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Merken   Drucken   24.09.2008, 12:00 Schriftgröße: AAA

Büro-Trends: Daddeln gegen den Stress

Erholung am Arbeitsplatz durch Computerspiele? Mehr Spaß im Job durch den richtigen Schreibtisch? Zwei aktuelle Studien beleuchten, wie einfach Unternehmen die Belastung der Mitarbeiter minimieren und so ihren Erfolg steigern können. von Sabine Meinert
Wer kennt das nicht: Der Text will nicht so recht fließen, die Zahlen verschwimmen vor den Augen, der Knoten im Gehirn schein unlösbar. Doch Gott sei Dank ist der Abgabetermin für das Projekt erst morgen. Da schiebt mancher gern mal eine Runde Solitaire, Sudoku, Mahjong oder Online-Billard ein - eine willkommene Ablenkung im Arbeitsalltag.
Den meisten Chefs ist das alles andere als recht, doch moderne Büroarbeitsplätze bieten heutzutage eine Vielzahl an Unterhaltungs- und Ablenkungsmöglichkeiten. Vor allem die "Casual Games", die kleinen Onlinespiele, die sich meist direkt im Web-Browser des Benutzers spielen lassen, sind nur einen Click entfernt.
Durchatmen statt Zeit totschlagen
Fördert die Konzentration: Zwischendurch eine Runde Sudoku spielen   Fördert die Konzentration: Zwischendurch eine Runde Sudoku spielen
Zeitverschwendung? - Alles halb so schlimm, zeigt die aktuelle Studie der Medienpsychologen Sabine Trepte und Leonard Reinecke von der Hamburg Media School (HMS). Denn für die meisten Büroarbeiter sind die Computerspiele nicht mehr als eine willkommene Gelegenheit zum Durchatmen. Sie spielen, um vorangegangene Belastungen auszugleichen.
"Computerspiele wirken auf ganz verschiedene Weise erholsam: Zum einen lassen sie den Spieler für einen kurzen Moment den Arbeitsstress vergessen und wirken somit entspannend, zum anderen bieten sie Herausforderung und Erfolgserlebnisse und können so zu einer besseren Stimmung verhelfen", erklärt der Experte Leonard Reinecke.
Kriterien: Stress und soziales Klima
Die Studie ergab, rund die Hälfte der rund 1000 befragten PC-Spiele-Fans spielt auch im Büro gelegentlich Casual Games. Wer besonders unter Stress steht, spielt besonders oft. Wo dagegen ein gutes Arbeitsklima herrscht und Mitarbeiter auf die Unterstützung durch Kollegen und Vorgesetzte zählen können, wird deutlich seltener gespielt.
Stressabbau mit PC-Games   Stressabbau mit PC-Games
Die Medienpsychologen wollen den "Arbeitsplatz-Computerspielern" beileibe keinen Freifahrtschein ausstellen. Dennoch liefert die Studie ihrer Meinung nach Hinweise darauf, dass das Spielen am Arbeitsplatz eine positive Ressource darstellen kann, um die Belastungen im Job zu bewältigen.
Arbeitsumfeld zum Selberbauen
Der Technologiekonzern Johnson Controls konzentriert sich dagegen mit seinen Untersuchungen mehr auf das Drumherum: Schreibtisch, ergonomischer Stuhl, Grünpflanzen, Plakate, farbige Wände - was davon muss sein? Wie sollten Arbeitsräume aussehen? Was gefällt der jungen Generation? Dafür tat sich das Unternehmen, das auch Gebäudemanagement- und Arbeitsplatz-Lösungen anbietet, mit dem Büroeinrichter Haworth und dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) zusammen.
Vorläufige Ergebnisse der Oxygenz-Studie: Wie individuell sollte ...   Vorläufige Ergebnisse der Oxygenz-Studie: Wie individuell sollte Dein Arbeitsplatz aussehen?
Die Untersuchung ermittelt die Erwartungen der Generation Y über eine interaktive Online-Plattform. Hier kann jeder Teilnehmer seinen idealen Arbeitsplatz kreieren und die Entwürfe mit Freunden austauschen.
Lounge oder Einsiedelei
Ob Einzel- oder Großraumbüro, von modern bis klassisch, mit Hightech-Ausstattung oder spartanisch wie eine Einsiedler-Zelle - zu wissen, wie junge Menschen arbeiten möchten und welche Rolle die Arbeitsumgebung bei ihrer Jobauswahl spielt, wird sich im Wettbewerb um die besten Fachkräfte zum wichtigen Vorteil entwickeln, sagt Marie Puybaraud, Studienleiterin und Director Global WorkPlace Innovation bei Johnson Controls. "Die Studie 'Oxygenz' wird zeigen, welche Ansprüche die Generation Y in Punkto Standort, Design, Technologie und Arbeitszeitkonzepte an ihren künftigen Arbeitsplatz hat. Mit diesem Wissen können Unternehmen ihre Arbeitsumfelder für die neue Arbeitnehmer-Generation attraktiver gestalten."

Für die Studie "Erholung durch Computerspiele?" wurden 1010 Nutzer der Games-Portale Bigpoint.de und GameDuell.de zur Nutzung von PC-Spielen am Arbeitsplatz befragt. In einer ersten experimentellen Laborstudie aus dem Jahr 2006 konnten bereits positive Erholungseffekte von Computerspielen nachgewiesen werden. Versuchspersonen, die nach einer anstrengenden Textkorrekturaufgabe ein Computerspiel spielten, zeigten im Anschluss bessere Konzentrationsleistungen als Probanden, die nicht gespielt hatten.
Die Studie "Oxygenz - Der Arbeitsplatz als Wettbewerbsfaktor" erforscht, was Berufseinsteiger von ihrem künftigen Arbeitsplatz erwarten und welche Bedeutung die Arbeitsumgebung für ihre Jobwahl hat. Die Studie läuft noch bis zum Jahresende.
  • FTD.de, 24.09.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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