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  10.01.2008, 22:15  

Einer geht noch

Der US-Wahlkampf lässt an Spannung nichts zu wünschen übrig. Wenn jetzt noch der parteilose New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg mitmischt, wird es für beide Parteien richtig heiß. von Sabine Muscat (Washington) und Michael Gassmann (New York)
Er könnte den US-Wahlkampf kräftig durcheinanderwirbeln. Noch dementiert der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg Spekulationen über eine Last-Minute-Bewerbung als parteiloser Kandidat. Doch haben seine Mitarbeiter seit Monaten Wähleranalysen in allen 50 Bundesstaaten erhoben, wie am Donnerstag bekannt wurde. "Sie wollen zu einer nüchternen Einschätzung seiner Chancen gelangen", zitierte die Nachrichtenagentur AP Doug Schoen, die die Sammlung von Wählerdaten für Bloombergs Kampagnen für das Bürgermeisteramt in New York geleitet hatte.
Bloombergs Kandidatur könnte die alte Regel infrage stellen, nach der unabhängige Kandidaten im Zwei-Parteien-System der USA keine Chance haben. Frühere parteilose Bewerber waren an mangelnden Finanzen gescheitert. Doch Geld ist für den New Yorker kein Problem, dessen Vermögen das "Fortune"-Magazin auf 11,5 Mrd. $ schätzt. Bloombergs nationale Bekanntheit erspart außerdem den Aufwand, ihn den Wählern vorzustellen.
Michael Bloomberg hatte bisher gesagt, er sei kein Kandidat   Michael Bloomberg hatte bisher gesagt, er sei kein Kandidat
Dazu kommt, dass ein unabhängiger Kandidat mehr als je zuvor die Stimmung der amerikanischen Bevölkerung treffen könnte, die die Grabenkämpfe in Washington satthat. "Wenn wir zulassen, dass die polarisierende Politik weitergeht, werden wir eine gespaltene Nation bleiben, und wer immer in diesem Herbst gewählt wird, wird kein Mandat zum Regieren haben", erklärten die Veranstalter eines Zwei-Parteien-Treffens an der Universität von Oklahoma im Januar, bei dem Bloomberg prominenter Teilnehmer war. Er selbst gibt zuweilen gern den Staatsmann. "Lasst uns tun, was richtig für das Land ist", sagte er unlängst bei einem öffentlichen Auftritt.
Der Appell für eine überparteiliche Zusammenarbeit hat bisher vor allem dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama genutzt, der einen Eintritt Bloombergs in das Rennen deshalb vielleicht am meisten von allen Kandidaten fürchten muss. Sowohl bei den Vorwahlen in Iowa als auch in New Hampshire hatte Obama großen Erfolg bei Wählern, die als unabhängig eingetragen sind.
Bloomberg käme auch einem prominenten republikanischen Präsidentschaftskandidaten in die Quere: seinem Amtsvorgänger Rudy Giuliani. Dieser hatte für seine Wahlkampfabstinenz in Iowa und New Hampshire mit einstelligen Ergebnissen bezahlt und hofft auf einen späten Durchbruch in Staaten wie Florida und Kalifornien - und natürlich in New York.
Der Bürgermeister wolle seine Entscheidung über eine Kandidatur bis Anfang März treffen, hieß es am Donnerstag. Das wäre nach dem Super Tuesday, an dem 23 Bundesstaaten ihre Vorwahl abhalten, und nach dem klar sein dürfte, wer sich bei Demokraten und Republikanern die Nominierung als Präsidentschaftskandidat gesichert hat.
In New York gilt Bloomberg als Macher, der das Tagesgeschäft wie auch Krisensituationen beherrscht. In der Mitte seiner zweiten Amtszeit ist seine Beliebtheit in der Metropole ungebrochen. Nach einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage der Bostoner Privatuniversität Quinnipiac billigen ihm 52 Prozent der New Yorker das Potenzial zu, ein "guter Präsident" zu sein. 34 Prozent würden ihn wählen. Aber fast zwei Drittel sagen, er habe eine "moralische Verpflichtung", bis 2009 Bürgermeister zu bleiben.
Bloomberg strich bereits seine finanzielle Unabhängigkeit heraus, bevor er im letzten Juli die Partei der Republikaner verließ. Politisch hatte er sich längst von der Partei abgesetzt. Gleichgeschlechtliche Ehen lehnt er nicht ab, in New York sind die Schusswaffengesetze streng. Auch zu Fragen wie Abtreibung nimmt Bloomberg eine eher liberale Meinung ein.
Bei seiner ersten Wahl im November 2001 war der Bürgermeister noch auf Unterstützung durch seinen Vorgänger Giuliani angewiesen. Der empfahl den alerten Unternehmer als den Richtigen in der Krise nach den Anschlägen auf das World Trade Center. In der folgenden Finanzkrise ging Bloomberg entschlossen vor.
Zu seinen größten Niederlagen zählte die schiefgegangene Olympia-Bewerbung im Jahr 2004. Auch mit seinen Plänen, von Autofahrern eine Gebühr für den Zugang in die Innenstadt zu erheben, scheiterte der Bürgermeister bisher.
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