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Merken   Drucken   04.12.2010, 09:00 Schriftgröße: AAA

Employer Branding: Wettstreit um den besten Eindruck

Deutsche Technik ist gefragt. Deutsche Ingenieure folglich auch. Unternehmen beginnen daher immer früher, Nachwuchs zu rekrutieren. Denn gegen Fachkräftemangel hilft nur voller Einsatz. von Ralf Heß
Wer sich dieser Tage für ein Studium der Ingenieurswissenschaften einschreibt, muss sich keine Gedanken über seine berufliche Zukunft machen. An allen Ecken und Enden fehlen den Unternehmen Fachkräfte. Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) gab kürzlich bekannt, dass im September 2010 in ganz Deutschland insgesamt 40.900 Ingenieure fehlten. Dies sei im Vergleich zum Vormonat eine Steigerung um 4,9 Prozent.
Dabei leiden kleine und mittelständische Unternehmen stärker unter dem Ingenieurmangel, als große Weltkonzerne. Viel hängt davon ab, wie sich ein Arbeitgeber seinen künftigen Mitarbeitern präsentiert. Auch mittelständische Unternehmen haben dabei die Chance, ein positives Employer Branding aufzubauen und damit den Nachwuchs für ein künftiges Wachstum zu sichern.
Markus Vatter, Personalvorstand des Sensoren- und Optoelektronikproduzenten Sick, sagt: "Bei uns läuft sehr viel über Mund-zu-Mund-Propaganda." Das Unternehmen biete angehenden Ingenieuren bereits während des Grundstudiums die Möglichkeit, ein Praktikum zu machen. Dabei ginge es nicht nur um die Vermittlung von Praxiskenntnissen. Genau so wichtig sei es, dass die Studenten mit einer positiven Erfahrung an die Universität zurückkehrten, um dies unter ihren Kommilitonen weiterzuverbreiten. "Für unsere Berufsgruppe wollen wir bundesweit bekannt sein", beschreibt Vatter die Strategie. Eine positive Mund-zu-Mund-Propaganda sei dabei viel hilfreicher, als eine aufwendige Anzeigenkampagne.
Es wird allerdings auch für große Konzerne immer schwieriger, junge Ingenieure zu locken. Sogar eine internationale Ausrichtung lässt Nachwuchskräfte heute nicht wie von selbst anklopfen. "Wir fangen früh an, Leute an uns zu binden", sagt daher Jörg Schwitalla, Personalvorstand der MAN -Gruppe. Das Unternehmen ist zwar einer der größten Nutzfahrzeughersteller weltweit, der Fachkräftemangel ist aber auch hier bemerkbar.
Talente frühzeitig an die Unternehmen binden
"Wenn man sich die Alterspyramide ansieht, dann verlassen mehr Menschen das Berufsleben, als junge Leute nachrücken", sagt Schwitalla. Daher versuche die MAN bereits früh, einen guten Kontakt zu angehenden Ingenieuren herzustellen. "Wir unterstützen Studenten mit Stipendien." Damit könne sich das Unternehmen einen Teil der guten Absolventen bereits an der Universität sichern. Die internationale Rekrutierung würde jedoch ebenfalls immer wichtiger werden, um die entstehende Lücke zu schließen.
Ein Weg, der für kleine und mittelständische Unternehmen sicher nicht so einfach zu gehen ist. Erik Bethkenhagen, Pressesprecher der Unternehmens- und Personalberatung Kienbaum, sagt: "Employer Branding ist ein ganz großes Thema, insbesondere wenn es um Ingenieure geht." Gerade die kleineren Unternehmen hätten einiges für junge Ingenieure auf Lager. Angefangen bei einem schnelleren Aufstieg, bis hin zu einem deutlich größeren Aufgabenbereich. Wichtig sei dabei erst einmal herauszuarbeiten, was das Unternehmen ausmache. "Was kann ich bieten?", so Bethkenhagen. Denn wer heute nicht damit beginnt, sich für Ingenieure interessant zu machen, wird es in der Zukunft nicht leichter haben, Fachkräfte zu gewinnen.
  • FTD.de, 04.12.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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