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Merken   Drucken   11.10.2007, 20:37 Schriftgröße: AAA

Der lärmende Mister O´Leary

Morgens Mailand, mittags Basel und dann am Nachmittag Hamburg. Ryanair-Chef Michael O'Leary jettet von Pressekonferenz zu Pressekonferenz. Er winkt, er wirbt, er wettert. Dann hebt er schnell wieder ab. von Ulrike Linzer (Hamburg)
Über eine Stunde ließ Ryanair-Chef Michael O'Leary die Journalisten warten, zusammengepfercht in einem 20 Quadratmeter kleinen Konferenzraum. Dann rauschte er mit einem mannsgroßen Flugzeug im Arm in den Raum - das er öfter mal zu Presseterminen mitbringt, für witzige Fotos. Seine Entschuldigung fiel knapp aus, es habe an der Lufthansa gelegen.
Mit Vorwürfen gegen Lufthansa  machte O'Leary gleich weiter: Gegen die hat Ryanair  erneut eine Beschwerde bei der EU eingereicht. Der Vorwurf: Preisabsprachen zwischen dem Lufthansa-Konzern und Air France-KLM . Innerhalb von sechs Stunden hätten allein am 30. September zwei Fluggesellschaften ihre Kerosinzuschläge erhöht. Lufthansa mit der Tochter Swiss, Air France-KLM, die zusammen 30 Prozent des europäischen Kurzstreckenmarktes bedienen, sagte O'Leary.
Ein Sprecher der Lufthansa wies die Vorwürfe als "haltlos" zurück. "Es gab und gibt keine Absprachen." Mit der zum Konzern gehörenden Schweizer Fluglinie Swiss dürfe sich die Lufthansa absprechen. Ebenso wie sich Air France mit ihrer Tochter KLM abstimmen kann. Aber er freut sich darüber, "dass auch Herr O'Leary zu unseren Kunden zählt und unser Streckenetz nutzt."
Michael O'Leary will von Klimaschutz nichts hören   Michael O'Leary will von Klimaschutz nichts hören
Der Markt für Flüge innerhalb Europas ist hart umkämpft. Mit zahlreichen neuen Preismodellen machen inzwischen etablierte Fluggesellschaften - wie etwa Lufthansa - den Billigfliegern Konkurrenz. Ryanair ist die größte europäische Billigflug-Gesellschaft und erwartet allein in Deutschland nach eigenen Angaben in diesem Jahr rund 50 Mio. Fluggäste. Flüge gehen von und zu acht deutschen Flughäfen. O'Leary sagte in Hamburg, dass er das Streckenetz weiter ausdehnen möchte. In fünf Jahren sieht er Ryanair als eines von vier Flugunternehmen, die den europäischen Markt bedienen: neben Lufthansa, British Airways und Airfrance-KLM.
Nach der Schelte der etablierten Fluggesellschaften machte sich O'Leary über die konkurrierenden Billigflieger lustig: Air Berlin  habe eine komisches Geschäftsmodell, weil es Unternehmen zukaufe, die Verluste machen. Easyjet  würde spinnen, weil das Unternehmen einen freiwilligen CO2-Zuschlag eingeführt habe. Womit er dann beim Thema Umweltschutz angelangt war und richtig zu fluchen anfing. Alles Nonsens, Fliegen habe keine Auswirkung auf die Erderwärmung. Man solle keinen Zuschlag zahlen oder einen Baum in Brasiliens Regenwald pflanzen. Indien und China seien schuld.
09:32:56 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
Lufthansa 8,479 EUR   +0,09%  0.008
Air Berlin 1,806 EUR   -0,06%  -0.001
    % 
EASYJET PLC LS-,27285714 490 GBp   +0,02%  0.1
Air France-KLM 3,435 EUR   +1,00%  0.034
  • FTD.de, 11.10.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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