Hauptsache das Wetter stimmt
Kai Pirinha" soll sie heißen, die Strandbar. "Pirinha" wie Caipirinha, der Cocktail aus Brasilien; und Kai wie Kai Gildhorn, der Umweltingenieur aus Rostock. Mehr als einen Namen hat die Bar nicht; Kai muss aber noch mit seinen beiden Partnerinnen Claudia Baudach und Isabel Witt einen Businessplan erstellen und in Rostock ein Unternehmen gründen - auf dem Papier. Sie haben 24 Stunden.
Die drei konzipieren die Strandbar für das Planspiel "Rostock 2020", eines der ersten dieser Art in der strukturschwachen Region. Organisiert wurde der Wettbewerb am vergangenen Wochenende von der Stiftung der Deutschen Wirtschaft und der Heinz Nixdorf Stiftung. 30 Studenten, Azubis und Berufsanfänger planten einen Männer-Beauty-Salon, eine Krimi-Schnitzeljagd oder einen Ferienpark.
Am Freitagabend bespricht das Strandbar-Team die Lage. "Wie viele mögliche Kunden haben wir? Was macht uns überhaupt einzigartig?" Die Bar soll auf dem Gelände der alten Neptunwerft nahe der Rostocker Innenstadt entstehen, einer Brachfläche. Dann soll noch ein Volleyballnetz her, eine Pingpongplatte, Clowns und Feuerspucker. Noch sind die drei begeistert.
Am nächsten Morgen treffen sich die zehn Teams in der Rostocker Uni. Filzstifte quietschen über Papier, auf Karteikarten steht "Innovation" und "Finanzierung". Eine Dreiergruppe entwickelt eine Paintball-Halle, wo Schießbegeisterte mit Farbbällen aufeinander feuern. Die Halle soll wie die Strandbar auf einer Brache stehen, davon gibt es in Rostock genug; billige Arbeiter auch. Die Statistik haben die Jungunternehmer dabei: 22 Prozent Arbeitslosigkeit, doppelt so viel wie im Bundesschnitt; die Jungen ziehen weg, die Stadt verliert Einwohner, nur die Alten bleiben. Miese Bedingungen für Existenzgründer.
Tipps vom Berater
Kai, Claudia und Isabel - das Strandbar-Team - sind mittlerweile nicht mehr begeistert. Ihr Berater Alfred Sickinger, ein örtlicher Unternehmer, sagt ziemlich deutlich, dass er von der Strandbar bis jetzt gar nichts hält. Beratungsstunden von Unternehmern gehören zum Planspiel dazu. Sickinger empfiehlt, alte Menschen ins Konzept einzubeziehen, etwa durch Bootstouren auf der Warnow. "Denken Sie an Venedig, die singenden Gondoliere." Oder Spanien: Da fahren Touristen in Mini-U-Booten durchs Meer. "Und dann geben Sie denen unter Wasser noch Kaffee und Kuchen." Die drei Jungunternehmer gucken irritiert. Eigentlich wollten sie eine Strandbar aufmachen, jetzt geht es plötzlich um Senioren. Zudem müssen sie rechnen und an Rendite denken. Sonne, Sand und Südsee scheinen noch weiter weg als im Rostocker Januar ohnehin.
Kurz vor Ablauf der 24-Stunden-Frist steht die Bar dann doch. "Wir brauchen zwei Köche, zwei Kellner und eine Putzfrau", sagt Isabel. Studenten sollen im Sommer helfen. Der errechnete Kapitalbedarf beträgt 1 Mio. Euro. Kai ist erschöpft, aber froh. "Kannst gleich 'nen Termin bei der Bank machen", trägt er Isabel auf.