Die Personalpolitik der kleinen und mittleren Institute sei viel zu zurückhaltend, so das Fazit einer Studie, die die Berater am Mittwoch in Frankfurt vorstellten. Gerade in der Krise stünden die Chancen gut, Topkräfte von Großbanken abzuwerben, weil viele Mitarbeiter Angst um ihren Job hätten oder aus anderen Gründen unzufrieden seien. Die Realität sehe allerdings ganz anders aus: "Antizyklisches Handeln scheint vielen Instituten fremd", sagte Studienleiter Joachim Hasebrook.
Das Plädoyer der Berater überrascht, weil die Finanzbranche gerade wegen der hohen Bonuszahlungen herber Kritik ausgesetzt ist. An den Erfolg gekoppelte Zahlungen können die Mitarbeiter schließlich dazu verleiten, hohe Risiken einzugehen. Daher gelten sie als ein Auslöser der Finanzkrise. Aufsichtsbehörden und Politiker diskutieren weltweit darüber, wie die Boni begrenzt werden können. Entsprechende Leitlinien haben unter anderem Vertreter der G20-Länder bei ihrem Treffen in Pittsburgh Ende September erarbeitet.
Wegen der Debatte um die Boni und dem schlechten Ruf der Branche hat die Attraktivität der Banken als Arbeitgeber gelitten. Außerdem verzerren die hohen Gehälter aus dem Investmentbanking die öffentliche Wahrnehmung - Unternehmensberatungen zahlen in der Breite oft höhere Gehälter, was sie für Bewerber attraktiver macht. "Es wird für viele Banken in den kommenden Jahren schwieriger, gute Nachwuchskräfte zu finden", sagte Maren Maurer aus dem Autorenteam der Studie. Für die Untersuchung hat ZEB 318 mittelgroße Banken aus Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt.
In den USA und Großbritannien rechnen Experten bereits wieder mit steigenden Boni. Das Centre for Economics and Business Research (CEBR) erwartet, dass die Angestellten in der Londoner City in diesem Jahr Extrazahlungen von 6 Mrd. Pfund (6,7 Mrd. Euro) einstreichen. Im vergangenen Jahr wurden in der britischen Finanzbranche rund 4 Mrd. Pfund als Bonus ausgeschüttet. Der Rekordwert von 10,2 Mrd. Pfund aus dem Jahr 2007 dürfte CEBR zufolge so schnell allerdings nicht mehr erreicht werden. An der Wall Street dürften die Bonuszahlungen im Zeitraum bis Ende März im Vorjahresvergleich um 40 Prozent zulegen, schätzt die Vergütungsberatung Johnson Associates. Die Experten beziffern die Summe auf 26 Mrd. $ (17,3 Mrd. Euro) .
Die hohen Bonuszahlungen trafen prompt auf Kritik. "Anstatt sich selbst Riesenboni zu genehmigen sollten die Banker und Finanziers lieber die Hunderte Millionen Pfund zurückzahlen, die die Steuerzahler für ihre Rettung aufgewendet haben", sagte Dave Prentis, Generalsekretär der Gewerkschaft Unison, der Nachrichtenagentur Bloomberg.
Auf die mittelständischen Banken im deutschsprachigen Raum trifft solche Kritik allerdings kaum zu - die meisten haben die Finger von toxischen Wertpapieren gelassen und die Finanzkrise recht gut umschifft. Die Institute verstünden es aber nicht, aus der Krise der Großbanken Kapital zu schlagen, kritisiert ZEB. Auch die Mittel zur Personalentwicklung würden häufig nicht sinnvoll investiert. Beraterin Maurer: "Das Geld wird selten zielgerichtet, sondern eher mit der Gießkanne ausgegeben."