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Merken   Drucken   23.09.2009, 12:00 Schriftgröße: AAA

Bundestagswahl: Welche Politiker sich Chefs wünschen

Wie sehen die idealen Politiker aus? Etwa 500 deutsche Manager bewerteten kürzlich in einer Studie die Eigenschaften von Politprofis. Das Ergebnis ist eindeutig: Manager schätzen bei Politikern keine Managereigenschaften. von Sabine Meinert
Angela Merkel, Frank-Walter Steinmeier oder Guido Westerwelle? Unabhängig davon, wer mit seiner Partei am Sonntag bei der Bundestagswahl die Nase vorn haben wird, Manager haben ganz klare Erwartungen an deutsche Politiker. Sie setzen auf analytisches Denkvermögen und Erfahrungen in der freien Wirtschaft, zeigt eine Befragung des Karriereportals Experteer.
Für zwei Drittel der Top-Verdiener ist das die wichtigste Politiker-Qualifikation. Mehr als die Hälfte sieht auch eine gute Allgemeinbildung als essenzielle Voraussetzung für einen Job in Regierungsverantwortung oder Opposition an.
Die wichtigste Qualifikation für Politiker
1. Analytisches Denkvermögen 69 Prozent
2. Berufserfahrung in der freien Wirtschaft 64 Prozent
3. Praktische Umsetzungsstarke 62 Prozent
4. Gute Allgemeinbildung 57 Prozent
5.Verhandlungsgeschick 52 Prozent
Führungskräfte haben hohe Erwartungen an Spitzenpolitiker wie ...   Führungskräfte haben hohe Erwartungen an Spitzenpolitiker wie Angela Merkel (hier mit den Chefs von Eon, Daimler, RWE)
Außerdem zählen sie Verantwortungsbewusstsein und Ehrlichkeit zu den wichtigsten Eigenschaften. Ebenso hoch wird Zuverlässigkeit gewichtet. Politiker sollten den Führungskräften zufolge im Wahlkampf nichts versprechen, das sie später nicht halten können.
In der Rezession setzen viele Spitzenmanager zudem auf Krisenkompetenz. In Zeiten ständiger Kompromisse wünschen sie sich zusätzlich Durchsetzungskraft von Politikern.
Die wichtigsten Eigenschaften für Politiker
1. Verantwortungsbewusstsein 69 Prozent
2. Ehrlichkeit 68 Prozent
3. Zuverlässigkeit 53 Prozent
4. Krisenkompetenz 49 Prozent
5. Durchsetzungskraft und eine gewisse Härte 41 Prozent
Dagegen verzichten die Wirtschaftslenker gern auf Politiker, die sich durch Geduld oder Freundlichkeit auszeichen. Auch Mitgefühl und Einfühlungsvermögen sind nicht gefragt, zeigt die Experteer-Umfrage. Nicht einmal jeder zehnte Manager zählt das zu den wichtigen Eigenschaften eines Politprofis.
Auffällig: Ehrgeiz und Flexibilität - in der Wirtschaft gefragte Eigenschaften - sehen die Führungskräfte bei Politikern nicht als essenziell an. Nur sieben beziehungsweise neun Prozent können einem Kandidaten mit solchen Eigenschaften etwas abgewinnen. Offenbar trauen die Befragten aber auch keinem Politiker ähnliche Charakterzüge zu.
Trotz ungepflegten Bartes und zerknitterten Mantels: Bei ...   Trotz ungepflegten Bartes und zerknitterten Mantels: Bei entsprechender Kompetenz könnte auch Horst Schlämmer punkten
Eher nebensächlich ist für die Spitzenkräfte der Wirtschaft, ob Politiker sich mit dem Internet oder sozialen Netzwerken auskennen oder welche Affinität sie zum Thema Web 2.0 haben. Nur drei Prozent der Befragten legt darauf größeren Wert. Zumindest bei ihnen hat daher keine Nachteile, wer im Wahlkampf auf Twitter, Myspace und Co. verzichtet.
Zudem schauen die Führungskräfte bei Politikern kaum auf das Äußere: Nur zwölf Prozent legen Wert auf ein gepflegtes Erscheinungsbild der Volksvertreter. Auch Sprachkenntnisse und Auslandserfahrung halten nur wenige Manager für unerlässlich.
Die unwichtigste Qualifikation für Politiker
1. Erfahrung im Internet / Web 2.0 / Social Networks 3 Prozent
2. Politik-Studium 4 Prozent
3. Gepflegtes Äußeres 12 Prozent
4. Sprachkenntnisse 12 Prozent
5. Auslandserfahrung 12 Prozent
Insgesamt sind die Manager von Politikern nicht sehr angetan. Viele der geforderten Eigenschaften sehen sie bei Vertretern der großen Parteien nicht. Fast 40 Prozent würden daher einen Spitzenpolitiker im eigenen Unternehmen auf keinen Fall einstellen.
Die Befragung des Karrieredienstes Experteer wurde im August unter 500 Managern der oberen Hierarchieebenen deutscher Unternehmen durchgeführt. Mehr Informationen unter: www.experteer.de
  • FTD.de, 23.09.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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