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Merken   Drucken   15.09.2011, 06:00 Schriftgröße: AAA

Cloud Computing: Starthilfe aus dem Netz

Unternehmensgründer lieben Cloud-Computing besonders. Damit sparen sie sich das Geld für eine eigene Infrastruktur - und sind flexibler. von Lars Reppesgaard
Ohne Cloud-Computing hätte sich Michael Geisser, Geschäftsführer von Ubivent, den Traum vom eigenen Unternehmen nicht erfüllen können. Das Mannheimer Startup stellt eine Softwareplattform bereit, auf der Unternehmen virtuelle Meetings und andere Onlineveranstaltungen durchführen. "Die Cloud hat dafür gesorgt, dass wir diese Idee umsetzen konnten", sagt der Gründer.
Beim Cloud-Computing läuft Software nicht mehr auf dem Rechner des ...   Beim Cloud-Computing läuft Software nicht mehr auf dem Rechner des Nutzers, sondern ist über eine metaphorische Wolke ex
Den Plan zu der Plattform hatte das Gründerteam aus ehemaligen SAP-Mitarbeitern während der Finanzkrise nach der Lehman-Pleite 2008 gefasst. "Überall mussten die Reisekosten gesenkt werden", sagt Geisser. Mithilfe der Ubivent-Software lassen sich beispielsweise mehrtägige Entwicklerkonferenzen, bei denen Programmierer aus Indien mit US-Managern und deutschen Computerfachleuten fachsimpeln, im Netz abbilden. Genauso wie das motivierende Kick-off-Meeting für die Vertriebsmannschaft. Dazu stellt Ubivent einen virtuellen Konferenzsaal bereit, in dem sich Figuren versammeln, die die Nutzer repräsentieren. Sie können sich dort Videos ansehen, Vorträge anhören und sich gegenseitig mit einer Chat-Funktion Fragen stellen.
Ersatz für weltweites Speichersystem
Die Infrastruktur für eine solche Plattform ist allerdings aufwendig. "Die Mitarbeiter der großen Konzerne, für die wir diese Veranstaltungen organisieren, sitzen überall auf der Welt", sagt Geisser. "Wir brauchen also auf allen Kontinenten schnelle Zugriffszeiten. Aber ein weltweites Speichersystem mit verteilten Rechnern, die rund um den Globus Daten zwischenspeichern, hätten wir mit unseren finanziellen Mitteln nicht stemmen können."
Viele der großen Technologieunternehmen haben bereits globale Rechnernetze aufgebaut, in denen sie Daten je nach Bedarf an unterschiedlichen Orten speichern und überall schnell abrufen können. Technikriesen wie Amazon, IBM, Google, Salesforce oder Microsoft öffnen inzwischen diese Systemlandschaften auch für andere Unternehmen. Ihre Computing Clouds stellen die Infrastruktur für etliche Startup-Unternehmen. Nicht nur Ubivent, sondern auch der Kurznachrichtendienst Twitter, das auf Expertenfragen spezialisierte Social Network Quora und der Musik-Hostingdienst Soundcloud setzen auf die Cloud.
Max-Michael Mayer, Mitgründer und Managing Director des Münchner Softwareanbieters Propertybase, geht ebenfalls davon aus, dass er ohne die Cloud seine Unternehmensidee nicht hätte verwirklichen können. Die Münchner stellen Software für Immobilienverwalter rund um die Welt bereit, die auf Cloud-Technik von Salesforce basiert. "Die Force.com-Plattform gab uns die Möglichkeit, mit geringen Kosten und sehr überschaubarem Aufwand eine Applikation zu bauen und zu sehen, ob sie im Markt aufgenommen wird", sagt Mayer. "Damit konnten wir unser zeitliches Investment und finanzielles Risiko sehr überschaubar halten." So gelang es Propertybase, eine erste Version der Software zu entwickeln und damit gleich Kunden gewinnen.
Firmen können flexibel reagieren
Mit der Cloud sind junge Unternehmen auch flexibler als sie es wären, wenn sie eigene Hardware und Leitungskapazitäten kauften. "Unsere Events etwa gehen mit sehr hohen Spitzenlasten einher", sagt Geisser. "Da haben wir hunderte oder tausende Mitarbeiter, die ein paar Stunden lang die Plattform nutzen. Wenn die Veranstaltung vorbei ist, besuchen nur ein paar Dutzend unsere Plattform, um sich zum Beispiel etwas in einem Archiv anzusehen."
Eine eigene IT-Infrastruktur würde bei Ubivent also meistens ungenutzt herumstehen. So aber kann das Unternehmen flexibel reagieren. Viel Aufwand bedeutet die permanente Neujustierung nicht. "Das System erkennt von selbst, wie viele Leute es nutzen. Wenn die Kapazitäten knapp werden, startet es von sich aus neue Instanzen, die die Last bewältigen", sagt Geisser. Die Kosten für zusätzliche Server oder Leitungskapazitäten bewegen sich dabei oft im einstelligen Euro- und mitunter sogar nur im Cent-Bereich.

Teil 2: Welche Faktoren noch für Cloud Computing sprechen

  • FTD.de, 15.09.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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