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Merken   Drucken   04.10.2008, 10:00 Schriftgröße: AAA

Employer Branding: Trend ohne großen Zuspruch

Suchmaschine statt Porsche: Wenn Internet-Dienstleister die Hersteller von Produkten mit viel Sexappeal ausstechen, dann liegt das meist am Firmenimage. Das Zauberwort im Wettstreit um die Talente heißt Employer Branding. In deutschen Firmen ist es wenig verbreitet. von Sabine Meinert
Bislang stellen nur wenige deutsche Unternehmen Budgets für den Aufbau einer Arbeitgebermarke zur Verfügung. Entsprechende Investitionen planen nur 36 Prozent der Unternehmen, ergab eine Expertenbefragung der Medienagentur Index, die die Angaben von knapp 200 Spitzenmanagern deutscher Firmen auswertet.
Mehr als die Hälfte der Firmen stellt für die Pflege der Arbeitgebermarke nicht mehr als 10.000 Euro pro Jahr an. "Wenn man bedenkt, wie viel Geld Unternehmen für Stellenanzeigen oder Personalberater ausgeben, wird deutlich, dass die Möglichkeiten von Employer Branding noch nicht genutzt werden", so Franziska Berge, Agenturchefin von Index.
"Employer Branding" als wichtiger Trend
Trotz der mangelnden Investitionsbereitschaft halten die meisten Unternehmen das Thema Employer Branding für besonders relevant - 70 Prozent sehen einen wichtigen Trend darin, potenzielle Mitarbeiter auf die eigene Firma aufmerksam zu machen, ergab die Umfrage. Den meisten befragten Managern ist klar: Bekanntheit, Glaubwürdigkeit und ein allgemein guter Ruf sorgen nicht nur für Kunden, sondern auch für einen Zulauf an Spezialisten. Wie auch Studien der Deutschen Employer Branding Akademie (DEBA) zeigen, erzielen die Unternehmen per Employer Branding zudem bei den bereits beschäftigten Mitarbeitern mehr Identifikation, Engagement und Erfolg. Sie sind rundum "the employer of choice" - auch wenn dieser Erfolg nur schwer messbar und bisher selten belegt ist.
Employer Branding
Employer-Branding-Strategien beschäftigen sich mit Identität und Kultur eines Unternehmens. Dabei gilt es, eine positive Arbeitgebermarke zu schaffen, die Qualitäten des Unternehmens herauszustreichen und sich bei der Anwerbung potentieller Mitarbeiter als besonders attraktiv darzustellen. Wichtige Punkte: Glaubwürdigkeit und Nachhaltigkeit.
Wo Employer Branding gut funktioniert, gibt es besonders viele Initiativbewerbungen. Die Mitarbeiterfluktuation ist geringer als bei Wettbewerbern, denn es herrscht weitgehend Vertrauen zwischen Führung und Mitarbeitern, die Belegschaft ist deutlich motivierter als anderswo. Die Beschäftigten treten zudem häufig als Botschafter ihres Unternehmens auf.
 
Allerdings fehlen häufig organisatorische Vorgaben. Wenn die Zuständigkeiten nicht geklärt sind, macht dies Employer-Branding-Projekte unnötig schwer, fanden die Initiatoren heraus. Rund 22 Prozent der Unternehmen haben bisher keine verantwortliche Stelle definiert. Meist sind die Aktivitäten dem Personalbereich und der PR-Abteilung gleichermaßen zugeschlagen. Nur bei 6 Prozent der Firmen ist eine spezielle Stelle für den Aufgabenbereich Employer Branding vorgesehen. Die überwiegende Mehrheit (83 Prozent) plant nicht, in nächster Zeit dafür Mitarbeiter einzustellen.
Bei der Umsetzung setzen die Unternehmen gern auf externes Know-how. Fast zwei Drittel halten Unterstützung durch Dienstleister für sinnvoll. Sieben Prozent würden das Employer Branding sogar ganz in die Hände von Externen geben. Dabei zählt, dass die Anbieter Kommunikationskompetenz und Erfahrungen im Personalmarkt in gleichem Maße besitzen. Jedes vierte Unternehmen würde sich dagegen ausschließlich auf die eigenen Kräfte verlassen.
Neue Wissenshilfe
Um Unternehmen auf diesem Themenfeld zu unterstützen, stellt die Deutsche Employer Branding Akademie (DEBA) eine frei zugängliche Know-how-Plattform zur Verfügung. Ein Team der Akademie stellte dafür Monographien, Fachartikel, Studien und wissenschaftliche Arbeiten zusammen. Derzeit umfasst die Bibliographie mehr als 200 Einträge. Diese können jedoch auch durch eigene Literaturvorschläge der User ergänzt werden.
Wolf Reiner Kriegler, Gründer der DEBA, verweist zudem auf den interdisziplinären Ansatz: "Employer Branding ist ein boomendes Querschnittsthema, zu dem auch Wirtschaftspsychologen, Betriebswirte, Markenwissenschaftler und viele andere etwas zu sagen haben - auch wenn das dann nicht immer Employer Branding heißt."
Mehr Informationen: http://www.employerbranding.org
  • FTD.de, 04.10.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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