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Merken   Drucken   25.06.2008, 21:23 Schriftgröße: AAA

Dax-Vorstände: Man spricht nicht nur Deutsch

Ab dem 1. Juli ist der Postbank-Vorstand wieder komplett in deutscher Hand. Der Deutsche Horst Küpker ersetzt den Griechen Loukas Rizos. Die ehemalige Tochter der Deutschen Post ist damit kein Einzelfall. von Martin Scheele (Hamburg)
Ob Münchner Rück , RWE  oder Infineon : In gleich neun der Dax-30-Konzerne findet sich kein einziger Ausländer im obersten Führungsgremium. Dabei ist der Trend eindeutig: Der Anteil ausländischer Führungskräfte in deutschen Konzernen steigt, wie eine Auswertung der Unternehmensberatung Simon Kucher & Partners zeigt. Sprunghaft angestiegen ist er in den Jahren 2000 bis 2005. Seit drei Jahren liegt der Anteil der Dax-Vorstände, die keinen deutschen Pass haben, praktisch konstant bei 25 Prozent.
Die Erklärung von Christoph Lesch, Consultant bei der Beratungsfirma, ist simpel und einleuchtend: "Die Globalisierung macht auch nicht vor Deutschland halt." Die Kunden der Großkonzerne wünschten sich ein internationaleres Board, sagt Lesch. Hinzu kommt: Der Anteil der ausländischen Investoren in deutschen Aktiengesellschaften steigt. Und die neuen Miteigner forcieren den Trend.
Kasper Rorsted: Der Däne ist seit April dieses Jahres ...   Kasper Rorsted: Der Däne ist seit April dieses Jahres Vorstandschef von Henkel
Seit gut einem Jahrzehnt hat sich Personalberatern zufolge auch bei den meisten Aufsichtsräten die Erkenntnis durchgesetzt, dass ihre Gremien internationaler besetzt werden müssen. "Die deutschen Unternehmen brauchen für die Herausforderungen, die vor ihnen liegen, Ausländer, um globale Fragen aus verschiedenen Blickwinkeln und mit verschiedenen Erfahrungshintergründen besser beurteilen zu können", sagt Bernd J. Wieczorek, Deutschlandchef des Personalberaters Egon Zehnder.
Den ersten Platz unter den multinationalsten deutschen Konzernen nimmt derzeit Fresenius Medical Care (FMC) ein. Im Vorstand haben sechs von sieben Manager einen ausländischen Pass. Damit toppt FMC auch die meisten Unternehmen aus Europa. Weit abgeschlagen sind dagegen andere Vorzeigekonzerne wie BMW , Continental , Daimler . Unter den Autoherstellern beweist allein Volkswagen  mit zwei ausländischen Vorständen Internationalität, allerdings kommt mit Finanzchef Hans Dieter Pötsch einer aus Österreich. Und Daimler  -Boss Dieter Zetsche  ist zwar in der Türkei geboren, aber ist zweifelsohne ein Deutscher durch und durch.
ThyssenKrupp setzt auf deutsche Manager
Selbst international breit aufgestellte Konzerne wie ThyssenKrupp  glauben, ohne Ausländer im Spitzengremium auskommen zu können. "Ein Ausländer würde das Gremium sehr bereichern", sagt ein Managementberater. ThyssenKrupp geht derzeit einen anderen Weg. Der Konzern hat mit Edwin Eichler und Olaf Berlien zwei Vorstände für mehrere Monate in den Nahen Osten geschickt, damit die Manager dort Geschäfte aufbauen.
Fehlanzeige auch bei den zwei größten deutschen Energiekonzernen Eon  und RWE . Dort spricht man ebenfalls Deutsch im Topgremium. Eon-Aufsichtsratschef Ulrich Hartmann  hat allerdings vor einigen Monaten die Notwendigkeit erkannt, das Kontrollgremium internationaler zu gestalten. Gerade sind zwei Ausländer zu Aufsehern ernannt worden, darunter findet sich mit Karen de Segundo in der männerdominierten Aufsichtsratswelt sogar eine Frau. Die ehemalige Chefin der Erneuerbare-Energien-Sparte von Shell  hat auch gleich für Furore gesorgt. Sie hat den Posten nur unter der Bedingung angenommen, vorher alle Vorstandsmitglieder kennenlernen zu können.
Im internationalen Vergleich rangiert Deutschland beim Anteil ausländischer Manager auf einer Mittelfeldposition. In der Schweiz beispielsweise liegt der Anteil ausländischer Führungskräfte in den 100 größten Unternehmen des Landes bei derzeit 42 Prozent, wie eine Studie der Beratung Guido Schilling & Partner ergab. Und deutlich mehr als ein Drittel der Vorstandschefs kommen dort aus dem Ausland.
Ein Blick über den Atlantik hingegen zeigt, dass das Land der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten Ausländern wenig Chancen bietet, in die oberste Führungsetage einzuziehen. "In den Boards der US-Unternehmen dominieren ganz eindeutig die Amerikaner, Europäer und Asiaten bilden eine schwindende Minderheit", sagt Headhunter Wieczorek.
  • Aus der FTD vom 26.06.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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