Israels Verteidigungsminister Ehud Barak
Bereitschaft, den Friedensprozess zu opfernDenn für seinen politischen Ehrgeiz ist Barak bereit, nicht nur die Koalition zu opfern, sondern den gesamten Friedensprozess. Im Wahlkampf, soviel ist klar, werden die ohnehin zähen Verhandlungen mit den Palästinensern zum Stillstand kommen. Wie es danach weitergehen würde, bleibt ungewiss. Umfragen zufolge würde bei vorgezogenen Neuwahlen Oppositionsführer Benjamin Netanjahu und sein Likud-Block die nächste Regierung stellen. Und Netanjahu hält wenig von den derzeitigen Gesprächen und noch weniger von Kompromissen.
Die amerikanische Regierung dürfte über derartige politische Turbulenzen wenig amüsiert sein. Präsident George W. Bush hat Israelis und Palästinensern das Ziel vorgegeben, bis zum Ende seiner Amtszeit in neun Monaten ein unterschriftsreifes Abkommen auszuhandeln. Bei seinem Besuch im Januar hatte der US-Präsident sich ursprünglich nicht einmal mit Netanjahu treffen wollen, um deutlich zu machen, dass er auf die amtierende Regierung setzt. Stattdessen verabredete er sich mit Wackelkandidaten in der Koalition, um sie zum Bleiben zu bewegen.
Die Arbeitspartei gehörte vor drei Monaten noch nicht dazu. Barak hatte zwar im Vorfeld seiner Wahl zum neuen Parteichef versprochen, die Koalition platzen lassen, wenn Olmert nach dem Untersuchungsbericht zum Libanonkrieg nicht zurücktritt. Aber einmal auf dem Ministerposten, war die Lust an der Macht größer.
Nun wird Barak ungeduldig. Er will zurück auf den Chefsessel, von dem er 2000 so gnadenlos vertrieben wurde. Bisher aber unterstützt ihn keiner seiner Vertrauten in der Parteiführung. Alle fürchten den Untergang, oder, wie die Tageszeitung "Ma'ariw" es formuliert: "Barak liquidiert systematisch die Arbeitspartei."