpften Märkten
Ein aktuelleres Beispiel bietet der britische Papierhersteller Tullis Russell. Gegründet wurde das Unternehmen 1809 von Robert Tullis, später ging es in den Besitz der ganzen Familie Russell über. 1984 übergab der damalige Chef David Russell das Ruder seinem Neffen David Erdal.
Zahlreiche Mitglieder der Familie Russell waren an dem Unternehmen beteiligt, und eine Reihe davon wollten ihren Anteil verkaufen. Sollte Tullis Russell aber auch in der hart umkämpften Branche überleben, müsste es die Produktivität erheblich steigern. In den Augen Erdals konnte dies nur mit der Unterstützung der Mitarbeiter geschehen. Und dafür musste sichergestellt sein, dass diese direkt von den notwendigen Veränderungen profitieren.
Bereits in den 70ern hatte David Russell über eine Beteiligung der Mitarbeiter an dem Unternehmen nachgedacht. In seinem neuesten Buch "Beyond the Corporation: Humanity Working" erzählt Erdal, wie er die Idee seines Onkels aufgriff, nachdem er über den Heizkesselhersteller Baxi gelesen hatte, der von der Belegschaft übernommen worden war. Nachdem Erdal mit Philip Baxendale, dem Architekten des Mitarbeiter-Buyouts, gesprochen und sich bei der spanischen Genossenschaft Mondragón umgesehen hatte, war er überzeugt, dass dies die Lösung für Tullis Russell war.
Die Anwälte und Finanzberater des Unternehmens waren skeptisch, doch Erdals Onkel befürwortete den Plan. 1985 führte Erdal ein Gewinnbeteiligungssystem ein, in dessen Rahmen Aktien der Familienaktionäre aufgekauft und an Mitarbeiter weitergegeben wurden, die bereits mehr als ein Jahr bei dem Unternehmen tätig waren. Als Nächstes wurde ein Treuhandfonds zugunsten der Mitarbeiter eingerichtet, der rund 15 Prozent der Aktien für die Mitarbeiter erwarb. Bis zum Jahr 1994 waren alle Aktien der Familie aufgekauft, und die Übernahme war abgeschlossen.
Tullis Russell verfügt über ein Gremium, das die Interessen der am Unternehmen beteiligten Mitarbeiter vertritt. Zwar leitet dieses Gremium das Unternehmen nicht - das ist die Zuständigkeit des Firmen-Boards -, aber es kann bei wichtigen strategischen Veränderungen wie Zukäufen, Veräußerungen oder Schließungen, bei denen es um mehr als fünf Prozent der Vermögenswerte geht, Veto einlegen. Dem Gremium gehören 14 gewählte Mitglieder aus allen Bereichen des Unternehmens an sowie drei Mitglieder, die vom Firmen-Board ernannt werden. Die Mitglieder des Firmen-Boards müssen auf der Hauptversammlung alle von den Mitarbeitern bestätigt werden.

Teil 2: Wie sich die Mitarbeiterbeteiligungen auswirken.

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