Das erfuhr die FTD aus Betriebsratskreisen der Firma, die mitten in einem tiefen Umbau steckt. Deitz unterliegt damit in einem Machtkampf mit den Arbeitnehmervertretern des Stammwerks.
Vor der Abspaltung
Lanxess ' von Bayer Anfang des Jahres war Deitz auf Betreiben des
Bayer -Betriebsrats stellvertretender Aufsichtsratschef des neuen Unternehmens geworden - und damit wichtigster Ansprechpartner für das Management. Wer diese Position besetzt, wird in deutschen Chemiefirmen üblicherweise auch Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats.
Die Fraktion der Chemiegewerkschaft IG BCE im Betriebsrat Leverkusen hatte aber an die Spitze ihrer Liste Werner Czaplik gesetzt. Deitz gewann dennoch die Wahl - mit seiner eigenen Stimme und jenen der Vertreter der kleineren Lanxess-Standorte Dormagen, Uerdingen und Brunsbüttel. Die sahen in Deitz ihre Interessen im Vergleich zum dominierenden Stammwerk Leverkusen besser gewahrt.
Mandat entzogen
Der Leverkusener Betriebsrat revanchierte sich nun, indem er Deitz das Mandat wieder entzog. Seinen Nachfolger - vermutlich Czaplik - müssen die Arbeitnehmervertreter auf der nächsten Sitzung wählen.
Ein Machtkampf dieser Dimension ist bislang ohne Beispiel in der IG BCE. Sie regelt derartige Personalien normalerweise geräuschlos vorab. "Unterm Strich ist natürlich jetzt politischer Schaden aufgetreten, den man durch die gewohnte Qualität der inhaltlichen Arbeit ausgleichen muss", sagte der Leverkusener Bezirksleiter Frank Löllgen.
Deitz' Aufsichtsratsmandat stand bislang nicht zur Diskussion. Allerdings sitzt auch Czaplik in dem Kontrollgremium - und es ist schwer vorstellbar, wie die beiden zerstrittenen Arbeitnehmervertreter künftig noch einig für die Interessen der Belegschaft eintreten. Lanxess ist ein Sanierungsfall. Das Unternehmen enthält jene früheren Chemiegeschäfte des Bayer-Konzerns, die Verluste schreiben oder zumindest sehr ertragsschwach sind. Chemiemanager betonen immer wieder, sie bevorzugten in Zeiten von Umstrukturierung und Stellenabbau hart verhandelnde, aber am Ende verlässliche Gesprächspartner.
Lanxess-Vorstandschef Axel Heitmann bedauerte denn auch das Betriebsratschaos in seiner Firma: "Wir verfolgen die Entwicklung aufmerksam, natürlich mit Sorge, weil wir noch viele Sachverhalte zu bearbeiten haben - und dafür eine starke Arbeitnehmervertretung wünschen."