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Merken   Drucken   03.02.2011, 10:00 Schriftgröße: AAA

Buchtipp für Unternehmer: Warum faule Typen schneller arbeiten

Ständiges Wachstum und dicke Werbebudgets sind veraltete Erfolgsfaktoren, behaupten zwei US-Unternehmer. Sie liefern in ihrem Buch eine Fülle von Anstößen, um mal wieder ganz neu über scheinbar festgefügte Geschäftsprinzipien nachzudenken. von Claus G. Schmalholz
Der Kaiser ist nackt! Kompletter Bullshit! Ihr seid alle doof! Ausrufe dieser Art klingen immer gut, suggerieren sie doch den unverstellten Blick auf scheinbar festgefügte Gesetzmäßigkeiten und den Mut zum Aussprechen unpopulärer Wahrheiten. Dieser Methode bedienen sich auch die Autoren des Buches "Rework", die Gründer der US-Softwarefirma 37 Signals, Jason Fried und David Heinemeier Hansson.
Faultiere sind Workaholics vorzuziehen, meinen die Autoren: Wer ...   Faultiere sind Workaholics vorzuziehen, meinen die Autoren: Wer schnell nach Hause will, arbeitet effizienter.
In ihrer Branche sind die beiden Stars, sie gelten als Vorreiter einer radikal reduzierten Unternehmensführung. Detaillierte Businesspläne, rasches Wachstum mit immer mehr Mitarbeitern, vollkommene Ausrichtung auf den Kunden - alles Quatsch, postulieren sie. Ihr Credo: besser auf Sicht führen, besser langsam wachsen, im Zweifelsfall die Kundenwünsche besser ignorieren.
Das wirkt zunächst wie eine wohlkalkulierte Provokation zweier Jungunternehmer aus Chicago, die endlich so viel Aufmerksamkeit kriegen wollen wie ihre Gründerkollegen aus dem Silicon Valley. Doch Fried und Heinemeier Hansson haben mit dem erfolgreichen Aufbau ihres Unternehmens bewiesen, dass ihre Thesen den Realitätstest bestehen, zumindest in ihrer Branche. Hunderttausende Kunden nutzen - und bezahlen per Abo - die Softwareprodukte von 37 Signals, etwa zur Zeiterfassung und zum Erstellen von Webseiten.
Konsequenterweise wenden die Autoren ihre Führungs- und Gestaltungsprinzipien auch auf das Buch an. Getreu ihrer Devise "Weniger ist mehr" präsentieren sie ihre Tipps in rund 90 leicht verdaulichen Zwei- oder Drei-Seiten-Happen. Eherne Geschäftsprinzipien knacken sie mit der Schilderung von ein, zwei eigenen Erfahrungen, ergänzt durch ein, zwei Beispiele aus anderen Unternehmen.
Das bietet keinen Raum für echten Tiefgang, verschafft aber Gedankenanstöße, um über scheinbar unverrückbare Grundgesetze des Geschäftemachens nachzudenken. Und macht beim Lesen richtig Laune, weil die Ratschläge zu zentralen Managementprinzipien frech und frisch daherkommen.
Etwa, dass Meetings Gift sind, weil man gute Leute (die ja wohl jeder Unternehmer eingestellt zu haben glaubt) am besten in Ruhe lässt, damit sie ihre Arbeit erledigen können. Wie man eine Firma führt, deren Mitarbeiter nicht im Büro hocken, sondern eigenverantwortlich via Web zusammenarbeiten. Warum man Produktanpassungswünsche der Kunden am besten ignoriert, um schlank und effizient bleiben zu können. Und wie man es sich leisten kann, die Konkurrenten zu ignorieren, wenn die ein ähnliches Produkt billiger anbieten - bitte schön, meist stimmt dann die Qualität nicht.

Teil 2: Das Glück der Gelassenheit

  • FTD.de, 03.02.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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