Einer wie Pfander muss sich nichts mehr beweisen - und dennoch zieht es den 64-Jährigen nun ins Tagesgeschäft der Hamburger Kaffeekette Tchibo, auch dies ein Unternehmen in Familienhand. Am Mittwoch hat der Aufsichtsrat beschlossen, sein Mitglied Pfander für einige Monate in den Vorstand zu beordern. Dort soll er, gemeinsam mit Vorstandschef Markus Conrad, Tchibo wieder auf Kurs bringen. "Es reicht nicht, immer nur zu sagen, was richtig wäre. Wenn es darauf ankommt, muss ich dafür auch einstehen", begründet Pfander seinen Ausflug ins Tagesgeschäft.
Der Ex-Wrigley-Chef bei Tchibo - das ist ein wenig wie die Figur des "großen Bellheims" in der ZDF-Serie aus dem Jahr 1993: Gerät ein Unternehmen in die Krise, müssen die Altgedienten noch einmal ran. Wo die Ideen junger Manager nicht greifen, bietet sich eine Bühne für erfahrene Senioren.
Bei Tchibo kommt Pfander wohl gerade noch rechtzeitig. Deutschlands größter Kaffeekonzern schreibt zwar nach wie vor Gewinne. Doch es kochen immer mehr Probleme hoch. Erst im Dezember kündigte Tchibo-Eigner Michael Herz ein Programm zur Restrukturierung an, inklusive Sozialplan und Filialschließungen. Am Mittwoch mussten die Vorstände Thomas Vollmoeller und Christian Köhler gehen. Zudem verspricht die Bilanz 2007, die Ende April veröffentlicht wird, schlechte Nachrichten: Der Umsatz 2007 ist nach FTD-Informationen noch kräftiger gesunken als im Vorjahr. 2006 ging er um zwei Prozent auf 3,9 Mrd. Euro zurück. Die laufende Restrukturierung drückt zudem den Gewinn, der bereits 2006 mit 143 Mio. Euro weit hinter den Erwartungen lag.
Für Pfander gibt es genug zu tun bei Tchibo. "Wir müssen innovative Konzepte entwickeln und damit den alten Abstand zu den Wettbewerbern wiederherstellen", sagt der Manager. Früher war Tchibo der Konkurrenz voraus mit seiner Idee, wöchentlich neue Warenwelten zu präsentieren. Hinzu kam der Ansatz, in einem Shop Nahrungsmittel und Gebrauchtartikel zu verkaufen, Food und Non-Food. Doch mittlerweile ist das Konzept oft kopiert. Der einstige Vorreiter wirkt zuweilen wie ein Nachzügler von Aldi oder Lidl.
Zurück an die Spitze geht es nach Ansicht von Pfander nur, wenn die Kommunikation mit den Mitarbeitern stimmt. Der Manager schreibt wenig E-Mails, heißt es. Lieber gehe er mit seinem Team in die Shops und sondiere dort die Probleme. Alle 200 Tchibo-Führungskräfte sollen seine Handynummer erhalten. "Ich bin ansprechbar", sagt er.
Anzunehmen, dass Pfander dies andersherum genauso erwartet. Schließlich hat John Mars den Manager geprägt.