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Merken   Drucken   18.12.2008, 11:45 Schriftgröße: AAA

Christian Streiff: Der dem Präsidenten widerspricht

Der Peugeot-Chef will sich von Nicolas Sarkozy nicht für dessen nationalen Autopakt einspannen lassen. Lieber möchte er autonom bleiben. Dabei ist er auf Hilfe vom Staat angewiesen. von Lutz Meier (Paris)
Nicolas Sarkozy  weiß, wie man Industriepolitik macht: Vergangene Woche trifft sich Frankreichs Präsident mit den Chefs der großen Autokonzerne und Zulieferer. Natürlich geht es darum, dass der Präsident aufs Neue Staatsgeld bereitstellen soll - was er auch will -, um der Branche durch die Krise zu helfen. Doch Sarkozy stellt harte Bedingungen: Wer Geld wolle, müsse garantieren, keine Arbeitsplätze zu verlagern. "Keinen Cent" werde erhalten, wer sich dem widersetze, droht der Staatschef schon vor dem Treffen.
Der machtbewusste Politiker macht kein Geheimnis daraus, wen er meint: Europas zweitgrößten Autokonzern PSA Peugeot Citroën und dessen Chef Christian Streiff . PSA sei "der größte Nutznießer der Vorruhestandsregelung und verlegt gleichzeitig seine Fabriken nach auswärts", schimpft der Präsident vor Abgeordneten der Regierungspartei. "Das ist untragbar."
Christian Streiff, Chef des französischen Automobilkonzerns PSA ...   Christian Streiff, Chef des französischen Automobilkonzerns PSA Peugeot Citroën
Zu gern hätte der Präsident mit großer Geste dem Wahlvolk schon vor Wochen eine Erklärung der zwei nationalen Autobauer PSA und Renault präsentiert, dass sie ihre Fabriken im Land halten. Anschließend hätte er den braven Firmen gütig Milliarden geben können. Das ist Sarkozys wirtschaftspolitische Idee, die er immer wieder als "Voluntarismus" predigt: Statt sich vermeintlich unausweichlichen Gesetzen der Weltwirtschaft zu fügen, sorgen Staat und Industrie Hand in Hand dafür, dass alles weitergeht wie gehabt. Zum Wohle der Arbeitsplätze - und desjenigen, der sie gerettet hat.
Die meisten französischen Manager spielen das Spiel mit. Sie wissen, dass es mehr darum geht, gut klingende Garantien auszugeben, als sich später daran zu halten. Renault-Chef Carlos Ghosn  hat schon im Herbst feierlich versprochen, seine Produktion im Land zu halten. Ihm bleibt nichts anderes übrig: Der Staat ist mit 15,3 Prozent größter Einzelaktionär bei Renault.
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PSA-Chef Streiff dagegen unterwirft sich ungern Regeln, die ihn zu Dingen zwingen, die er für unvernünftig hält. Das war schon zu seiner Zeit als Airbus-Chef so. Er hat keine Lust, sich Sarkozy zu fügen, und er lässt es ihn spüren. "Nie im Leben werde ich mich derart verpflichten wie Herr Ghosn", sagt er mit direktem Seitenhieb auf den als Starmanager gefeierten Kollegen. "So etwas gehört nicht in die Überlegungen eines Konzernlenkers."
Das ist durchaus mutig, denn auch PSA ist auf die Staatshilfe angewiesen. Rund 450 Mio. Euro haben die PSA-Autobanken schon erhalten, um ihren Kunden weiter günstige Kredite anbieten zu können. Seit Tagen werben Peugeot und Citroën mit den staatlichen Prämien für Autokäufer. Aber PSA  möchte sich die Möglichkeit offenhalten, Kapazitäten einzuschränken - etwa im nicht ausgelasteten Kleinwagenwerk in Aulnay oder im Limousinenwerk Rennes, wo es ähnliche Probleme gibt. Gleichzeitig bestreitet der Konzern die Kritik der Regierung: Der Vorwurf mit dem Vorruhestand stimme ebenso wenig wie die Behauptung, dass immer mehr Peugeots in der Slowakei gebaut würden. Auch dem dortigen Werk habe PSA Kurzarbeit verordnet.
Bei dem Treffen habe der Präsident übrigens keinerlei Vorwürfe geäußert, sagt ein PSA-Sprecher. Die Begegnung sei positiv gewesen. So viel Diplomatie muss sein.
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