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Merken   Drucken   23.06.2011, 12:00 Schriftgröße: AAA

Compliance: Ein Auge auf die Führungsspitze

Große Konzerne legen sich immer öfter einen Ethikmanager zu, der Reputation und Unternehmenskultur verbessern soll. Seine Aufgabe außerdem: die Compliance-Regeln zu überarbeiten, damit Korruption und Betrug nicht (mehr) die Außenwirkung beeinträchtigen. von Alicia Clegg
Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Unternehmen, die beim Lügen, Betrügen oder Bestechen erwischt wurden und ihr Image reinwaschen wollen, erleben das immer wieder. Deshalb haben sie sich den Integritätsvorstand einfallen lassen. Mit diesem neuen Aufpasser wollen sie auf einfache Art und Weise der Öffentlichkeit beweisen, dass sie den nicht ganz sauberen Methoden der Vergangenheit abgeschworen haben.
Christine Hohmann-Dennhardt soll Daimlers Ruf wiederherstellen   Christine Hohmann-Dennhardt soll Daimlers Ruf wiederherstellen
Daimler engagierte im Februar die ehemalige Bundesverfassungsrichterin Christine Hohmann-Dennhardt als Vorstand für Integrität und Recht - knapp ein Jahr nach der kostspieligen Einigung mit der US-Wertpapieraufsicht SEC und dem US-Justizministerium. Daimler war vorgeworfen worden, ausländische Regierungsvertreter bestochen zu haben.
Auch andere große Namen, wie Siemens und Renault, sind mit Großreinemachen beschäftigt. Siemens hat sich immer noch nicht vollständig von dem Bestechungsskandal erholt, der 2006 ans Licht kam. Und Renault stellt nach der internen Spionage-Affäre einen Ethik-Manager ein.
Druck von den Aktionären: Ethisch sauber bleiben
"Die Finanzkrise hat gezeigt, dass es nicht funktioniert, auf die Rechtschaffenheit der Menschen zu vertrauen, deshalb setzen Aktionärsaktivisten die Unternehmen heute viel stärker unter Druck, sich an die Regeln zu halten und ethisch sauber zu agieren", sagt Arturo Bris, Finanzprofessor an der Schweizer Business School IMD.
In Großbritannien tritt am 1. Juli ein Bestechungsgesetz in Kraft. Die Sorge, dass der UK Bribery Act zu einer Welle von Strafprozessen führen könnte, begünstigt den allgemeinen Trend und stellt Personaler vor eine große Herausforderung: Simon Hankey vom Headhunter Korn/Ferry Whitehead Mann sagt: "Was wir erleben, ist eine Rolle im Umbruch: Einige Unternehmen führen die Rolle des Compliance- und Ethik-Vorstands neu ein, andere weiten sie aus."
BWL-Kenntnisse und Überzeugungskraft
In der Vergangenheit sprachen Compliance-Jobs vor allem fachlich qualifizierte Prüfer und Rechtsexperten an. Heute erfordert dieser Job Kandidaten, die auch eine gewisse betriebswirtschaftliche Glaubwürdigkeit und die nötigen Überzeugungsfähigkeiten mitbringen, um die Unternehmenskultur zu verändern.
Offen ist allerdings noch, ob die neue Position primär als Vollzugs- und Aufsichtsorgan dafür sorgen soll, dass sich die Beschäftigten an die Gesetze halten, oder ob sie darüber hinaus für moralisch einwandfreies Verhalten eintreten soll. Die unterschiedlichen Interpretationen der neuen Rolle spiegeln sich in der Vielfalt der Titel wider. Die Palette reicht von "Chief Compliance and Ethics Officer" über "Compliance and Integrity Officer" bis hin zu einem simplen "Compliance Officer".
Haydee Olinger ist bei McDonald's weltweiter Compliance and Ethics Officer. Ihre Position umfasst sowohl eine Aufsichtsfunktion als auch eine breiter definierte Verantwortung dafür, "ethisches Denken im gesamten Unternehmen zu verankern". Das bedeutet nicht, dass sie mitbestimmen kann, wie das Unternehmen für seine Happy Meals wirbt, die von Verbraucherschützern kritisiert wurden. Diese Aufgabe übernimmt jemand in der Unternehmenskommunikation.
Wichtig: Unabhängigkeit des Compliance Officers
Wie wirksam ein Compliance Officer sein kann, hängt maßgeblich davon ab, wie unabhängig das Amt in der Firmenhierarchie ist. Während des Korruptionsskandals bei Siemens waren die Compliance-Leute Teilzeitkräfte, die den örtlichen Geschäftleitern unterstellt waren.
"Offen gesagt: Compliance wurde einfach nicht besonders ernst genommen", sagt Peter Solmssen, der 2007 als Justiziar zu Siemens kam. Heute untersteht das gesamte Compliance-Personal dem Team in der Zentrale. Dies verdeutliche, dass sie in erster Linie "dem Unternehmen" verantwortlich sind, sagt Solmssen.
Doch was, wenn das Topmanagement gegen die Regeln verstößt? Auch hier kommt es auf die Berichtsstruktur an. Bei Microsoft ist der Compliance-Chef Odell Guyton dem Justiziar unterstellt, Olinger ist bei McDonald's genauso eingestuft. Unabhängig davon sind beide aber auch dem Prüfungsausschuss ihres Unternehmens unterstellt. Dadurch haben sie einen direkten Zugang zu den Aufsichtsräten, um potenzielle Verstöße zu melden. "Ich kann mich aus der Befehlskette ausklinken", sagt Guyton.

Teil 2: Wie effektiv eine Compliance-Abteilung sein kann.

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