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  Intelligente Stadt FTD-Serie: Lebensqualität für Millionen

Im Jahr 2050 werden rund 70 Prozent der Menschen in Städten leben. Dies stellt die Metropolen der Erde vor große Aufgaben: Sie müssen Energieversorgung, Verkehr, Sicherheit und Versorgung mit Nahrungsmitteln für zig Millionen Einwohner sicherstellen. Lesen Sie, wie Politiker, Wissenschaftler und IT-Unternehmen sich darauf vorbereiten - und welche Lösungen es schon gibt.

Merken   Drucken   19.04.2009, 10:00 Schriftgröße: AAA

Consulting: Mega-City als Milliardenmarkt

Verstopfte Straßen, alte Abwasserkanäle, marode Stromnetze: Weltweit droht Megastädten das Chaos. Berater verdienen gut an Lösungen fürs Labyrinth. von Stefanie Bilen
Die Ergebnisse sprechen für sich: 14 Prozent weniger Emissionen, 20 Prozent weniger Verkehrsaufkommen, 25 Prozent weniger Wartezeiten. Seit Stockholm vor drei Jahren ein dynamisches Mautsystem eingeführt hat, fühlen die Schweden sich wohler in ihrer Stadt. Rund 400 Mio. Euro wurden investiert, neben dem eigentlichen Mautsystem sind Dutzende neuer Busse, Expressbuslinien sowie Hunderte von Park-and-ride-Parkplätzen davon finanziert worden.
Mithilfe von Lasertechnologien, Kameras und IT-Systemen werden die Nummernschilder der Autos während der Fahrt erfasst und identifiziert. So können die Betreiber automatisch die Gebühren, die sich nach der Tageszeit richten, einziehen.
Intelligentes Verkehrsmanagement nennt Karin Duermeyer solche Konstrukte. Als IT-Architect bei IBM hat sie das Projekt in Schweden mit-verantwortet. Der IT-Konzern war federführend bei der Entwicklung, Integration und Einführung der Technik. Weil alle großen Städte unter zunehmendem Verkehr leiden, sind Duermeyer und ihre Kollegen von IBM Global Business Services stark gefragt.
Derzeit wird in Singapur - mit 6,8 Millionen Einwohnern ungleich größer als die schwedische Metropole mit rund 800.000 Bürgern - ein ähnliches Pilotprojekt getestet. Für die Erkennung der Fahrzeuge arbeitet man hier schon mit Mobiltelefondaten und Navigationssystemen. "Für alle Metropolen ist der Verkehr ein zunehmend drängendes Thema", sagt Duermeyer. "Insbesondere in Megacitys gibt es großen Innovationsbedarf."
Millionenstädte wachsen weiter
Abgrenzung Metropolen mit mehr als zehn Millionen Einwohnern bezeichnen die Vereinten Nationen (UN) als Megastädte.
Wachstum Paris, Chicago und Seoul haben knapp unter zehn Millionen Einwohner. 2030 soll es 30 Megacitys geben.
Neulinge Unter anderen: Kinshasa, Bangkok oder Teheran. Eine Hyperstadt hat laut UN mehr als 20 Millionen Einwohner.
Die größten Megastädte weltweit   Die größten Megastädte weltweit
Die drängenden Themen
20 Megacitys - Städte mit mehr als zehn Millionen Einwohnern - gibt es heute, bis 2030 soll die Zahl nach Berechnungen von Roland Berger Strategy Consultants auf 30 steigen. Viele der Super-Metropolen liegen in Asien, doch auch hierzulande müssen sich öffentliche Hand und Unternehmen der Urbanisierung stellen.
Alte Abwasserkanäle, marode Trinkwasserrohre, verstopfte Straßen, verbesserungswürdige Stromnetze. Angesichts der Komplexität dieser Themen sitzen zunehmend Berater mit am Tisch, wenn die Stadtoberen über die Verbesserung der Infrastruktur sprechen.
"Verkehr, Energieeffizienz und Klimaerwärmung sind für deutsche Großstädte die drängenden Themen", resümiert Kai Eltges, Partner bei Booz & Company. Die nötigen Investitionen in Verkehr, Energie, Wasser und Umwelt in Deutschland bis 2030 beziffert eine Booz-Studie auf 400 Mrd. Euro. Einen Großteil der Kosten nehme dabei der Aus- und Neubau von Verkehrswegen mit 150 Mrd. Euro ein.
Auch die Senkung des Energie- und Wasserverlusts in den Strom- und Leitungsnetzen sei eine große Herausforderung - übrigens für ganz Europa. In London versickert etwa ein Drittel des Trinkwassers durch Lecks in den teils 150 Jahre alten Leitungen, in Deutschland liegt der Durchschnitt bei bis zu 40 Prozent.

Teil 2: Gründe der schleppenden Erneuerung

  • FTD.de, 19.04.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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