Eckhard Spoerr wird Chef des fusionierten Unternehmens Mobilcom-Freenet
Wer Eckhard Spoerr sieht, unterschätzt ihn leicht. Der 37-Jährige wirkt wie ein zu groß geratener Junge: rundes, weiches Gesicht, sanfte Augen. Er versucht, das mit einer markanten eckigen Brille und stets gegeltem Haar zu kontrastieren. "Bodenständig" sei er, sagen seine Mitarbeiter. Ab September ist Spoerr Chef des fusionierten Unternehmens Mobilcom-Freenet mit rund 2,5 Mrd. Euro Marktwert.
Mobilcom -Chef Thorsten Grenz hat er in einem monatelangen Machtkampf aus dem Rennen geworfen, obwohl Spoerr das am Umsatz gemessen kleinere Unternehmen führte. "Mit einem leichten Lächeln um die Lippen setzt er seine Meinung durch. Da kapiert man erst gar nicht, dass er gegen einen argumentiert", beschreibt ihn ein Vertrauter.
Alles richtig gemacht
Spoerrs großes Plus: Er hat seit dem Börsengang von
Freenet im Jahr 1999 fast alles richtig gemacht. Er nutzte die damalige Interneteuphorie, um rund 100 Mio. Euro in die Kasse des Unternehmens zu spülen. Mit einer geschickten Marketingkampagne ("Normal ist das nicht") überholte er den US-Konkurrenten
AOL in Deutschland und setzte sich hinter
T-Online auf Platz zwei der nationalen Internetzugangsanbieter. Während die Konkurrenten Millionen im Ausland verplemperten, war Spoerr nach außen bescheidener: "Ich möchte die Nummer zwei in Deutschland bleiben", nannte er als Ziel. Und damit das nicht zu unehrgeizig klang, streute er immer wieder gerne das Gerücht, die Deutschlandtochter von AOL kaufen zu wollen.
Gelassenheit ist sein größtes Plus. So geriet er nicht in Panik, als Freenet drohte in den Strudel der Beinahepleite von Mobilcom im Jahr 2003 zu geraten. Stattdessen setzte er in aller Ruhe einen Plan um, den er schon jahrelang im Hinterkopf hatte: den Kauf des Mobilcom-Festnetzes. Anschließend legte die Aktie gut 1000 Prozent zu.
Geschmeidiger als Grenz
Auch bei den schnellen DSL-Internetzugängen bewies Spoerr Nervenstärke. 2002 verkündete er öffentlich, Freenet sei ein Schmalbandanbieter, die Zukunft des Unternehmens liege bei Internetzugängen per Modem. Im Hintergrund bereitete er zeitgleich einen Coup vor, der sich im Nachhinein als seine einzige Niederlage erwies. Gemeinsam mit einem kleinen süddeutschen Anbieter versuchte er, DSL-Zugänge unabhängig von der Deutschen Telekom anzubieten. Als dem Partner finanziell die Luft ausging, verlor Spoerr fast ein Jahr Zeit.
Dass er den Machtkampf mit Grenz gewonnen hat, liegt laut "Spiegel" auch am Mobilcom-Großaktionär Texas Pacific Group. Grenz habe sich gegen eine von dem US-Investor geforderte Ausschüttung in dreistelliger Millionenhöhe gewehrt, Spoerr sich dagegen "geschmeidiger" gezeigt. Möglicherweise erliegt ja auch Texas Pacific gerade dem Missverständnis, sie hätten es bei Spoerr nur mit einem großen Jungen zu tun.