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Merken   Drucken   10.03.2008, 11:44 Schriftgröße: AAA

Der Meister der ultralockeren Geldpolitik geht

Mit dem Rückzug von Japans Notenbankchef Toshihiko Fukui endet eine Ära - für Japan und die Geldpolitik. Fukuis Kurs gilt Experten in der aktuellen Finanzkrise als Vorbild für andere Notenbanken. von Mark Schrörs (Frankfurt) und Martin Kölling (Tokio)
Edward George ist zurzeit richtig froh. Das verriet der langjährige Chef der britischen Notenbank vergangene Woche freimütig. Er ist froh darüber, dass er nicht mehr der Bank of England vorsteht. Grund sei die Finanzkrise, die im vergangenen August ausgebrochen war. "Seit letztem Sommer war es eine grauenvolle Zeit für alle, die mit der Finanzindustrie zu tun haben", so George.
Ob sein japanischer Kollege Toshihiko Fukui dies ähnlich sieht, ist nicht überliefert. Fest steht aber, dass auch er die Vorgänge in Kürze etwas entspannter, weil nicht mehr von vorderster Front, betrachten kann. Am 19. März endet seine Zeit als Präsident der Bank of Japan (BoJ). Die Sitzung am vergangenen Donnerstag und Freitag, bei der die BoJ den Leitzins erneut bei 0,5 Prozent ließ, war seine letzte.
Mit Fukui verlässt ein Notenbanker die Bühne, der in seiner Zeit nicht nur historische Jahre für die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft, sondern die Geldpolitik weltweit entscheidend mitgeprägt hat.
Toshihiko Fukui, Chef der Bank of Japan, verbeugt sich auf einer ...   Toshihiko Fukui, Chef der Bank of Japan, verbeugt sich auf einer Pressekonferenz
Ultralockere Geldpolitik
Untrennbar verbunden ist der Name des 72-Jährigen mit der sogenannten ultralockeren Geldpolitik der BoJ. Zwar war diese bereits in Kraft, als er 2003 das Amt von Masaru Hayami übernahm - er weitete sie aber deutlich aus. "Letztlich hat er dafür gesorgt, dass sie richtig wirksam wurde", sagt Martin Schulz, Geldpolitik-Experte am Fujitsu Research Institut in Tokio.
Im Zuge der ultralockeren Geldpolitik kaufte die BoJ seit der Jahrtausendwende direkt Wertpapiere auf, die sie als Überschussreserven hielt, und pumpte so Liquidität in den Bankensektor und die Wirtschaft. Hintergrund war, dass der Leitzins bereits bei null Prozent lag, das Land aber noch nicht aus der schwersten Wirtschaftskrise seit den 30er-Jahren und der Deflation herausgefunden hatte.
Fukui sorgte dafür, dass das Volumen der gekauften Wertpapiere auf bis zu 35.000 Mrd. Yen (250 Mrd. Euro) ausgeweitet wurde. So vermied Japan einen Zusammenbruch des unter faulen Krediten leidenden Bankensystems und startete die längste Wachstumsperiode seit Ende des Zweiten Weltkriegs - auch getragen durch den weltweiten Aufschwung.
Genauso entschieden beendete Fukui dann im Frühjahr 2006 die Nullzinspolitik, als die BoJ die Deflation überwunden glaubte. Nur kurze Zeit später erhöhten die Währungshüter sogar den Leitzins zweimal, auf nun 0,5 Prozent. Weitere Schritte verhinderten mal die Yen-Stärke, mal politische Turbulenzen, und zuletzt die Finanzkrise.
Japan am Rande einer Rezession
"Fukui wäre sicher gerne mit der Zinsnormalisierung weiter gekommen. Richtig frustriert aber dürfte er sein, dass Japans Wirtschaft nicht weiter ist", sagt Schulz. Nicht nur, dass Beobachter Japan am Rande einer Rezession sehen. Vor allem dürfte Fukui stören, dass der Reformkurs ins Stocken geraten ist.
Fukui, der ob seiner Jahrzehnte in der Notenbank auch "Prinz der BoJ" genannt wurde, gilt als Befürworter des harten Kurses der BoJ in den 90er-Jahren. Damals lockerte sie trotz wirtschaftlicher Probleme die Geldpolitik nicht, weil sie strukturelle Umbrüche für nötig hielt.
International wurde Japans Experiment mit der ultralockeren Geldpolitik lange kritisch beäugt. Als Japans Wirtschaft aber auf Erholungskurs einschwenkte, wuchs die Zustimmung. "Die Politik der BoJ war sicher nichts, was man sich als Zentralbanker wünschen würde. Sie war aber in der Krise richtig und notwendig", sagt Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank.
Fujitsu-Experte Schulz glaubt gar, dass dieser Kurs den Notenbanken in der aktuelle Finanzkrise ein Vorbild war: "Als jetzt die Europäische Zentralbank dem Geldmarkt so massiv Liquidität bereitgestellt hat, dürfte der Blick nach Japan eine Rolle gespielt haben."
  • Aus der FTD vom 10.03.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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