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Merken   Drucken   29.10.2008, 20:11 Schriftgröße: AAA

Brüchige Familienbande: Albert Darboven setzt Sohn vor die Tür

Der Kaffeehersteller J.J. Darboven hat seinen Kronprinzen Arthur Darboven für das operative Geschäft verloren. Es habe "Verständigungsschwierigkeiten" gegeben, zum Beispiel bezüglich des Marketings. Sein Sohn nehme eine "Auszeit", sagte Unternehmenschef Albert Darboven, 72, der FTD. von Birgit Dengel (Hamburg)
Wie es weitergehe, sei offen. Womöglich ließe sich die Sache in ein oder zwei Jahren regeln, und sein Sohn kehre zurück ins Unternehmen, gab sich Darboven-Mehrheitseigner Albert Darboven zuversichtlich.
Allerdings galt Arthur Darboven bislang als einziger Kandidat für die Nachfolge an der Spitze des Hamburger Familienunternehmens, das mit Marken wie Idee und Mövenpick Kaffee, Eilles Tee oder Alfredo Espresso jährlich rund 300 Mio. Euro umsetzt. Mit dem abrupten Abgang des 44-jährigen Juniorchefs, der bereits 17 Prozent der Anteile an dem Unternehmen hält, klafft nun eine Lücke in der Führung. "Dann muss ich eben etwas mehr arbeiten", sagte Senior Albert Darboven, den Verbraucher aus TV-Spots für seinen Kaffee kennen. Sein Sohn beschränke sich bis auf Weiteres auf die Rolle als Kommanditist - ebenso wie sein Neffe, der ein Viertel der Firmenanteile halte.
Der Kaffeehersteller ist nur einer von etlichen Familienunternehmern, die Nachfolgeprobleme an der Firmenspitze haben. Häufig fällt es altgedienten und erfolgreichen Patriarchen schwer, von ihrer Macht zu lassen. "Ich kenne das Unternehmen seit 40 Jahren, da verlasse ich mich auf meine Lebenserfahrung", sagte Albert Darboven.
Albert Darboven   Albert Darboven
Ein Bruch innerhalb der Familie hatte sich Anfang 2006 auch beim Fruchtgummihersteller Haribo offenbart. Damals zog sich der 51-jährige Hans-Jürgen Riegel zurück und überließ seinem 83-jährigen Onkel und Unternehmenschef Hans Riegel das Feld. Der Grund soll auch hier Streit über die strategische Ausrichtung des Unternehmens gewesen sein. Hans-Jürgen Riegel hatte als unangefochtener Kronprinz für den Chefsessel gegolten. Wenngleich Hans Riegel noch vor zwei Jahren unterstrich, er bemühe sich um rasche Klarheit über die eigene Nachfolge, ist bis heute nichts geschehen.
Kaffeehersteller Darboven, dessen Firmenursprung bis ins Jahr 1866 zurückreicht, könnte nun der gleiche Schwebezustand drohen - eine große Gefahr angesichts der Aufgaben, die auf Konsumgüterherstellern zurzeit lasten. Sie müssen etwa die Kaufzurückhaltung der Verbraucher ebenso verdauen wie die hohen Rohstoff- und Energiekosten. Hinzu kommt für Markenproduzenten wie Darboven der Wettbewerbsdruck durch billigere Discountwaren.
Senior Albert Darboven wiegelte indes ab: "Mein Sohn und ich haben uns ganz freundschaftlich getrennt." Gebe es Verständigungsschwierigkeiten, sei es gut, wenn der Jüngere nachgebe. Die Auszeit des Sohns sei von beiden Seiten gewollt. Arthur Darboven war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
  • Aus der FTD vom 30.10.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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