Das tschechische Kernkraftwerk Temelin
Der auch nach Deutschland strebende Stromanbieter bildet seine Mitarbeiter mitnichten für den Antiterrorkampf am Hindukusch aus. Die Männer gehören zur Abteilung "Nichttechnische Verluste" (NTZ) und sollen säumigen Kunden und Stromdieben in Tschechien nachstellen. Das Video legt den Verdacht nahe, dass die Abteilung dabei nicht nur unorthodoxe Mittel wählt, sondern im Kundenumgang gelegentlich den Bereich des Erlaubten verlässt. Besonders brisant: Während einer Razzia kurz nach Gründung der NTZ im Jahr 2005 nahm sich ein Mann das Leben. CEZ-Mitarbeiter hatten Schulden eintreiben wollen - und fanden ihn im Keller seines Hauses in einer Blutlache, berichtet Radio Prag.
Die rauen Ausbildungsmethoden haben sich für CEZ bereits zu einem mittelgroßen Störfall ausgewachsen. Mit der Folge, dass der Unternehmenschef Martin Roman vor die Medien treten musste, um das Vorgehen von CEZ zu verteidigen: "Strom wird hierzulande im großen Stil geklaut", zitiert Radio Prag seine Rechtfertigungsrede. Die Stromdiebe seien in bewaffneten Gangs organisiert und äußerst gewaltbereit. Im Interesse aller ehrlichen Kunden werde das Unternehmen die Jagd auf Stromdiebe fortsetzen, so Roman.
Auch auf ministerialer Ebene ist der Skandal mittlerweile angekommen. Doch gab es hier Unterstützung für den Energieversorger: "Wir sind nicht in der Ukraine, wo sich einfach jeder an das Stromnetz anschließt, ohne dafür zu zahlen. Das können wir nicht zulassen", sagte Innenminister Martin Pecina. Allerdings räumte er ein, dass das Vorgehen der NTZ von der Polizei untersucht würde.
CEZ bemüht sich inzwischen, seine sanfte Seite hervorzukehren: Das Videomaterial sei alt, das Nahkampftraining mittlerweile abgeschafft, die Mitarbeiter hätten ihre schwarzen Uniformen wieder abgelegt, sagte Roman. Wenn das stimmt, gehen sie jetzt wieder in der grauen CEZ-Kluft auf Kundenfang.