Die berühmte amerikanische Universität Harvard
Verantwortlich für die stattlichen Erträge war seit 15 Jahren Investmentmanager Jack Meyer. Doch mit dem Ende des Geschäftsjahres am vergangenen Wochenende hat Meyer seine Stelle aufgegeben. Er wird künftig einen eigenen Hedge-Fonds managen. Einen Nachfolger hat Harvard nach neunmonatiger Suche immer noch nicht gefunden.
Dabei bietet der Job fast alles: Prestige, Verantwortung und ein Millionen-Jahresgehalt. Doch alle Wunschkandidaten haben abgewunken. Grund ist das Geld: Ein paar Millionen Dollar im Jahr sind den Wall Street Profis nicht genug - mit einem eigenen Hedge-Fonds verdienen manche Manager das Hundertfache.
Ausgewachsene Misere
Harvard ist das prominenteste Beispiel einer ausgewachsenen Misere. Die Unis bekommen keine wirklich kompetenten Geld-Manager mehr von den Investmentbanken und Finanzkonzernen an der Wall Street weggelockt. Oder sie haben sich mit ihren eigenen Hedge-Fonds selbstständig gemacht. Ein ähnlich hohes Gehalt lässt sich als Uni-Fondsmanager nicht verdienen: Der Widerstand von Spendern, Sponsoren und Studenten wäre gewiss. Diese fordern, dass die Universität ihr Geld in die Ausbildung investiert und nicht in fürstliche Saläre von Finanzjongleuren. Doch während das Vermögen der Stiftungen jährlich um Milliarden Dollar wächst, steigen gleichzeitig die Studiengebühren.
Den Geldgebern ist dieser scheinbare Widerspruch nur schwer zu verkaufen. John Griswold, Geschäftsführer des Commonfund Institute, der Forschungseinrichtung des größten US-Vermögensverwalters für gemeinnützige Organisationen, weiß von den Problemen der Stiftungen. "Selbst erfolgreichen Manager bläst der Wind von Uni-Angestellten und Spendern ins Gesicht, wenn sie ihren Leuten die in der Finanzbranche üblichen Gehälter zahlen. Jack Meyer ist diese Einmischung von außen jetzt leid. Er hat seine Konsequenzen daraus gezogen", sagt Griswold.
Der "brain drain" - der Abgang der besten Fondsmanager von den Universitäten - birgt eine nicht unerhebliche Gefahr. Denn längst sind die Stiftungsmilliarden nicht mehr nur in sicheren Anleihen investiert. Ein immer größerer Anteil fließt in alternative Investments, nicht zuletzt auch hochspekulative Hedge-Fonds. Nach einer Studie des Commonfund Institute will fast jede dritte Institution ihren Portfolio-Anteil an alternativen Strategien ausbauen, während dort gerade einmal zwei Prozent das Engagement verringern wollen. Im Schnitt besteht mehr als ein Drittel der Portfolios mittlerweile aus alternativen Investments, 2001 waren es noch 23 Prozent, so die Studie.
Gefährliche Mischung
Überforderte Manager und risikoreiche Anlagestrategien - für Experten wie Griswold ist das eine gefährliche Mischung. "Es ist ein Problem, dass die Mittelzuflüsse in risikoreichere Investments steigen, während sich die Qualität der Fondsmanager nicht verbessert", sagt Griswold. Die Untersuchung seines Instituts hat auch gezeigt, dass diejenigen Universitäten die größten Gewinne mit ihren Investments machen, die auf professionelle Ressourcen zurückgreifen, wie beispielsweise eine größere Managerzahl.
Weil sich innerhalb der meisten Universitäten die marktgerechte Bezahlung der Fondsmanager aber nicht durchsetzen lässt, suchen immer mehr Institutionen ihren Ausweg in externen Vermögensverwaltungsgesellschaften. So beispielsweise das renommierte Massachusetts Institute of Technology (MIT). "Wir haben das Management vollkommen nach außen gegeben", sagt Schatzmeister Allan Bufferd. Heute beträgt der Anteil von alternativen Investments am Gesamtportfolio bereits 55 Prozent. "Auf lange Sicht haben die Portfolios am besten abgeschnitten, die sowohl Anlagen als auch Strategien möglichst weit gestreut haben", sagt Bufferd. Der Erfolg gibt ihm Recht: Das MIT hat bereits Ende der 70er Jahre als eine der ersten Institutionen in alternative Investments angelegt - und seitdem weit besser abgeschnitten als konservativer investierende Institutionen.
Gerade große Universitäten wie das MIT sind auf die Vermehrung des Stiftungsvermögens angewiesen. Die Elite-Universität Stanford beispielsweise finanziert inzwischen 16 Prozent ihrer Ausgaben allein durch Zuflüsse aus ihren Fonds. Ohne die zusätzlichen Einnahmen würden die ohnehin schon hohen Studiengebühren in astronomische Höhen steigen. Wer an der Harvard Business School seinen Master machen will, muss jährlich 37.500 $ überweisen, an der Stanford Graduate School of Business mehr als 41.000 $.
Einer, der trotz des vergleichsweise mageren Salärs seiner Universität die Treue hält, ist der Yale-Fondsmanager David Swensen. Er macht gerade einmal 1 Mio. $ im Jahr - Harvards Jack Meyer kam immerhin auf gute 7 Mio. $. Dabei ist Swensen einer der Stars der Branche. Seit er vor 20 Jahren die Yale-Stiftungsgelder übernommen hat, ist das Vermögen von 1,3 Mrd. auf 15 Mrd. $ gestiegen - eine selbst von Meyer nicht erreichte Rendite von jährlich 16 Prozent, im vergangenen Jahr waren es sogar mehr als 22 Prozent. Warum er dem Lockruf des Geldes von der Wall Street widersteht, bleibt sein Geheimnis. Swensens Beispiel aber gibt MIT-Veteran Bufferd Hoffnung: "Es sind halt doch nicht immer nur Dollar, die Menschen motivieren".