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Merken   Drucken   20.06.2007, 21:27 Schriftgröße: AAA

Bloomberg steigt bei Republikanern aus

Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg ist aus der Partei der Republikaner ausgetreten. Sofort aufkommende Spekulationen, dass er als unabhängiger Kandidat für die Wahl zur US-Präsidentschaft 2008 antreten will, dementierte er. von Michael Gassmann (New York)
"Ich habe erklärt, dass es meine Absicht ist, für die nächsten 929 Tage Bürgermeister zu sein", sagte der Politiker, dessen zweite Amtszeit in New York am 31. Dezember 2009 ausläuft.
Michael Bloomberg, ehemaliger Bürgermeister von New York   Michael Bloomberg, ehemaliger Bürgermeister von New York
Die Spekulationen, dass er doch zur Präsidentschaftswahl antreten könnte, sind damit aber nicht vom Tisch. Sein Verhalten in den vergangenen Wochen deutet darauf hin, dass er eine Kandidatur vorbereitet. So traf sich der 65-Jährige mit Politikern in verschiedenen US-Staaten. Dabei äußerte er sich kritisch zu nationalen Themen, vor allem zur Bush-Regierung. "Ich denke, das Land steckt in Schwierigkeiten", sagte er. Die Reputation der USA leide unter einer Mentalität der Regierung, die vom Willen zu Alleingängen geprägt sei. "Wir sollten genau die andere Richtung einschlagen", sagt er.
Vorwürfe nach Großbrand
Der Bruch mit den Republikanern war absehbar. Bloomberg hat nichts gegen gleichgeschlechtliche Ehen, in New York gelten strikte Schusswaffengesetze, zu Abtreibung und Stammzellenforschung nimmt er eine liberale Haltung ein - alles Positionen, die quer zur Parteilinie liegen. Während Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger Bloomberg bereits als "exzellenten Kandidaten" bezeichnete, bereiten die Ausflüge in die nationale Politszene dem Stadtchef daheim erste Probleme.
Bilderserie Bilderserie: Die Bewerber ums Weiße Haus
Viele New Yorker kreiden ihm an, dass er nach einem katastrophalen Brand im Stadtteil Bronx mit neun Toten im März nicht sofort vor Ort war, sondern in Florida weilte. "Die Visite in Florida könnte seine Umfragewerte zu einem gewissen Grad tangieren", sagte Maurice Carroll, Direktor des Umfrageinstituts der Quinnipiac University.
Insgesamt sei die Popularität des Politikers aber ungefährdet. Die New Yorker schätzen an ihm, dass er die Kommunalfinanzen in Ordnung brachte, das verkrustete Schulwesen reformierte und die öffentliche Sicherheit garantiert. Im Herbst 2005 wurde er mit 59 Prozent der Stimmen für eine zweite Amtszeit gewählt.
Bloomberg, der oft mit der U-Bahn von seinem feudalen Wohnsitz an der Upper East Side ins Büro fährt, könnte als unabhängiger Präsidentschaftskandidat von dieser Reputation profitieren. Zudem ist er mit einem geschätzten Vermögen von 5 Mrd. $ finanziell unabhängig. In seine beiden New Yorker Wahlkämpfe hat er 155 Mio. $ gesteckt - die Finanzierung eines Präsidentschaftswahlkampfs würde ihm keine Probleme bereiten. , In Umfragen liegt er mit Hillary Clinton und dem Republikaner Rudy Giuliani meist vorn.
  • Aus der FTD vom 21.06.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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