Der frühere UBS-Manager Gerold Lehmann wollte aus der kleinen Weserbank eine feine Investmentboutique basteln. Nun ist das Geldhaus pleite. von Ute Göggelmann
Was für ein Name für einen Investmentbanker: Lehmann! Da fühlt man sich gleich an die Brüder Henry, Mayer und Emanuel Lehman erinnert, die Mitte des 19. Jahrhunderts von Bayern nach Amerika auszogen, um dort ein Geldhaus zu gründen, das heute Weltruf genießt: Lehman Brothers. Ob sich Gerold Lehmann seiner berühmten Namensvettern entsann, als er mit seinem Partner Jürgen Karcher 2006 die Bremerhavener Weserbank übernahm?
Lehmann, früherer Deutschlandchef der UBS, und Karcher, Ex-Vorstandsvorsitzender der Depfa Bank, hatten jedenfalls große Pläne mit dem kleinen Geldhaus. Zu einer feinen Investmentboutique wollten sie das frühere Genossenschaftsinstitut ausbauen. Sogar eine Filiale in Frankfurt wurde eröffnet. Nun, keine zwei Jahre später, ist die Weserbank pleite.
Die Privatbank, die ihre Ursprünge im Viehmarktgeschäft hat, gehört mit einer Bilanzsumme von 120 Mio. Euro zu den kleinsten deutschen Geldhäusern. 25 Mio. Euro Schulden hatte das Institut zuletzt gegenüber seinen Kunden angehäuft - zu viel angesichts der dünnen Kapitaldecke, entschied die Finanzaufsicht BaFin und machte die Weserbank am Mittwoch dicht. Für die knapp 3000 Sparer des Instituts müssen jetzt die Sicherungsfonds geradestehen. Abgesichert seien Einlagen bis zu 1,832 Mio. Euro je Kunde, sagte ein Sprecher der BaFin - "unserer Erkenntnis nach gibt es niemanden, der eine darüber liegende Summe angelegt hat".
Pleiten kleiner Institute sind in Deutschland gar nicht so selten. 2006 zum Beispiel erwischte es die Privatbank Reithinger, ein Jahr zuvor hatte bereits das Frankfurter Geldhaus Hornblower Fischer die Geschäfte eingestellt. Mit größeren Banken kennt die BaFin hingegen mehr Nachsicht - wie die Rettungen von Sachsen LB und IKB im vergangenen Jahr zeigten. Die Aufseher fürchten, dass der Kollaps eines solchen Instituts den kompletten Finanzmarkt in Bedrängnis bringen könnte.
Über die Ursachen der Weserbank-Pleite wurde am Mittwoch gestritten. Während die Inhaber die internationale Finanzkrise bemühten, sprach die BaFin von Managementfehlern. Das Institut sei nach der Umstellung des Geschäftsmodells nicht mehr in der Lage gewesen, ausreichende Erträge zu erwirtschaften, um die laufenden Kosten zu decken.
Offensichtlich hatten sich Lehmann und Karcher übernommen mit ihren Versuch, die Weserbank auf die Finanzierung von Unternehmen, die Begleitung von Börsengängen und den Handel mit festverzinslichen Papieren zu spezialisieren - auf klassische Geschäfte renommierter Investmentbanken also. Vor allem der Wertpapierhandel habe dem Institut das Genick gebrochen, hieß es in Finanzkreisen. Da war weiland das Viehmarktgeschäft deutlich stabiler.
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