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Merken   Drucken   02.09.2005, 14:00 Schriftgröße: AAA

Besserer Ausblick  

Auch nach der Umstellung auf IFRS zögern Unternehmen, Informationen über die künftige Geschäftsentwicklung zu geben. Eine gute Kommunikation nach außen zielt jedoch darauf, Firmenziele offensiv nach außen zu tragen. von Doris Grass
Viele Unternehmen haben sich noch nicht auf die Folgen der neuen Internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS) für ihre externe Kommunikation eingestellt. Armin Slotta, Partner der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC), kritisiert vor allem die weiterhin sehr rückwärtsgewandte Sicht, mit der sich börsennotierte Unternehmen in ihren Geschäftsberichten darstellen. Zukunftsorientierte Aussagen, an denen sich die Firmen messen lassen und aus denen Außenstehende auf die künftige Entwicklung schließen können (das so genannte Value Reporting), kommen oft zu kurz.
"Investoren und Aufsichtsräte müssen aber beurteilen können, ob die Konzernlenker und das Management auf dem richtigen Weg sind", sagt Slotta. "Wo gibt es Risiken, wird der Unternehmenswert gesteigert, wie sieht das Marktumfeld aus?" Doch nur die Hälfte der Dax-Unternehmen gibt in ihren Geschäftsberichten mehr oder weniger ausführlich Auskunft über die qualitativen und quantitativen Steuerungskonzepte zur Steigerung des Unternehmenswertes, ergab eine Umfrage von PwC und des Hamburger Kommunikationsberaters Kirchhoff Consult bei Führungskräften aller in den deutschen Börsenindizes vertretenen Firmen.
Mangelnde Transparenz, unzureichende Prognosen
Die Analysten der Rating-Agentur Standard & Poor's schätzen, dass bislang nur die Hälfte der von ihr bewerteten europäischen Unternehmen über die Folgen der IFRS-Umstellung für die Investoren informiert hat. Und nur ein Viertel habe mehr als das vorgeschriebene reine Datenmaterial veröffentlicht sowie die Bilanzierungsänderungen und ihre Folgen ausführlicher beschrieben.
Auch eine aktuelle Studie von Kirchhoff Consult bescheinigt den deutschen Dax- und MDax-Unternehmen eine mangelhafte Transparenz und unzureichende Prognosen. Nur elf Prozent der Firmen geben danach in ihren Geschäftsberichten einen Ausblick mit informativen qualitativen Beschreibungen und umfangreichen quantitativen Prognosen auf ihre künftige Geschäftsentwicklung. Und nur jedes zweite Unternehmen macht quantitative Aussagen zu erwarteten Umsatz- und Ergebniszahlen. "Auffallend sind die enormen Unterschiede im Hinblick auf den Umfang und die Qualität des Ausblicks", erzählt Jens Hecht, Vorstand von Kirchhoff Consult. Der Umfang des Ausblicks liege zwischen einem Absatz und neun Seiten, wobei dies nicht immer mit der Aussagekraft der Angaben korreliere.
Unternehmensziele offensiv nach außen tragen
Aus Slottas Sicht zeichnet sich eine gute Kapitalmarktkommunikation dadurch aus, dass Firmen ihre Ziele offensiv nach außen tragen, um sich positiv von ihren Wettbewerbern zu unterscheiden. Es reiche nicht aus darauf zu achten, dass alle Bilanzierungs- und Offenlegungsvorschriften eingehalten werden. Dennoch ist dies für die meisten Investor-Relations-Abteilungen zunächst das dominierende Ziel. Transparente Publizität beginnt aus Sicht von Slotta, aber auch erfahrener Analysten und Investoren, mit der Einschätzung der künftigen Markt- und Branchenentwicklung durch das Management, Marktanteilsangaben und Wachstumserwartungen.
Kay Bommer, Geschäftsführer des Deutschen Investor Relations Kreises (DIRK), räumt ein: "Wir haben noch keine Erfahrungen, ob andere Kennzahlen abgefragt werden. Im Moment befinden sich die Emittenten in Gesprächen mit den Zielgruppen, was denn von den Investoren oder Analysten an zusätzlichen Informationen gefordert wird." Derzeit tauschten sich die IR-Experten noch überwiegend untereinander aus. Das Hauptproblem sieht Bommer darin, dass es angesichts der mangelnden Erfahrungen mit den erst seit 2005 für Europa geltenden IFRS keine Standards für die Berichterstattung gebe.
Entwicklungskosten, Umsatzziele, Kundenstamm
Insbesondere die für eine externe Beurteilung gern verwendeten Ebit-Maßgrößen (Gewinn vor Steuern und Zinsen) unterliegen eben keinen Standards, sagt Slotta. Das verhilft diesen Zahlen, wenn sie denn berichtet werden, nicht gerade zu Glaubwürdigkeit. Längst nicht in allen Branchen werden wichtige Performance-Zahlen für die Wertschöpfung veröffentlicht, die über die reinen Finanzdaten hinausgehen. Während beispielsweise in der Pharmabranche die großen Konzerne Entwicklungskosten und künftige Umsatzziele für neue Medikamente veröffentlichen oder in der Telekommunikationsbranche die Zahl neuer Kunden genannt wird, ist die Angabe solcher bewertungsrelevanter Informationen keineswegs in allen Branchen selbstverständlich. Eigentlich müssten solche Angaben natürlich konsistent, also auch in Zeiten schlechterer Performance, durchgehalten werden.
Dabei gibt es zahlreiche Indikatoren, die sowohl für die interne Unternehmenssteuerung als auch für die externe Kommunikation von Vorteil sein können: Dazu zählen unter anderem die Qualität des Kundenstamms, die Zufriedenheit von Kunden und Mitarbeitern, Aussagen zu Qualität, Stärke und Wert der Marke, Mitarbeiterqualifikation, Umsatz je Kunde oder Effizienz der Forschung und Entwicklungsaktivitäten. Wesentlich seien diese Elemente der wertorientierten Berichterstattung dann, wenn der Zusammenhang mit dem künftigen Cashflow verdeutlicht werden könne, sagt Experte Slotta.
Gewinnkennzahl rückt stärker in den Mittelpunkt
Mit der Bilanzierung nach den neuen Bilanzierungsstandards gerät gerade der Cashflow für die Performance-Beurteilung immer stärker in den Fokus der Investoren, da die Vergleichbarkeit anderer Bewertungskriterien immer geringer wird. Grund dafür ist nach Feststellungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, dass die Unternehmen alle Wahlrechte und Freiheiten bei der Ermittlung des "fairen Werts" ihrer Vermögenswerte nutzen, um so ihre Gewinne zu steigern oder zu senken. Deshalb hat IFRS die Konzernabschlüsse nicht einmal innerhalb eines Landes vergleichbarer gemacht, geschweige denn international.
"Was nutzt mir als Anleger beispielsweise der Umsatz pro Kunde einer Telekomgesellschaft, wenn dieser am Ende keinen Gewinn oder Cashflow abwirft", sagt Slotta. Und auch vom Marktanteil könne man nicht leben. "Die Investoren wollen aber wissen, welchen Cashflow und welches Ausschüttungspotenzial ein Unternehmen dauerhaft generieren kann. Ist mein Unternehmen in der Lage, eine Dividende zu zahlen, die Verschuldung beispielsweise nach Zukäufen aus eigener Kraft über den Cashflow zu verringern?" Unternehmen, die das beherzigen, können Slotta zufolge nicht nur nach außen punkten, sondern profitieren auch intern davon.

Geschäftsausblicke
Intransparent Die Prognoseberichterstattung deutscher Unternehmen lässt zu wünschen übrig, wie eine Studie der Beratungsgesellschaft Kirchhoff Consult zeigt. 43 Prozent der Dax-Konzerne und 54 der MDax-unternehmen geben keinerlei quantitative Prognosen zum operativen Ergebnis in ihren Berichten ab. Von "niedriger Transparenz" sind laut Kirchhoff Consult etwa die Angaben von Deutscher Bank, Medion und TUI.
Vorbildlich Mit aussagekräftigen Angaben über die künftige Geschäftsentwicklung glänzen im Dax Adidas, Fresenius Medical Care, Münchener Rück, ThyssenKrupp und RWE. Im MDax qualifizieren sich Vossloh, Fraport, Fresenius und Bilfinger Berger damit.

  • FTD.de, 02.09.2005
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