Diejenigen Marken, die eine Verkaufspräsenz online eingerichtet haben, kämpfen oft noch mit grundlegendsten Dingen, etwa damit, den Online-Kunden ihr Angebot leicht zugänglich zu machen. Vieles ist von Dilettantismus geprägt. So wird auf der US-Markenwebsite von Louis Vuitton die neue Edition der Bowling-GM-Tasche in elfenbeinfarben feilgeboten. Doch der Interessierte wird umgeleitet auf Eluxury.com, die vom Mutterkonzern LVMH betriebene Online-Boutique. Erst nach einer weiteren Suche stellt man fest, dass die Site die Tasche in elfenbeinfarben offenbar nicht auf Lager hat.
Die Kunden sind deutlich weiter
Auf Gucci.com können theoretisch die - bis zu 5000 $ teuren - Taschen erworben werden, die im Katalog aufgeführt sind. Doch von den sechs dargestellten Taschen sind nur zwei erhältlich. Oft wird dem Interessenten geraten, seine Auswahl zu ändern.
Die Kunden sind deutlich weiter. Eine 2005 veröffentlichte Umfrage der Marktforscher Doug Harrison und Jim Taylor unter den 500 reichsten Familien der USA ergab, dass die Befragten durchschnittlich 13,7 Stunden pro Woche online verbringen. Luxury Institute fand in einer im März veröffentlichten Umfrage unter 1000 reichen Kunden heraus, dass 98 Prozent im Internet einkaufen und 88 Prozent Produktforschung lesen und Sites besuchen.
"Ein Thema, das unsere Nachforschungen ans Licht gebracht haben, ist, dass Kunden von Luxusmarken im Web 1.0 firm sind, und die Luxusmarken haben da aufzuholen", sagt Pedraza. Die Kunden "werden zwar nicht auf Youtube oder Myspace gehen, aber sie werden sich rasch die stark interaktiven Funktionen des Web 2.0 zu eigen machen", fügt er hinzu.
Luxusmarken haben in der Vergangenheit argumentiert, dass der Aufbau von Online-Communitys nichts für sie sei. "Es kursiert die Theorie in der Luxusgüterwelt, dass das kreative Genie der Motor des Unternehmens ist und die Kunden das schon mögen werden. Basta", sagt Pedraza.
Doch immer mehr Internetnutzer besuchen die führenden Websites, und diese Nutzer wollen auf dem Laufenden gehalten werden, was die Mode so bietet. Und dank der Reaktionen der Stammkunden können die Marken auf Stand gebracht werden. So kann die Art Dialog entstehen, von dem Konsumgüterfirmen profitiert haben, der von einem Großteil des Luxusgütersektors traditionell aber mit Verachtung gestraft wird.